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Ein Mann bringt Wahlurnen und andere Materialien für die Wahl in einen Bus.

Wahl in Pakistan

Radikal ins Parlament

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Auch Islamisten, religiöse Fanatiker und Terrorverdächtige treten bei der Wahl in Pakistan an. Die Wahlkommission hat keine Bedenken.

Dutzende von Leuchtbirnen verleihen dem Früchten auf Marktständen appetitlichen Glanz. Hühner warten in niedrigen Käfigen geduckt auf Käufer. Die Nacht ist angebrochen und Islamabads Männer – Frauen sind seltene Ausnahme – drängen sich durch die engen Gassen des Aabpara Basars in Pakistans Hauptstadt Islamabad.

Die geschäftige Abendstunde, in der viele Wähler unterwegs sind, gilt der radikalislamischen Partei Tehreek-i-Labbaikk als idealer Zeitpunkt für einen Wahlkampfauftritt. Aus den riesigen, mit Kandidatenplakaten beklebten Lautsprechern auf der schmalen Ladefläche eines Kleinlasters dröhnen Lobpreisungen für den Propheten Mohammed.

Wahlkampf für den Urnengang ist in den Stadtgrenzen Islamabads untersagt. Doch kein Polizist wagt, die islamistischen Wahlkämpfer zu stoppen. Aus den Lautsprechern plärren schließlich religiöse „Naats“ (Verse), die Mohammed verherrlichen. In Pakistan kann die Religion die Politik manipulieren. Doch weder Behörden noch Politiker besitzen genug Willen oder Wagemut, religiöse Fanatiker in gesetzliche Schranken zu weisen. Unter den 3765 Kandidaten, die sich am Mittwoch zur Wahl stellen, befinden sich mehr als 400 Vertreter radikalislamischer Parteien und wegen Terrorverdachts verbotener Organisationen.

Mit Al-Kaida verbunden

Tehreek-e-Labbaik ist die Partei der fanatischen Gruppe Tehreek-e-Labbaik Ya Rasool Allah (TLYR), die den Kampf gegen Blasphemie – Beleidigung des Propheten – auf die Fahnen geschrieben hat. Ein Mitglied der Gruppe schoss vor Monaten auf Pakistans damaligen Innenministers Ahsan Iqbal, einen wortgewaltigen Verteidiger der religiösen Minderheiten des Landes, und verletzte ihn schwer.

In der Provinz Baluchistan, in deren Stadt Mustang vergangene Woche 175 Menschen und der gemäßigte Politiker Siraj Raisani dem Anschlag eines lokalen Ablegers der Terrormiliz „Islamischer Staat“ zum Opfer fielen, darf Shafiq Mangal ungehindert antreten. Der Gründer der militanten Gruppe Baloch Musalla Difa Tanzeem schloss sich später der Anti-Schiiten-Gruppe Laskhar-e-Janghvi an. Diese war unter anderem mit Al-Kaida liiert und leistet zumindest teilweise dem IS Gefolgschaft. 509 Schiiten fielen laut Zahlen der Provinzbehörden seit dem Jahr 2013 dem Terror durch dogmatische Sunniten à la Mangal zum Opfer. Der Kandidat sagt freimütig: „Den Slogan ,Schiiten sind Ungläubige‘ haben wir während des Wahlkampfs aus politischen Gründen gegenwärtig eingemottet.“

Der Terrorist, dem Pakistans Wahlkommission wie Hunderten anderen Extremisten grünes Licht für seine Kandidatur gab, tritt für die Partei Ahle Sunnat Wai Jammat (ASWJ) an, die insgesamt 150 Parlamentskandidaten benannte. Ihr Sprecher Oneeb Farooqi brüstet sich in Islamabad: „Alle Parteien wollen Kontakt zu uns, weil sie Verbündete brauchen.“ Zum Beweis verbreitete er per Twitter ein Foto, dass Shahid Khaqan Abbasi, einen führenden Politiker der regierenden Pakistan Muslim League (PMLN) gemeinsam mit der ASWJ -Führung zeigt.

In Lahore, der Hauptstadt von Pakistans bevölkerungsreichster Provinz Punjab, fand die Terrortruppe Lashkar-e-Toiba (LeT) trotz Verbots einen Weg, Kandidaten ins Rennen zu schicken. Sie war für den Anschlag auf Indiens Finanzzentrum Mumbai 2008 verantwortlich. Ihr Chef Hafeez Saeed tritt für die Partei Allah-u-Akbar Tehreek auf. Zwei seiner Söhne gehören zu den 235 Kandidaten der Partei und koordinieren den Wahlkampf der Gruppe.

„Diese Leute dürfen antreten, weil das Militär hofft, sie so politisch einzubinden“, sagt der Journalist Irfan Ghauri von der Tageszeitung „Express Tribune“. Pakistans Menschenrechtskommission HRCP ist empört. Bei einer Pressekonferenz sagte ein Sprecher: „Wir sind alarmiert, dass der Staat verbotenen Gruppen unter anderem Namen neue Legitimität verleiht.“ Sharjeel Shahzad, Kolumnist der Tageszeitung „Dawn“, fürchtet fatale Konsequenzen: „Welcher Kandidat soll Mut genug besitzen, gegen diese Leute Wahlkampf zu betreiben?“

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