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Der Mann, dem wahrscheinlich nicht mal Putin traut: Alexander Lukaschenko.
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Der Mann, dem wahrscheinlich nicht mal Putin traut: Alexander Lukaschenko.

Russland

Sapad 2021: Belarussisch-russisches Großmanöver gegen den Westen

  • Ulrich Krökel
    VonUlrich Krökel
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Russland und Belarus starten am Wochenende eine gemeinsame Militärübung gegen etwaige „externe Aggressionen“. Damit ist der Westen gemeint.

Moskau/Minsk – Als Judoka und Geheimdienstler kennt sich Wladimir Putin mit Kampfkunst aus. Einem Gegner glaubhaft zu drohen, ihn aber über die eigenen Absichten im Unklaren zu lassen, gehört dazu. Mustergültig führte Putin das zuletzt im Frühjahr vor: Da ließ er rund 100 000 Soldaten nahe der Ukraine aufmarschieren. Nach Wochen verkündete er dann seiner Nation: „Niemand sollte es wagen, unsere roten Linien zu überschreiten.“ Versuche es dennoch wer, dann „werden wir schnell und hart reagieren“. Putin behielt sich auch die Lokalisierung von Russlands roten Linien: „Wir entscheiden das im Einzelfall.“

Das war so unmissverständlich wie ungenau, dass man im Westen bis heute über Putins Pläne rätselt. Wo genau zwischen dem Schwarzen Meer und der Ostsee verlaufen Russlands rote Linien? Dass Moskau die annektierte Krim für „unantastbar“ erklärt hat, wissen alle. Viel weniger klar ist die Sache in der Ostukraine. Immer wieder denken Kreml-Strategen laut über Annexion der selbsternannten „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk nach. Und dann ist da noch Belarus, wo sich Diktator Alexander Lukaschenko nur mit Moskaus Hilfe an der Macht hält.

Sapad 2021: Russland und Belarus planen Militärübung gegen den „Westen“

Der Diktator, den der Westen nicht mehr hinnehmen will, hat sich Putins Formulierung gleich zu eigen gemacht: „Wir werden rote Linien ziehen, die niemand überschreiten sollte“, echote er einen Tag später und lässt seither kaum eine Gelegenheit aus, gegenüber EU und Nato Muskeln zu zeigen. Seine Armee sei nach Westen ausgerichtet, sagte er Anfang September und: „Falls, Gott bewahre, ein Krieg ausbricht, werden unsere Soldaten die Ersten sein, die kämpfen, und die Westgruppe der russischen Armee wird sich anschließen.“

Von diesem Freitag an wird genau dieses Szenario geübt. Bei dem Manöver „Sapad 2021“ (auf Deutsch: Westen 2021) testen die Streitkräfte von Russland, Belarus und acht befreundeten Staaten eine Woche lang ihre Fähigkeiten. Konkret heißt das: Rund 200 000 Soldaten, 80 Kampfflugzeuge, 15 Kriegsschiffe, 290 Panzer und massig schwere Artillerie kommen zum Einsatz, um „die Abwehr eines Überfalls durch illegale bewaffnete Gruppen mit externer Unterstützung“ zu trainieren. Mit anderen Worten: eines hybriden Angriffskriegs der Nato. Der Moskauer Militärexperte Wasili Kaschin sieht darin ein „Spiegelbild der äußerst schwierigen Lage in der Region“.

Militärmanöver Sapad: Putin und Lukaschenko erhöhen Druck

Mit der Region ist jenes geostrategische Vorfeld Russlands zwischen Schwarzem Meer und Ostsee gemeint – Putins vage rote Linien. Wie heikel das mit den Linien ist, zeigte sich im Juni bei mehreren Beinahe-Eskalationen vor der Küste der Krim. Kurz vor dem Nato-Manöver „Sea Breeze“ warfen russische Jets vor dem Bug des britischen Zerstörers „HMS Defender“ mehrere Bomben ab, um ihn zur Kurskorrektur zu zwingen. Wenig später gab es Scheinangriffe auf eine niederländische Fregatte. Die Schiffe hätten russische Gewässer verletzt, hieß es. Der Westen erkennt aber die Krim-Annexion und damit Moskaus Grenzverlauf im Meer nicht an.

Eine ähnliche Eskalation während des Sapad-Manövers ist unwahrscheinlich, denn Sapad findet nicht in derart umstrittenen Regionen statt. Das stärkste Signal ist eher politischer Natur: Noch am Vorabend des Manövers trafen sich Putin und Lukaschenko, um über die Verschmelzung ihrer Länder zu einem Unionsstaat zu sprechen. Eine vertragliche Grundlage dafür, die aber bislang kaum mit Leben erfüllt wurde, gibt es seit den 90er Jahren. Nun erhöht Putin den Druck. Für Lukaschenko wiederum ist klar: „Es gibt lebenswichtige Dinge, die verstärkt werden müssen – dazu gehört die Sicherheit und die gemeinsame Verteidigung unserer Union.“ (Ulrich Krökel)

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