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Putins nützliche Boten an der Seine

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Von: Stefan Brändle

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Marine Le Pen hatte im Wahlkampf 2017 Putin besucht, um aus Moskau mit einem Kredit von neun Millionen Euro zurückzukehren. Seither spart sie nicht mit Lobreden auf Putin. Dafür erfährt sie eine Vorzugsbehandlung durch französische Ableger russischer Online-Portale wie Sputnik – das in Frankreich eifrig die Propagandalügen des Kreml verbreitet.
Die rechte Politikerin Marine Le Pen hatte im Wahlkampf 2017 Putin besucht, um aus Moskau mit einem Kredit von neun Millionen Euro zurückzukehren. Seither spart sie nicht mit Lobreden auf Putin. Dafür erfährt sie eine Vorzugsbehandlung durch französische Ableger russischer Online-Portale wie Sputnik – das in Frankreich eifrig die Propagandalügen des Kreml verbreitet. © Aurelien Morissard/Imago

Der Ukraine-Krieg bringt die extrem rechten Eric Zemmour und Marine Le Pen im französischen Wahlkampf in Erklärungsnot.

Paris – Eric Zemmour hat die Wahl noch nicht verloren – dafür seine Prognose: „Ich wette, dass Russland nicht in der Ukraine einmarschiert“, hatte der 63-jährige Rechtsaußen noch vor wenigen Tagen in einem Fernsehinterview erklärt.

Und das war nicht einfach dahingesagt. Zemmour findet seit Tagen und Wochen Argumente für den Kreml-Herrscher. Wladimir Putin sei „ein Bollwerk gegen die Angriffe auf Familie, Religion und Vaterland“, erklärte er etwa, um anzufügen: „Ich träume von einem französischen Putin.“

Ukraine-Konflikt: Franzöische Rechte und ihre Haltung zu Putin

Reichlich bemüht wirkt nun die Kurskorrektur von „Wladimir Zemmour“, wie ihn Pariser Medien nennen. Die russische Attacke sei „nicht zu rechtfertigen“, da sie die Souveränität der Ukraine verletze, erklärte er gewunden. Sanktionen will er dennoch nicht, dafür „Friedensverhandlungen“. Twitterkommentare fragen sarkastisch zurück: „Vor oder während der nächsten Bombardierung?“

Sechs Wochen vor der Präsidentschaftswahl ist Zemmour nicht der einzige Kandidat, der mit seinem Pro-Putin-Kurs im besten Fall Kopfschütteln bewirkt. Seine interne Widersacherin Marine Le Pen ringt sich zwar zur Feststellung durch, „kein Grund“ könne die „militärische Operation“ gegen die Ukraine rechtfertigen. Vor einer Woche hatte sie noch erklärt: „Ich sehe nicht, was die Russen in der Ukraine tun sollten.“

Putin in Verbindung mit der französischen Rechten

Die Franzosen erinnern sich daran, dass Le Pen im Wahlkampf 2017 Putin besucht hatte, um aus Moskau mit einem Kredit von neun Millionen Euro zurückzukehren. Seither spart sie nicht mit Lobreden auf Putin. Dafür erfährt sie eine Vorzugsbehandlung durch französische Ableger russischer Online-Portale wie Sputnik – das in Frankreich eifrig die Propagandalügen des Kreml verbreitet.

Auswirkungen auf die Wahlen im April werden erwartet. Vor allem, wenn die Kriegshandlungen noch lange dauern sollten: Dann würden die Putin-Versteher Zemmour und Le Pen zweifellos in Meinungsumfragen zurückfallen. Außenpolitische Fragen finden in französischen Wahlkämpfen an sich wenig Beachtung. Jetzt aber, wo in Frankreich die Angst vor Putin und einer Kriegsausweitung steigt, werden sich viele Wähler:innen hüten, den nützlichen Boten der Putin’schen Demagogie die Stimme zu geben.

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Zu ihnen gilt auch Jean-Luc Mélenchon. Der chancenreichste Kandidat der Linken hatte den USA vorgeworfen, sie lieferten den Russen „Kriegsgründe“. Als gewählter Staatspräsident würde er aus der Nato austreten, sagt er. Jetzt macht der Anführer der „Unbeugsamen“ Moskau allein für die Invasion verantwortlich. Sanktionen gegen Moskau zieht er dennoch nicht in Betracht.

Frankreichs Rechte: Prorussische Affinitäten

Diese Kehrtwenden wirken auf die Franzosen alles andere als präsidial. Nachdem Mélenchon in Umfragen stark zugelegt und zur konservativen Kandidatin Valérie Pécresse aufgeschlossen hatte, scheint seine Dynamik wieder gebrochen. Pécresse erklärt, Zemmour, Le Pen und Mélenchon seien „völlig diskreditiert, Frankreich zu regieren“, nachdem sie russische Positionen verteidigt hätten. Diese Aussage machte sie am Samstag bewusst an einem alliierten Landungsstrand von 1944 in der Normandie, einem Symbolort für das gemeinsame westliche Vorgehen gegen totalitäre Aggressoren wie die Nazis.

Pécresse kämpft allerdings selbst mit den prorussischen Affinitäten in ihrer eigenen Partei „Les Républicains“. Ex-Präsident Nicolas Sarkozy und Ex-Premier François Fillon gefielen sich bisher als Freunde Putins. Fillon legte am Wochenende zwei Verwaltungsratsmandate für russische Oligarchen nieder, die zum Teil bereits mit westlichen Sanktionen belegt worden sind. (Stefan Brändle)

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