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COP26

Putins grüne Perestroika – Wird Russland CO2-neutral?

  • Stefan Scholl
    VonStefan Scholl
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Russlands Präsident Wladimir Putin verspricht bis 2060 ein CO2-neutrales Land. Umweltgruppen aber warnen vor den Plänen: Die nützten eher der Wirtschaft als dem Klima.

Moskau – Wladimir Putin kann noch überraschen. „Der Schutz des Klimas ist die Aufgabe aller, der gesamten Menschheit“: Russlands Staatschef, der in den vergangenen Jahren den Einfluss der Industrie auf den Klimawandel massiv anzweifelte, macht sich für internationale Zusammenarbeit beim Kampf gegen Schadstoffausstöße stark. „In der Praxis strebt Russland eine CO2-Neutralität seiner Wirtschaft nicht später als bis 2060 an“, sagte Putin Mitte des Monats auf einer Energietagung in Moskau. Kurz darauf ordnete er den Bau von drei Gezeitenkraftwerken zur Wasserstoffproduktion an.

Schon ist in Moskau von grüner Perestroika die Rede. Eine andere Antwort auf den Klimawandel als die Senkung der Treibhausgasausstöße habe die Menschheit noch nicht erfunden, erklärte Vizepremier Andrej Beloussow der Zeitung „Kommersant“. Und zwei kremlnahe Quellen versicherten der Agentur Bloomberg, das Klima spiele jetzt auf Putins Tagesordnung eine Hauptrolle. Beobachter:innen vermuten, die russische Seite werde auf dem Glasgower Klimagipfel dem Westen eine Angleichung der Ausstoßmessungen vorschlagen, außerdem die Anerkennung der Atomkraft als alternative Energie. Beloussow redet schon davon, Pipelines wie Nord Stream 2 künftig für den Wasserstoffexport zu verwenden.

COP26 in Glasgow: Putins Pläne kommen nicht überall gut an

Laut Bloomberg sollen Systemliberale wie German Gref, Chef der staatlichen Sberbank, Putin zum Umdenken bewegt haben. Dagegen vermutet der Energie- und Finanzexperte Marsel Salichow gegenüber dem Kanal TV Doschd, Trigger seien die CO2-Ausgleichstarife gewesen, die die EU künftig für kohlenstoffintensive Importe verlangen will. Sie könnten Russlands Rohstoffunternehmen jährlich mehrere Milliarden Euro kosten. „Warum Europa zahlen, wenn man das Geld in die eigene Dekarbonisierung und in grüne Energieprojekte stecken kann?“, fragt er.

Umweltschützer:innen aber sind skeptisch. „Es gibt wirklich viele Worte, aber wir sehen keine Taten“, sagt Wladimir Sliwjak, Chef der Gruppe Ecodefense und Träger des Alternativen Nobelpreises, der Frankfurter Rundschau. Er gehört zu den Autor:innen eines deutsch-russischen Forschungsberichts, demzufolge Russland der weltweit größte Sonnen- und Windkraftproduzent werden und bis 2050 seinen gesamten Strombedarf aus grüner Energie decken kann. „Aber wegen des Clinches mit USA und EU verbietet es sich, westliche Erfahrungen und Technologien anzunehmen“, sagt Sliwjak. „Stattdessen kommen so schädliche Vorschläge wie die Herstellung von Wasserstoff mithilfe von Atomkraft oder Gas. Das mag gut für den Export sein, aber nicht fürs Klima.“

Wladimir Putin, Präsident von Russland, hält seine Rede auf der Plenarsitzung der russischen Energiewoche.

Ebenjenes leidet weiter auch unter Russland. Die verheerenden Waldbrände in diesem Sommer, die eine Rekordfläche von 18,2 Millionen Hektar erfassten, machten auch den Wald als stärksten Verbündeten im Kampf gegen die CO2-Emissionen zunichte. „Die Aufnahmefähigkeit der russischen Wälder wird bei solchen Waldbränden negativ“, sagt Greenpeace-Waldexperte Alexej Jaroschenko. „Sie stoßen mehr Kohlendioxid aus, als sie schlucken.“ (Stefan Scholl)

Rubriklistenbild: © Sergei Ilnitsky/dpa

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