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Putsch gegen den Putschisten

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Von: Johannes Dieterich

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In Burkina Faso erklärt sich ein Hauptmann zum Machthaber / Gründer der Wagner-Gruppe begrüßt Wechsel.

Dass auch Putschisten nicht vor einem Putsch gefeit sind, musste jetzt der Führer der Militärjunta in dem westafrikanischen Staat Burkina Faso, Paul-Henri Sandaogo Damiba, erfahren. Nach einer mehr als zweitägigen bewaffneten Konfrontation, die am Freitag in den frühen Morgenstunden in der Hauptstadt Ouagadougou begonnen und bis Samstag zu zahlreichen Gefechten zwischen verschiedenen Lagern der Streitkräfte geführt hatte, räumte der 41-jährige Oberstleutnant am Sonntag seine Niederlage ein. Damiba war erst im Januar mit einem Putsch an die Macht gekommen.

Bei einem Fernsehauftritt erklärte sich der erst 34-jährige Hauptmann Ibrahim Traoré kurz später zum neuen Machthaber des Landes: Er verhängte eine nächtliche Ausgangssperre, ließ alle Grenzen schließen und verbot sämtliche Aktivitäten politischer Parteien sowie zivilgesellschaftlicher Gruppen. Trotzdem feierten am Sonntagabend in den Straßen Ouagadougous Hunderte den Sieg der neuen Putschisten und forderten engere Beziehungen des Landes zu Russland statt der traditionellen Verbindung zur ehemaligen Kolonialmacht Frankreich.

Während des zweitägigen Machtkampfs war es zu Ausschreitungen vor der französischen Botschaft in Ouagadougou gekommen, die von Demonstrierenden mit Brandsätzen beworfen wurde. Auslöser der antifranzösischen Proteste war eine Erklärung des Putschistenführers Traoré: Er bezichtigte Paris, seinem Vorgänger Damiba Unterschlupf zu gewähren. Der Vorwurf wurde aus Paris dementiert: Frankreich sei an den jüngsten Vorgängen in Ouagadougou in keiner Weise beteiligt, hieß es. Die anti-französischen und pro-russischen Untertöne des Machtwechsels in Burkina Faso werden unter westlichen Diplomat:innen mit Sorge verfolgt.

Kritik von Ecowas

Im Nachbarstaat Mali hatte dieselbe Entwicklung zur Einladung der russischen „Wagner-Gruppe“ geführt, die sich seit Anfang dieses Jahres am Kampf gegen islamistische Extremisten beteiligt.

Der jüngste Putsch stieß im Ausland auf einhelligen Protest: Sowohl der regionale Staatenbund Ecowas, wie die Afrikanische Union und die Vereinten Nationen in New York verurteilten den Umsturz. Lediglich der Gründer der russischen Söldnertruppe, „Putins Koch“, Jewgeni Prigoschin, begrüßte den erneuten Machtwechsel in Burkina Faso. Ecowas sandte am Montag eine Delegation nach Ouagadougou, um mit der Junta Gespräche aufzunehmen.

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