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Rabbiner-Sohn befreit Hitler-Deutschland

General Maurice Rose aus Connecticut galt als HaudegenEin Jude mit polnischen Wurzeln überschritt als erster US-Kommandeur den unüberwindbar geltenden Westwall. Tags darauf, am Nachmittag des 13. September 1944, befreiten die Männer von Maurice Rose Roetgen bei Aachen als erste deutsche Stadt.

Von GERD KORINTHENBERG (PADERBORN, DPA)

Sein draufgängerisches Leben klingt wie das Drehbuch eines US-Kriegsfilms, in dem John Wayne sicherlich die Titelrolle übernommen hätte. General Maurice Rose, Sohn eines orthodoxen Rabbiners aus Middletown (Connecticut), war wohl genau das, was man einen Haudegen nennt. Seine dritte Panzerdivision "Spearhead", die er nach Erinnerung der Veteranen im blutigsten Kampfgetümmel vom Jeep aus in der vorderen Linie kommandierte, hatte als erste den als unüberwindbar geltenden Westwall durchbrochen: Ein Jude mit polnischen Wurzeln überschritt somit als erster US-Kommandeur die Grenze des brennenden "Deutschen Reiches". Tags darauf, am Nachmittag des 13. September 1944, befreiten die Männer von Maurice Rose Roetgen bei Aachen als erste deutsche Stadt.

Nach etlichen erbitterten Gefechten, bei denen sich die schweren Sherman-Panzer seiner "3rd Armored Division" von der normannischen Küste durch die blutige Ardennenschlacht über den Rhein bei Köln bis Westfalen vorangekämpft hatten, starb der 46-Jährige am 30. März 1945 am Stadtrand von Paderborn. Nach Berichten Überlebender auf den Internetseiten von US-Veteranenverbänden und Heeres-Museen ist bis heute unklar, ob Rose und zwei seiner Männer auf einer Straße südlich Paderborn in einen Hinterhalt des letzten Aufgebots der SS- Panzerbrigade "Westfalen" geraten ist. Vielleicht waren schlicht Verständigungsprobleme der Grund für die tödlichen Schüsse, die ein in Panik geratener junger deutscher Panzerfahrer auf General Rose, den höchstrangigen jüdischen Offizier der US-Armee, abgefeuert hat.

"Er war der Letzte, der bedauert hätte, dass er das Ende eines Soldaten gefunden hat", schrieb damals pathetisch US- Kriegskorrespondent Hal Boyle über den Mann, dessen Militärkarriere mit 17 Jahren begonnen hatte und der mit den höchsten militärischen Ehrenzeichen der USA, mit Orden Belgiens und Frankreichs ausgezeichnet worden war. Rose wurde zunächst auf dem heute aufgegebenen US-Soldatenfriedhof bei Ittenbach im Siebengebirge bestattet, wo neben 1484 Deutschen auch 3600 GIs als letzte Opfer der Kämpfe an Rhein und Ruhr beigesetzt worden waren. Im Juli 1945 wurden alle amerikanischen Toten in die USA übergeführt.

Filmreif war schon der Beginn der Militärlaufbahn des Rabbinersohns, der die häusliche Atmosphäre des orthodoxen Judentums weit hinter sich gelassen hatte: Die Nationalgarde in Colorado feuerte den 15-jährigen Rose, der sich mit falschen Papieren zum "reifen" 18-Jährigen geschwindelt hatte. Mitte 1918 war er Infantrist in den Schützengräben Frankreichs, wurde rasch befördert und - trotz antisemitischer Tendenzen auch in der US-Armee - bis 1941 Major.

Ein Jahr später nahm der groß gewachsene, dunkelhaarige Vorzeigesoldat an der Invasion Nordafrikas teil, im Sommer 1943 eroberte seine Kampfeinheit Palermo, und 24 Stunden nach dem D-Day in der Normandie, am 7. Juni 1944, landete General Rose am Omaha Beach.

Seine Männer, die ihn fürchteten und verehrten, verdonnerte der Kommandeur zu zehn Dollar Strafe für das Rote Kreuz, wenn sie keinen Stahlhelm trugen. Er selbst, so erinnern sich Zeitzeugen, rollte zunächst mit seinem Jeep bei Minengefahr über die Brücken, bevor er seinen Panzern die gefährliche Passage gestattete.

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