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Maßnahmen-Kritiker finden: „Lockdown ist keine Lösung“. Das könnte sich nun ändern.
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Maßnahmen-Kritiker finden: „Lockdown ist keine Lösung“. Das könnte sich nun ändern.

Selbstisolation

Querdenker wollen in „Bürgerlockdown“ - aus Protest gegen 1G/2G/3G

  • VonMirko Schmid
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Immer mehr Lebensbereiche sind nur noch oder vor allem für gegen Corona Geimpfte, Genesene und Getestete zugänglich. Dagegen regt sich ein besonderer Protest.

Berlin – Menschen aus dem Umfeld der „Querdenken“-Bewegung eint die Ablehnung der Maßnahmen, die zur Eindämmung der Corona-Pandemie beitragen sollen. Dazu gehören die Maskenpflicht, Corona-Tests, Abstandsregelungen und vor allem Impfungen und Lockdowns. Um so überraschender ist ein Aufruf aus der Mitte der Szene, der sich aktuell in Kanälen des Nachrichtendienstes Telegram rasant verbreitet.

Und der klingt zunächst kurios. Aus Protest gegen die „G-Regeln“ nämlich wird dazu aufgefordert, sich freiwillig in eine Selbstisolation zu begeben, das Motto lautet „Bürger Shutdown“. Die „G-Regeln“ beschreiben in verschiedenen Abstufungen den Zugang zu verschiedenen Veranstaltungen, zu öffentlichen Gebäuden oder auch zu Räumlichkeiten des Privatsektors. 1G steht für „ausschließlich für Geimpfte“, 2G erweitert diesen Kreis um von einer Corona-Infektion Genesene, 3G schließt auch frisch Getestete mit ein.

„Querdenker“ demonstrieren in Berlin, Impfkritikerin ruft zu Selbstisolation auf

All das lehnen die „Querdenker“ ab, sie demonstrieren seit Monaten für ein Deutschland ohne Corona-Maßnahmen, also auch gegen jede Form von einer angeblichen Benachteiligung derer, die Impfungen oder sogar Corona-Tests ablehnen. Nachdem Hamburg als erstes Bundesland vorgeprescht war und alle Publikumseinrichtungen ausschließlich für Geimpfte und Genesene geöffnet hatte, wodurch gemäß der „2G-Regel“ auch lediglich Getestete ohne Impfschutz oder überwundene Corona-Erkrankung außen vor bleiben, schwillt der Protest der Verschwörungsszene weiter an.

Während am 28. August erneut Hunderte selbsternannte Systemkritiker:innen durch Berlin ziehen, um wie gehabt ohne Maske und Abstand an größtenteils nicht genehmigten Demonstrationen teilzunehmen und immer wieder mit der Polizei aneinandergeraten, rufen andere dazu auf, das Gegenteil zu tun: daheimbleiben, einschließen, Selbstisolation.

Der Datenjournalist Josef Holnburger, Teil der Geschäftsführung des Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS), beschäftigt sich nach eigenen Angaben seit Jahren wissenschaftlich mit Verschwörungsideologien, Rechtsextremismus und Antisemitismus. Auf Twitter verbreitete er nun einen Screenshot aus einem verschwörungsideologischen Telegram-Kanal namens „Aufruf Bürger Shutdown“, in dem die Gründerin der Gruppe, eine „Annette B.“, einen Aufruf zur Selbstisolation verbreitet, der inzwischen (Stand 28. August 2021, 16.30 Uhr) mehr als 350.000 Aufrufe generiert hat.

Selbstisolation mit „Prepper“-Note: Verschwörungsgläubige sollen sich erst versorgen, dann boykottieren

Der Aufruf beginnt mit den Worten: „Mit dem Beitritt zu dieser reinen Teilnehmer-Gruppe erklärst du dich bereit und einverstanden ab dem Startdatum Dienstag, den 07. September 2021“ und dann folgt eine Auflistung von Dingen, welche die Protest-Bewegten unterlassen sollen oder wollen: einkaufen gehen, bestellen, tanken, Kredit- oder Girokarten nutzen, Veranstaltungen, Kurse, Fitnessstudios besuchen, gastronomische Angebote frequentieren, arbeiten, öffentliche Verkehrsmittel nutzen, Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Außerdem sollen die Teilnehmenden ihre Kinder nicht in die Kita oder die Schule schicken.

Kurzum: Gefordert wird eine vollständige Isolation. Hungern aber wollen sie nicht. Denn bevor sie aufhören, einkaufen zu gehen oder Essen zu bestellen, wollen sie sich „mit Lebensmitteln und was wir sonst dringend benötigen bevorraten“, um dann für „14 Tage komplett“ auszusteigen.

Das Faktencheck-Portal Volksverpetzer.de ergänzt einen weiteren Screenshot, in dem es heißt: „Wir brauchen keine Restaurants, Hotels, Clubs, Kneipen, Friseure, Fitnessstudios, Bäcker, Konditoreien, Café‘s [sic], Freizeitparks, Schwimmbäder, Reisebüros, Fluggesellschaften usw.“, gefolgt von der Behauptung in Versalien: „ABER SIE BRAUCHEN UNS !“

Bekannte „Querdenken“-Protagonisten teilen Aufruf zur Selbstisolation

Weiter schreibt der oder die Urheber(in): „Wer von mir wissen möchte, ob ich geimpft, getestet oder genesen bin, der wird von mir kein Geld mehr erhalten! Was in Moskau funktioniert hat, funktioniert auch in Deutschland.“ Und dann folgt der Aufruf: „Erzieht Ihnen [sic] das Geld!“ Denn: „Jeder der Menschen diskriminiert soll pleite gehen!“

Im ursprünglichen Text heißt es ebenfalls: „Nicht wir brauchen sie, sondern sie brauchen uns zum (über) leben! Wenn 10 Millionen Menschen das mindestens 1 Woche durchhalten, besser 2 Wochen, habe [sic] wir gewonnen! Enddatum ist der 19. September 2021“ und: „Noch vor der Wahl handeln!“ Der Aufruf ist also wohl dazu gedacht, Betrieben, die sich den „G-Regeln“ nicht verweigern, finanziellen Schaden zuzufügen, indem für 14 Tage auf Einkäufe verzichtet werden soll, die allerdings zuvor per „Bevorratung“ getätigt werden sollen. Inzwischen wurde das Pamphlet auch auf Englisch hinzugefügt.

Und der Aufruf zur Selbstisolation verbreitet sich weiter. Laut Datenjournalist Holnburger haben die in „Querdenken“-Kreisen prominenten Protagonisten Bodo Schiffmann und Markus Haintz die Aufforderung zum „Bürger Shutdown“ inzwischen in ihren eigenen, relativ stark frequentierten, Telegram-Kanälen weiterverbreitet. (Mirko Schmid)

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