Nordhessen

Radieschen statt Lastwagen

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In Neu-Eichenberg haben Besetzer den Bau eines Logistikzentrums verhindert.

Es ist jetzt ein Jahr her. Anfang Mai 2019 besetzten Aktivisten in der nordhessischen Gemeinde Neu-Eichenberg einen Acker mit Zelten und Bauwagen. Sie protestierten damit gegen die Pläne eines Investors, auf einem 80 Hektar großen Gelände direkt angrenzend an die Wohnbebauung ein Logistikzentrum zu errichten.

Auch eine Bürgerinitiative (BI) formierte sich damals in der ländlichen Region im Dreiländereck von Hessen, Thüringen und Niedersachsen. Sie forderte in einer Onlinepetition: „Beton kann man nicht essen – kein Logistikzentrum in Nordhessen“. Hunderte, wenn nicht gar Tausende Lastwagen sollten künftig täglich in den dort geplanten Verteilzentren von Online- und Versandhändlern be- und entladen werden. Die Platzbesetzung dauert bis heute an, auch in Corona-Zeiten. Eine Gartenhütte stand den ganzen Winter über hier, außerdem Wohnwagen und Bauwagen.

„Kürzlich haben wir das bunte Zirkuszelt neu aufgebaut, das im Winter eingemottet war, und auch das Gartenbauprojekt ,Ungehorsames Gemüse‘ wurde gestartet“, berichtet Luca Rosenberg, einer der Besetzer. Der Mais ist eingesät, der Spinat wächst, und die ersten Radieschen sind bereits geerntet worden.

Besetzer und BI können zumindest einen Teilerfolg verbuchen. Der Investor, die Dietz AG aus dem südhessischen Bensheim, zog sich schon Ende 2019 aus dem Projekt zurück. Der Protest habe dazu geführt, „dass der Standort für den potenziellen Nutzerkreis – um es positiv zu formulieren – enorm an Attraktivität eingebüßt hat“, schrieb das Unternehmen an den Bürgermeister der 2000-Einwohner-Gemeinde, Jens Wilhelm (SPD).

Inzwischen liegen die Pläne auf Eis – es gibt eine Denkpause. Die Gemeindevertretung beschloss im Januar überraschend, das Planungsverfahren für sechs Monate ruhen zu lassen. Ein Arbeitskreis wurde gegründet, der mögliche Alternativen zum Logistikzentrum bewerten soll und an dem auch zwei BI-Vertreter teilnehmen.

Zwei konkrete Vorschläge für die künftige Nutzung gibt es bisher. Ein Investor aus dem nahen Witzenhausen will das Areal großflächig für Solaranlagen und ein verkleinertes Gewerbegebiet nutzen. Ein weiteres Konzept haben unter dem Titel „Land schafft Zukunft“ Studierende des ebenfalls in Witzenhausen ansässigen Fachbereichs Ökologische Agrarwissenschaften der Uni Kassel sowie Praktiker aus Landwirtschaft und Gartenbau entwickelt. Gemüseanbau, Energieholz-Produktion, Kleingewerbe, Mehrgenerationenwohnen lauten deren Stichworte.

Ob eine dieser Alternativen das Rennen machen könnte oder vielleicht doch ein anderer Investor für das Logistikzentrum zum Zug kommt, ist offen. Der Arbeitskreis hat coronabedingt seine Prüfung unterbrochen, und die nächste Gemeindevertretersitzung, bei der ein Beschluss gefasst werden könnte, findet wohl frühestens im September statt. Der Bürgermeister betont, es gebe weitere Anfragen für das Areal.

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