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Ramsan Kadyrow, Chef der Republik Tschetschenien, vergöttert Putin.
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Ramsan Kadyrow, Chef der Republik Tschetschenien, vergöttert Putin.

Russland

Putins mustergültiger Vasall

  • Stefan Scholl
    VonStefan Scholl
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Mit bedingungsloser Treue für Wladimir Putin sichert sich der grausame Tschetschene Kadyrow ab. Er gilt als der Präsident von Putins Gnaden, der einst im Unabhängigkeitskrieg gegen Russland kämpfte.

Er werde Wladimir Putin immer treu sein. „Egal ob er Präsident ist oder nicht. Sein Leben für diesen Menschen hinzugeben – ist ein Vergnügen.“ Ramsan Kadyrow, Chef der Republik Tschetschenien, vergöttert Putin wortgewaltiger als die gewieftesten Schmeichler Moskaus. Besonders bejubelte er kürzlich den Ehrenorden, den Putin ihm verlieh. „Ich bin dem Oberbefehlshaber der Streitkräfte Russlands Wladimir Putin unendlich dankbar für solch eine hohe Bewertung meines bescheidenen Wirkens.“

Kein Wunder, mit dem Orden signalisierte ihm der russische Staatchef in einer sehr heiklen Lage ungebrochenes Wohlwohlen. Erst am Vortag waren in Moskau fünf Tschetschenen in Untersuchungshaft gelandet, einer von ihnen Saur Dadajew, Offizier eines Polizeibataillons, das russische Medien als Kadyrows Leibgarde bezeichnen. Die fünf werden verdächtigt, an der Ermordung Boris Nemzows Ende Februar beteiligt gewesen zu sein, laut Richter soll Dadajew die Tat gestanden haben. Und sehr viele Russen glauben, Kadyrow, 38 Jahre alt, stecke ebenfalls hinter dem Mord.

Er gilt als das schreckliche Kind der Putinschen Kaukasuspolitik. Mit 18 Jahren zog er an der Seite seines Vaters in den Unabhängigkeitskrieg gegen die Russen, wechselte 1999 mit ihm die Fronten und Vater Achmad, Mufti der tschetschenischen Muslime, wurde Präsident von Putins Gnaden.

2004 starb er bei einem Bombenattentat, Ramsan eilte in den Kreml, um Trost bei Putin zu suchen. Der machte Kadyrow 2007 zum Republikchef. Kadyrow entwickelte einen sehr neureichen Herrschaftsstil, brauste mit einem Korso aus Hunderten Sportwagen und Jeeps durch Russland, ließ auf Geburtstagsfeiern das Fernsehballett der ARD tanzen.

Tod politischer Konkurrenten

Großzügig von Moskau subventioniert, machte er mit seinen Kämpfern nicht nur Jagd auf Untergrundkämpfer. Je mehr Macht Kadyrow sammelte, umso häufiger starben potentielle politische Konkurrenten. Reihenweise erwischte es Offiziere der tschetschenischen „OMON“-Sonderpolizei, die von Anfang an auf russischer Seite gekämpft hatte.

„Kadyrow und die meisten Tschetschenen sind erst später übergelaufen, haben dabei den Unabhängigkeitskampf verraten“, sagt der Kaukasusethnologe Beibulet Baikulow der Frankfurter Rundschau. „Und sie alle leiden unter ihrem Verrat.“ Der kleine, stämmige Kadyrow mit seinem grinsenden Lausbubengesicht gilt als grausam.

Sein 2009 in Wien auf offener Straße erschossener Exleibwächter Umar Israilow, berichtete, Kadyrow foltere Gefangenen persönlich. „Es heißt, halb Tschetschenen stehe Schlange, um Blutrache an Kadyrow zu nehmen“, sagt Baikulow.

Deshalb braucht der Tschetschenen-Chef den Schutz des Kremls, demonstriert dafür 120-prozentige Treue, ein mustergültiger Vasall. „Die, die Putin kritisieren, sind keine Menschen, sondern meine persönliche Feinde“, sagte er 2010. Moskauer Menschenrechtler machen ihn offen für Morde an Oppositionellen wie der Reporterin Anna Politkowskaja oder Boris Nemzow verantwortlich. Beamte des Inlandsgeheimdienst FSB tobten 2011 vor Wut, als sie mehrere Polizisten Kadyrows laufen lassen mussten, die in Moskau einen Landsmann gekidnappt und gefoltert haben.

Jetzt beklagt sich der Kadyrow-Mann Dadajew in U-Haft gegenüber Menschenrechtlern bitter über stundenlange Prügel und die Plastiktüte, die ihm nach seiner Festnahme am Samstag über den Kopf gestülpt wurde. Offenbar von Polizisten aus der Nachbarrepublik Inguschetien, ebenfalls Feinde Kadyrows. Aber alle, die mit dem Tschetschenen abrechnen wollen, werden warten müssen. Oder wie er selbst sagt: „Solange Putin hinter mir steht, kann ich tun, was ich will.“

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