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„Putins Koch“ spricht von Verrätern im Kreml – und droht ihnen mit „Wagners Vorschlaghammer“

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Von: Felix Durach

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Söldner-Chef Jewgeni Prigoschin droht in einem aktuellen Statement russischen Offiziellen und wirft ihnen Verrat vor. Geht Putins Koch nun zu weit?

Moskau – Kaum einer in Russland traut sich, die Entscheidungen des Regimes von Wladimir Putin in einer Deutlichkeit und Öffentlichkeit zu kritisieren, wie es Jewgeni Prigoschin tut. Der Chef der „Wagner“-Söldner geizte in den vergangenen Monaten nicht mit verbalen Entgleisungen und lies dabei selten ein gutes Haar an der russischen Militärführung im Ukraine-Krieg. So behauptet Putins Koch zuletzt auch öffentlich wirksam, dass seinen Söldnern die Einnahme der Stadt Soledar zu verdanken sei – und nicht der russischen Armee.

Prigoschin poltert erneut gegen russische Offizielle – und fordert YouTuber-Verbot

Auch die jüngsten Kommentare des Söldner-Chefs haben es in sich. Prigoschin lies am Mittwoch über seinen Pressedienst ein Statement verlauten, in dem er die russische Machtelite erneut offen angriff. Der Auslöser für die Äußerungen von Prigoschin war dabei denkbar banal. Der 61-Jährige ärgerte sich wohl darüber, dass Russland die Videoplattform YouTube – wie von ihm vorgeschlagen – nicht blockiert hatte, berichtet merkur.de.

Jewgeni Prigoschin
Jewgeni Prigoschin ist Gründer und Chef der russischen Privatarmee Wagner. © Uncredited/AP/dpa

Prigoschin nannte die Plattform vom US-Techgiganten Google die „Informations-Plage unser Zeit“. Verantwortlich dafür, dass YouTube in Russland noch immer online sei, seien ihm zufolge Personen aus dem Dunstkreis des russischen Präsidenten. Der „Hauptgrund“ dafür, dass die Plattform noch nicht abgeschalten wurde, sind laut Prigoschin „eine große Anzahl von Menschen auf dem Staraja-Platz in der Präsidialverwaltung“. Diese würden nur an eine Sache denken: „Je früher Russland den Krieg verliert, desto eher werden die Amerikaner kommen und uns regulieren.“

Putins Koch droht angeblichen Verrätern im Kreml „Wagners Vorschlaghammer“ wartet auf sie

Diese russischen Offiziellen würden nach Ansicht des Söldner-Chefs nur darauf warten, dass sie vor „Uncle Sam auf die Knie fallen können.“ Diese Personen würden so tun, als beteiligen sie sich am Krieg gegen die Ukraine. Doch in Wirklichkeit würden sie aktiv gegen Russland arbeiten. Wenn Russland den Krieg wegen dieser Leute tatsächlich verlieren sollte, würden die USA diese aber nicht aufnehmen, prophezeit der Söldner-Chef. „Und dann kommen Sie zu uns, wo Wagners Vorschlaghammer schon auf sie wartet“, so Prigoschins deutliche Drohung.

Die Formulierung von Putins Koch ist eine Anspielung auf ein im vergangenen Jahr veröffentlichtes Video. Dieses soll angeblich die Ermordung eines abtrünnigen Wagner-Söldners mit einem Vorschlaghammer zeigen. Die Aufnahmen sorgten nach ihrer Veröffentlichung für Entrüstung. Prigoschin selbst kommentierte die Aufnahmen lediglich mit einem zynischen Kommentar. Der Mann habe „sein Glück nicht in der Ukraine gefunden“, so der Wagner-Chef.

Kreml-Propagandist Mardan in Sorge wegen Prigoschin – „außer Kontrolle“

Prigoschin forderte in seinem Statement weiterhin ein Verbot der Plattform. „Diejenigen, die YouTube aktiv nutzen, werden identifiziert und werden nach dem Verbot eine wohlverdiente Strafe erleiden“, sagte er.

Der offene Konfrontationskurs mit Mitgliedern des Kremls scheint auch für die russische Medienwelt zu viel zu sein. „Jewgeni Wiktorowitsch Prigoschin ist außer Kontrolle“, schrieb der Propagandist Sergey Mardan in Reaktion auf das jüngste Statement. Im Vergleich zu Putins Koch wirke der inhaftierte Oppositionspolitiker und Kreml-Kritiker Alexei Nawalny wie ein „Welpe.“(fd)

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