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„Querdenken“-Mann Ballweg seit sechs Monaten in U-Haft - Hunderte feiern mit ihm Weihnachten

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Von: Katja Thorwarth

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„Querdenken“-Initiator sitzt seit 29. Juni in Untersuchungshaft.
„Querdenken“-Initiator sitzt seit 29. Juni in Untersuchungshaft. © Fabian Strauch/dpa

„Querdenken“-Gründer Michael Ballweg sitzt in Untersuchungshaft - wegen Fluchtgefahr. Ermittelt wird wegen Betrugs und Geldwäsche - ein Ende ist nicht in Sicht.

Stuttgart - Es war der 29. Juni, als Ermittler zwei Wohnungen und Geschäftsräume von Michael Ballweg durchsuchten und den Gründer der sogenannten „Querdenken“-Bewegung festnahmen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft - wegen Fluchtgefahr.

Noch ein halbes Jahr nach der Festnahme des 48-Jährigen ist ein Ende der Ermittlungen nicht absehbar. Die Arbeit laufe noch, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart am Mittwoch (28. Dezember). Allerdings haben die Ermittler:innen die Vorwürfe zwischenzeitlich etwas herabgestuft und verdächtigen ihn nunmehr des versuchten gewerbsmäßigen Betruges und der Geldwäsche.

„Querdenken“-Gründer Michael Ballweg: Betrugsverdacht und Geldwäsche

Bei einer Durchsuchung Ende Juni hatten sich laut Behörden-Angaben konkrete Anhaltspunkte dafür ergeben, dass Ballweg sich mit seinen Vermögenswerten ins Ausland absetzen wollte. Nach damaligen Angaben aus Justizkreisen bestand der Verdacht des Betruges in Höhe von rund 640.000 Euro sowie der Geldwäsche in Höhe von rund 430.000 Euro.

Welche neuen Erkenntnisse zwischenzeitlich dazu führten, dass die Staatsanwaltschaft nun nur noch von einer versuchten Tat ausgeht, erläuterte die Sprecherin nicht im Detail. Dass sich im Zuge der Ermittlungen Vorwürfe ändern, sei aber nichts Ungewöhnliches.

„Querdenken“-Initiator Ballweg: Anwaltsteam scheitert bislang

Anhänger:innen von „Querdenken“ hatten sich 2020 im Kontext der staatlichen Corona-Maßnahmen formiert und waren auf die Straße gegangen. Bei den Demonstrationen gab es immer wieder Angriffe auf Polizei und Medien. Auch steht die Initiative in der Kritik, weil ihr wenig Distanz zu Rechtsextremist:innen nachgesagt wird. Verschiedene Landesverfassungsschutzämter hatten die Szene in den Blick genommen und vor der Entstehung einer neuen Form des Extremismus gewarnt, der nicht in die „geläufigen Phänomenbereiche“ falle.  

Ballwegs Anwält:innen wollten sich zunächst nicht äußern. Sie waren mit mehreren Versuchen gescheitert, ihren mittlerweile 48-jährigen Mandanten aus der Haft zu holen. Bei verschiedenen Kundgebungen vor dem Gefängnis in Stuttgart-Stammheim hatten Hunderte Menschen dessen Freilassung gefordert und auch eine Weihnachtsfeier vor Ort veranstaltet. „Doch Michael Ballweg weine nicht, du zündest an ein großes Licht in dieser Finsternis“, hieß es am 24. Dezember auf Twitter - unterlegt mit Bildern Demonstrierender vor dem Gefängnis.

„Querdenken“-Gründer Ballweg als Märtyrer gefeiert

In den sozialen Netzwerken wird Ballweg als Märtyrer und „politischer Gefangener“ gefeiert, der wegen „Regierungskritik im Knast“ sitze: „Jeder Querdenker wird dies zu Recht als Beleg nehmen können, dass wir ganz weit mit dem Fuß in der Diktatur stehen.“ Andere sehen das freilich anders: „Ballweg sitzt nicht für seine ‚Regierungskritik‘ im Gefängnis. Das ist Blödsinn, was Sie hier erzählen.“ (ktho/dpa)

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