DAS PORTRÄT

Radikal

Schamil BassajewDer 38 Jahre alte tschetschenische Rebellenkommandeur Schamil Bassajew ist Russlands Staatsfeind Nummer eins.

Rebellenchef Bassajew brannte sich ins kollektive Gedächtnis der Russen ein, als er im Juni 1995 in der südrussischen Kleinstadt Budjunnowsk 1200 Menschen in einem Krankenhaus als Geiseln nahm und Russland aufforderte, den Krieg zu beenden. Für Bassajew, der als außerordentlich tapferer Kämpfer gilt, ein "logischer" Angriff: Russische Bomber hatten elf seiner Verwandten getötet. Noch 1991 hatte Bassajew Russlands ersten Präsidenten Boris Jelzin im Weißen Haus gegen die Putschisten mitverteidigt. Später wurde er Moskaus Erzfeind.

Nach dem Ende des ersten Tschetschenienkriegs im Sommer 1996 distanzierte sich Bassajew von dem an Aussöhnung mit Moskau interessierten tschetschenischen Präsidenten Aslan Maschadow und übernahm die Ideologie eines radikaleren Islam. Bassajew und der arabischstämmige Kommandeur Chattab wandelten ein ehemaliges Kindererholungslager zum Islamisten- Trainingslager um.

Zu Beginn des zweiten Tschetschenienkriegs leitete Bassajew die Verteidigung Grosnys gegen die russische Armee. Beim Abzug aus der Stadt Anfang Februar 2000 verlor er durch eine Minenexplosion ein Bein. Nach der Geiselnahme im Musical-Theater "Nordost" Ende Oktober 2002 entließ Maschadow ihn als Kommandeur - eine freilich rein formale Entscheidung.

Im Mai 2003 übernahm Bassajew ausdrücklich die Verantwortung für die tödlichsten Terroranschläge der vergangenen Monate. Bassajew betonte, er habe den Anschlag auf das Regierunsgebäude in Grosny organisiert, bei dem am 27. Dezember 2002 mehr als 70 Menschen starben. "Ich habe persönlich auf den Knopf der Fernsteuerung gedrückt, die den Sprengsatz auslöste", sagte er seinem Internetdienst. Die Terroranschläge, bei denen am 12. und 14. Mai in tschetschenischen Dörfern mehr als 70 Menschen starben, nannte Bassajew "erfolgreiche militärische Operationen gegen die russischen Besatzer und (. . .) tschetschenische Nationalverräter".

Während Noch-Rebellenführer Maschadow Terroranschläge zumindest offiziell ablehnt, unterstützen andere einflussreiche Rebellen kommandeure diese Strategie offenbar: so die Kommandeure Doka Umarow, Ruslan Gelajew, Wacha Arsanow, Abu Walid und Abdul-Malik Meschidow. Rebellen Meschidows sagten der FR im Mai, Selbstmordattentäter bekämen "in der Regel zwanzig- bis dreißigtausend Dollar, mit denen sie ihre Familie in Sicherheit bringen können und versorgt wissen. Manche erklären sich auch ohne Geld zum Kamikaze- Attentat bereit, um sich an denjenigen zu rächen, die ihren Sohn entführt und ermordet haben." Bassajew befürwortete auch Attentate außerhalb Tschetscheniens. "Wir haben einen Teil der militärischen Operationen auf das Territorium Russlands verlegt und (den Tschetschenien-Krieg) zu einem innerrussischen Konflikt gemacht." Die bisherigen Anschläge seien "nur ein kleiner Teil der für dieses Jahr geplanten Operationen unter dem Codenamen , Tod dem Antiterror‘ ", sagte er im Mai. "Antiterror" nennt Moskau seine Miltitäraktionen in Tschetschenien. fh

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