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Frankreichs Militär in Mali wartet jetzt erstmal ruhig ab.
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Frankreichs Militär in Mali wartet jetzt erstmal ruhig ab.

Afrika

Putschisten ohne Waffenhilfe

  • Stefan Brändle
    vonStefan Brändle
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Frankreich stoppt die antiislamistische Kooperation mit Mali – eine unmissverständliche Warnung an dessen Mächtige. Die könnte das aber vielleicht gar nicht kümmern.

Das Verteidigungsministerium in Paris bestätigte am Freitag, dass die französischen Truppen in Mali jede Zusammenarbeit mit der malischen Armee mit sofortiger Wirkung abbrechen. Auf diese Weise protestiert Frankreich gegen den zweiten Putsch binnen weniger als einem Jahr dort. Der neue starke Mann Malis, Oberst Assimi Goïta, hatte den zivilen, nach dem ersten Staatsstreich eingesetzten Staatschef und dessen Premierminister zum Rücktritt gezwungen und sich selber zum Übergangspräsidenten ausgerufen.

Präsident Emmanuel Macron und Kanzlerin Angela Merkel verlangten diese Woche raschestmögliche Wahlen und wollen nicht hinter diese Forderung zurückgehen. Die Afrikanische Union und die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas haben Mali ihrerseits suspendiert, um Druck zu machen.

Die Islamisten gewinnen an Gewicht

Die Forderung nach regulären Wahlen in dem labilen Schlüsselland Westafrikas hat einen weiteren, unausgesprochenen Grund: Die USA wie auch Europa befürchten, dass Goïta mit den Dschihadisten verhandeln könnte – falls das nicht bereits geschehen ist. Das zu 90 Prozent muslimische, aber bisher sehr ökumenische und tolerante Land gerät zunehmend unter den Einfluss von mehr oder weniger islamistischen Predigern. Sie machen zwar keine gemeinsame Sache mit den – vor allem nordafrikanischen – Dschihadisten in der Sahara, sehen in diesen aber auch keine Staatsfeinde.

Der französische Präsident betonte, er werde „nie im Leben zulassen“, dass französisches Militär vor Ort gegen Dschihadisten kämpft, während Bamako Kontakte zu radikalen Islamisten knüpft. Merkel teilt diese Einschätzung, hält allerdings die Ausbildungsmission von 1000 Bundeswehrangehörigen für die malische Armee am Laufen.

Kritik an Macron wegen Doppelstandards

Das Ende der französisch gestützten Einsätze ändert militärisch nicht sehr viel: Entscheidend sind allein die 5100 gut ausgerüsteten französischen Eliteeinheiten der Operation „Barkhane“, die seit 2013 einen aufreibenden Wüstenkampf gegen die mobilen Milizen führen. Politisch war die Kooperation mit der schlecht entlöhnten malischen Armee hingegen sehr wichtig – so konnte man malischen Ressentiments gegen die Truppenpräsenz der früheren Kolonialmacht begegnen.

Macron ärgerte sich zuletzt mehrfach über „Frankreich raus!“-Sprechchöre in den Straßen Bamakos. Malische Politiker werfen dem Franzosen zudem vor, er poche auf demokratische Wahlen in Mali – während er im Tschad dem Sohn des im April verstorbenen Präsidenten Idriss Déby unter Umgehung des demokratischen Parlamentes an die Macht verholfen habe.

Äußerst instabile Verhältnisse

Auch in Frankreich ist laut Umfragen die Hälfte der Bevölkerung für eine Rückkehr der französischen Truppen, die in Mali bislang 55 Todesopfer zu beklagen haben. Der Konflikt beschränkt sich ja auch nicht auf Mali, von vornherein wurde in den Nachbarländern Burkina Faso und Niger gekämpft. Macron verlegt sich deshalb mehr und mehr auf Warnungen vor Flüchtlingsbewegungen. „Wenn wir an einer Niederlage in Westafrika teilhaben“, postulierte er just im Mai, „werden wir das selber teuer bezahlen, und zwar vor allem in Sachen Migration.“

Die Lage in Mali ist mittlerweile so instabil, dass Bamako nach einem Abzug wohl schnell an die dschihadistischen Milizen fallen würde, wie Generalstabschef François Lecointre unlängst quasi prognostizierte. Europas Militär würde wohl auch noch in zehn Jahren im Sahelgebiet nötig sein, mutmaßte er. „Und dann eher noch mehr denn heute.“

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