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Als „Qanon-Schamane“ wurde Jacob Chansley weltbekannt. Nun will er nur noch „ein gewaltloser, friedlicher Mann mit echten psychologischen Problemen“ sein, die ihn „anfälliger für Verschwörungstheorien“ gemacht hätten.
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Als „Qanon-Schamane“ wurde Jacob Chansley weltbekannt. Nun will er nur noch „ein gewaltloser, friedlicher Mann mit echten psychologischen Problemen“ sein, die ihn „anfälliger für Verschwörungstheorien“ gemacht hätten.

Sturm auf das Kapitol

QAnon-Schamane bekennt sich schuldig: „Psychisch krank und anfällig für Verschwörungstheorien“

  • VonMirko Schmid
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  • Christian Stör
    Christian Stör
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Der „QAnon-Schamane“ Jacob Chansley war beim Sturm auf das Kapitol in vorderster Linie dabei. Jetzt räumte er seine Schuld ein und berief sich auf psychische Probleme.

Update vom Freitag, 03.09.2021, 21.38 Uhr: Der QAnon-Schamane hat sich schuldig bekannt. Jacob Chansley, der Mann mit der Büffelhorn-Fellmütze, der am 6. Januar 2021 landes- und weltweit zu einer gewissen Bekanntheit gekommen war, nachdem er mit vielen anderen das US-Kapitol gestürmt hatte, hat vor Gericht gestanden, US-Kongressabläufe behindert zu haben. Als er gefragt wurde, ob er sich des schwersten von insgesamt sechs Anklagepunkten für schuldig bekenne, antwortete er mit „ja, Euer Ehren“. Damit nahm er in Kauf, zu einer Gefängnisstrafe von bis zu 20 Jahren verurteilt zu werden.

Damit das Gericht ein milderes Urteil spricht, bat sein Anwalt Albert Watkins um Nachsicht für seinen Mandanten und forderte dessen Freilassung bis zur Urteilsverkündung. Schließlich habe Chansley keine Vorstrafen und sei weder ein „Planer“ der Attacke auf das Parlamentsgebäude gewesen, noch sei er gewalttätig geworden. Die Staatsanwaltschaft schätzt die noch zu verhängende Strafe auf rund 40 bis 50 Monate Haft.

Inzwischen gibt sich Chansley geläutert. Ein Schamane will er nicht mehr sein, auch dem rechtsextremen QAnon-Verschwörungskult habe er abgeschworen, sagte er im Laufe des Prozesses. Nun sei er nur noch „ein gewaltloser, friedlicher Mann mit echten psychologischen Problemen“, die ihn „anfälliger für Verschwörungstheorien“ gemacht hätten.

QAnon-Schamane ist zurück - Jetzt distanziert er sich von Trumps „Propaganda“

Erstmeldung vom Freitag, 03.09.2021, 10.07 Uhr: Washington, D.C. - Eigentlich heißt er ja Jacob Chansley. Doch bekannt ist er wohl eher als Jake Angeli, Yellowstone Wolf, Hörnermann oder als „QAnon-Schamane“. Mit seiner gehörnten Kopfbedeckung aus Kojotenhaut und seinem Speer hat er in der Vergangenheit immer wieder dunkle Geister heraufbeschworen, die ihn am 6. Januar 2021 wohl auch dazu getrieben haben, beim Sturm auf das Kapitol in den USA in vorderster Linie mitzutun.

Drei Tage danach wurde der Qanon-Schamane festgenommen und sitzt seitdem in einem Gefängnis in der Hauptstadt Washington, D.C. ein. Wie es ihm mit ihm weitergeht, könnte sich schon bald entscheiden. Am heutigen Freitag (03.09.2021) steht nämlich eine Anhörung für eine mögliche Verständigung in seinem Strafverfahren auf dem Programm. Der Schamane wird dabei per Video aus dem Gefängnis heraus zugeschaltet.

Sturm auf das Kapitol: QAnon-Schamane steht vor Gericht

Details des Plea Agreements sind noch nicht bekannt, im Falle einer Verurteilung in allen sechs Anklagepunkten drohen dem QAnon-Schamanen aber bis zu 28 Jahre Gefängnis. Das will er sicher vermeiden. Nur dürfte es für den QAnon-Schamanen allerdings nicht ganz leicht sein, einen günstigen Deal auszuhandeln. Immerhin gehörte er zur ersten Gruppe randalierender Fans von Donald Trump, die am 6. Januar das Kapitol stürmte und schließlich sogar bis in die Senatskammer vordrang.

Tatsächlich ging der QAnon-Schamane noch einen Schritt weiter. Denn ganz offenbar hatte er mit dem damaligen Vizepräsidenten Mike Pence noch ein Hühnchen zu rupfen. Zu einer persönlichen Begegnung kam es in der Senatskammer zwar nicht, dafür ließ der QAnon-Schamane auf dem Schreibtisch von Pence eine Notiz zurück, in der er ihn als „kinderhandeltreibenden Verräter“ bezeichnete. „Es ist nur eine Frage der Zeit, Gerechtigkeit kommt“, hieß es in dem Brief weiter. Eine liebevolle Botschaft hört sich anders aus. Der QAnon-Schamane behauptete später allerdings gegenüber dem FBI, dass die Botschaft nicht als Drohung gemeint gewesen sei.

Jacob Anthony Angeli Chansley
Geborencirca 1988
Andere Namen (englisch)Q Shaman, QAnon Shaman, Yellowstone Wolf
Andere Namen (deutsch)QAnon-Schamane, Hörnermann

Schamane sagt sich von QAnon und Donald Trump los

Wie also will der QAnon-Schamane vermeiden, für 28 Jahre ins Gefängnis zu müssen? Indem er sich von QAnon und Donald Trump lossagt. Diese Strategie fährt zumindest sein Anwalt. Al Watkins verweist auch kurz vor der Anhörung noch einmal darauf, dass sein Mandat jetzt nur noch ein Schamane sei, keiner aber, der QAnon nahe stehe. „Herr Chansley, ein seit langem bekennender und praktizierender Schamane, hat sich inzwischen von Q distanziert und fordert, dass man ihn künftig nicht mehr mit diesem Buchstaben in Verbindung bringt.“

Jacob Chasely ist auch als Hörnermann bekannt.

Schon im Februar hatte der Anwalt gegenüber dem US-Portal The Daily Beast darauf hingewiesen, dass sein Klient geläutert sei und QAnon und auch Donald Trump inzwischen gänzlich abgeschworen habe. Der Schamane habe nach seiner Verhaftung erkannt, dass er auf die „Propaganda des ehemaligen Präsidenten“ reingefallen sei. Und was hat ihm die Augen geöffnet? Dass Donald Trump später ein Gesuch um Begnadigung abgelehnt hat. So zumindest stellt es der Anwalt dar.

Schamane gibt sich geläutert

„Er hat begriffen, dass der ehemalige Präsident ihn gar nicht geliebt hat und dass der ganze Blödsinn über Trumps Armee und all die von den sozialen Medien getriebenen Verschwörungsmythen ihn verwundbar gemacht haben“, sagte Watkins damals gegenüber The Daily Beast.

Im selben Monat hatte der Anwalt das Gericht aufgefordert, seinen Mandanten freizulassen – und erklärte, der Mann aus Arizona habe neun Tage lang nichts gegessen, weil sein schamanischer Glaube ihn daran hindere, die im Gefängnis bereitgestellten Lebensmittel zu essen. Dem Schamanen wurde schließlich seine Diätanfrage nach Biokost gewährt. (Christian Stör)

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