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Sieg Russlands, Eskalation oder Putsch gegen Putin: Wie geht es weiter im Ukraine-Krieg?

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Von: Isabel Wetzel

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Russland setzt den Krieg in der Ukraine fort. In welche Richtung entwickelt sich der Ukraine-Konflikt nun? Ein Überblick über mögliche Szenarien.

Kiew – Die Lage in der Ukraine* ist angespannt. Eineinhalb Wochen nach ihrem Einmarsch in die Ukraine erhöhen die russischen Streitkräfte den militärischen Druck auf die Großstädte des Nachbarlandes. Aus Sicht westlicher Regierungen sowie Expertinnen und Experten ergeben sich vier mögliche Szenarien, wie sich der Ukraine-Konflikt* entwickeln könnte. Ein Überblick:

1. Szenario im Ukraine-Krieg: Militärisches Patt

Die ukrainischen Streitkräfte konnten der russischen Invasion bislang widerstanden: Wichtige Städte wie Kiew*, Charkiw und Mariupol sind nach wie vor unter ukrainischer Kontrolle.
Viele Ukrainer haben sich den Verteidigungseinheiten angeschlossen, tausende sind nach Angaben des Verteidigungsministers Olexii Resnikow sogar aus dem Ausland zurückgekehrt, um ihre Heimat zu verteidigen. Wenn die Streitkräfte lang genug ausharren, könnten sie mithilfe westlicher Unterstützung und der Schwächung Russlands durch Sanktionen ein militärisches Patt erzwingen – also ein Gleichgewicht der Macht.

„Der Westen könnte mit seinen Sanktionen Putin dazu bringen, sein zentrales Kriegsziel aufzugeben, die ukrainische Regierung zu enthaupten und eine prorussische Marionette zu installieren“, schreibt Samuel Charap vom US-Thinktank Rand Corporation.

Ein bewaffneter Mann steht während eines Luftangriffsalarms auf dem Maidan-Platz in Kiew neben einer Barrikade.
Ein bewaffneter Mann steht während eines Luftangriffsalarms auf dem Maidan-Platz in Kiew neben einer Barrikade – Wie lange kann die Ukraine dem Angriff Russlands noch standhalten? © Vadim Ghirda/dpa

2. Szenario für die Entwicklung des Ukraine-Konflikts: Politischer Wandel in Russland

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Volksaufstand oder Staatsstreich Putin zu Fall bringt, scheint derzeit gering, Beobachter schließen diese Möglichkeit jedoch nicht aus. Auch in Russland* fanden in den vergangenen Tagen vielerorts kleinere Antikriegsdemonstrationen statt und in der herrschenden Elite bröckelt der Rückhalt für Putin: Einige Oligarchen, Abgeordnete und sogar der private Ölkonzern Lukoil fordern ein Ende der Kämpfe in der Ukraine.

„Putins persönliche Sicherheit ist sehr gut und wird auch weiterhin sehr gut sein – bis sie es nicht mehr ist“, sagte Eliot A. Cohen von der Denkfabrik Center for Strategic and International Studies in Washington. „Das ist in der sowjetischen und russischen Geschichte schon mehrfach vorgekommen“.

3. Szenario: Russland hat mit dem Krieg in der Ukraine Erfolg

Wegen einer unumstrittenen militärischen Überlegenheit erwarten westliche Verteidigungsexpertinnen und Experten, dass die russischen Truppen in den nächsten Tagen weiter vorrücken werden. Der französische Präsident Emmanuel Macron kam nach mehreren Telefonaten mit Putin* zu dem Schluss, dass „das Schlimmste noch bevorsteht“. Putin wolle „die Kontrolle über die gesamte Ukraine übernehmen“.

Doch selbst wenn russische Truppen den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj absetzen und den ukrainischen Widerstand brechen, stünde Moskau vor der Herausforderung, ein Land mit 40 Millionen Einwohnern zu besetzen. „In eine Stadt einzudringen ist nicht dasselbe, wie sie zu halten“, schreibt der britische Kriegshistoriker Lawrence Freedman vom King‘s College in London.

4. Szenario im Ukraine-Krieg: Eskalation des Konflikts

Die Ukraine grenzt an vier ehemalige Sowjetstaaten, die jetzt der Nato* angehören. Wird ein Mitglied angegriffen, gilt das als Angrifft auf das gesamte Verteidigungsbündnis. Expertinnen und Experten erwarten allerdings nicht, dass Putin ein Nato-Mitglied direkt angreift und damit einen Atomkrieg riskiert. Provokationen des Kreml sind aber durchaus möglich.

Politikwissenschaftler Samuel Charap warnt vor den „Risiken eines Unfalls, eines Zwischenfalls oder einer Fehleinschätzung, die zu einem Krieg zwischen der Nato und Russland führen könnten“. So könnte eine verirrte Rakete oder ein Cyberangriff Auslöser für eine Ausweitung des Krieges sein.

Die Angst vor dem Atomkrieg: Was ist dran an Putins Drohungen?

Eine direkte Konfrontation zwischen Nato und Russland wurde bislang ausgeschlossen, da dies einen Atomkrieg und die gegenseitige Vernichtung* zur Folge hätte. Putin drohte dem Westen jedoch mit Atomwaffen, indem er die nuklearen Abschreckungskräfte in Alarmbereitschaft versetzte.

Beobachter sind der Meinung, dass solche Drohungen die USA* und die EU* lediglich einschüchtern sollen. „Diese Ankündigungen richten sich an ein westliches Publikum, um uns Angst zu machen und unsere Gesellschaften zu verunsichern“, sagt Gustav Gressel, Experte für Raketenabwehr beim Thinktank European Council on Foreign Relations. „Sie sind substanzlos.“ (iwe/afp) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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