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Putins „Säuberungen“ im Kreml – mitten im Verrat nukleare Geheimnisse

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Im Kreml brodelt es gewaltig, gerade im Verteidigungsministerium. Hat Putins Entlassungswelle etwas mit der Enthüllung nuklearer Geheimnisse zu tun?

Moskau – Aktuell überschlagen sich in Russland die Ereignisse. Inmitten von Gerüchten um die Enthüllung nuklearer Geheimnisse räumt Wladimir Putin weiter im Verteidigungsministerium auf. Die überraschende Entlassung des russischen Verteidigungsministers Sergej Schoigu am Sonntag (12. Mai) sowie weiterer Mitglieder seines Teams hänge laut einem Experten mit der Offenlegung der nuklearen Geheimnisse zusammen. Das berichtet das US-amerikanische Nachrichtenmagazin Newsweek

Wegen Korruptionsvorwürfen festgenommen: Russischer Verteidigungsapparat schwankt

Diese sogenannten Säuberungen beträfen den russischen Verteidigungsapparat. So ist General Juri Kusnezow der russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge festgenommen worden. Der Vorwurf lautete, Schmiergeld erhalten zu haben. Kusnezow wurde am Montag in Untersuchungshaft genommen.

Ende April kam auch Vize-Verteidigungsminister Timur Iwanow wegen Korruptionsvorwürfen in Untersuchungshaft. Die Frage nach Verrat kam auf. Auf Telegramkanälen von Kriegsunterstützern wurde berichtet, dass auch zwei weitere bisherige Stellvertreter Schoigus zurückgetreten sind. Dabei soll es sich um Ruslan Zalikow und Alexej Kriworutschko handeln. Diese Information sei aber nicht offiziell bestätigt worden, schreiben Medien übereinstimmend.

Wladimir Putin (r.) und Sergej Schoigu (l.)
Wladimir Putin (r.) hat seinen Verteidigungsminister Sergej Schoigu (l.) entlassen und den bisherigen Vize-Regierungschef Bjeloussow zum Nachfolger bestimmt. © Alexander Kazakov/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

Schoigu musste am Sonntag seinen Posten räumen, obwohl er als enger Vertrauter Putins galt. Dahinter stehen wohl interne Machtkämpfe sowie neue Prioritäten des Kreml in Kriegszeiten. Der bisherige Vize-Regierungschef Andrej Beloussow wurde nun sein Nachfolger. Schoigu selbst soll Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates werden.

Ein offizieller Grund für die Entlassung Schoigus wurde nicht genannt. Vereinzelt sei allerdings über eine mögliche Entlassung des 68-jährigen Schoigus, der seit 2012 Verteidigungsminister war, spekuliert worden. Die Verhaftung von Timur Iwanow im April sei von Beobachtern als Anzeichen von Machtkämpfen innerhalb des russischen Militär- und Sicherheitsapparats gewertet worden. „Einige von ihnen sahen bereits da Schoigus Stuhl wackeln“, heißt es weiter.

Neuer Verteidigungsminister für Putin: Hinter Ernennung Beloussows steckt Strategie

Analysten gehen wohl davon aus, dass die Ernennung von Beloussow, der keinen militärischen Hintergrund hat, Teil von Putins Strategie ist, die Effizienz der russischen Kriegswirtschaft zu verbessern.. Das schreibt unter anderem Newsweek.

Neben den Korruptionsvorwürfen, die gegen einige aus dem Verteidigungsapparat bereits laut wurden, sei auch ein zweiter Skandal am Brodeln. Der amerikanisch-ukrainische Rennfahrer Igor Suschko behauptet zwei Wochen vor Schoigus Entlassung auf X, ehemals Twitter, dass Schoigu und seinen Stellvertretern Iwanow und Zalikow vorgeworfen werde, Nukleargeheimnisse preisgegeben zu haben. Daher drohe ihnen eine Anklage wegen Staatsverrats. Diese Information ließ sich nicht unabhängig prüfen.

Die polnische Tageszeitung Gazeta Wyborcza beobachtet die aktuellen Entwicklungen mit großer Sorge. Laut dpa schrieb sie am Mittwoch (15. Mai): „Der Wechsel im Amt des russischen Verteidigungs-, oder besser Kriegsministers, ist ein deutliches Zeichen für die Absichten Wladimir Putins: An die Stelle von Sergej Schoigu, einem Apparatschik und Dilettanten der politischen Kaste, ist Andrej Beloussow getreten, ein Spezialist für effizientes Finanzmanagement.“

Ein langwieriger und großangelegter Krieg sei ein teures Unterfangen, daher werde ein Profi benötigt, heißt es weiter. „Es geht nicht mehr um den Donbass oder die Krim. Und auch nicht um die gesamte Ukraine. Der Kremlherrscher geht konsequent auf Konfrontationskurs mit dem Westen, und er macht keinen großen Hehl daraus.“

Putin baue sein Imperium mühsam wieder auf: Krieg bereits im Gange

Putin habe vor langer Zeit gesagt, dass der Zusammenbruch der UdSSR das größte Unglück des 20. Jahrhunderts war. „Jetzt baut er das Imperium mühsam wieder auf. Dies ist kein Vorspiel für einen künftigen Krieg. Dieser Krieg ist bereits im Gange, nur finden die Feindseligkeiten vorübergehend noch auf ukrainischem Gebiet statt. Noch.“

Diese Wahrheit erreiche langsam einige Eliten des Westens. „Der französische Präsident Emmanuel Macron war der Erste, der offen aussprach, was viele noch immer nicht einmal zu denken wagen: Vielleicht müssen wir unsere Truppen in die Schlacht schicken.“

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