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Seitenhieb auf Putin? Schoigu fordert bessere Waffen für Russlands Ukraine-Truppen

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Von: Florian Naumann

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Schoigu und Putin
Russlands Präsident Wladimir Putin und Verteidigungsminister Sergej Schoigu (li) besuchen eine Militärausstellung in Moskau (Archivbild). © Mikhail Metzel/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

Hat Wladimir Putins Minister Ausrüstungsprobleme eingeräumt? Oder gar die Schuld an Ukraine-Desastern weitergeschoben? Sergej Schoigu fordert bessere Waffen.

Moskau – Als die russische Armee im Spätsommer und Herbst mehrere schwere Niederlagen erlitt, geriet Sergej Schoigu in den Fokus der Kritik: Beobachter mutmaßten sogar, der russische Verteidigungsminister solle anstelle von Wladimir Putin zum Sündenbock gemacht werden. Nun ist Schoigu womöglich unerwartet verbal in die Offensive gegangen.

Schoigu forderte am Mittwoch (30. November) modernere und bessere Waffen für den Angriffskrieg in der Ukraine. Das berichtet das Nachrichtenportal The Moscow Times. „Wir müssen uns weiter verbessern und fortschrittliche Systeme schaffen, die wir dann auch in die militärische Spezialoperation einbringen“, sagte Schoigu demnach in einer Ministerrats-Sitzung. Unter anderem Präzisionswaffen mit großer Reichweite, Drohnen und Waffen gegen gegnerische Artillerie seien nötig, „um den Feind effektiv zu schlagen“.

Ukraine-Krieg: Schoigu will bessere Waffen, „um den Feind effektiv zu schlagen“

Welche Waffen neu zu entwickeln seien und ob es sich um eine neue Strategie im Ukraine-Krieg handelt, machte der Minister laut Moscow Times nicht deutlich. Die Äußerungen könnten auch weitere Fragen aufwerfen: Etwa, ob sie als Eingeständnis der Verwendung veralteten Materials zu verstehen sind. Ob Russland mit einem derart langen Krieg rechnet, dass Waffen vor seinem Ende noch von Grund auf entwickelt und gebaut werden können. Oder ob es sich um einen impliziten Vorwurf an Wladimir Putins Adresse handelt.

„Heute sprechen wir über weitere Schritte, um die Kampf-Fähigkeiten der Raketenkräfte und Artillerie zu stärken, auf Basis der gewonnenen Erfahrungen“, sagte Schoigu.

Russland will aufrüsten: Schoigu spricht über höheres Verteidigungsbudget

Die staatliche Nachrichtenagentur Tass setzte den Schwerpunkt in ihrer Berichterstattung ein wenig anders: Auf von Schoigu ebenfalls verkündete Steigerungen beim Verteidigungsbudget. Teilweise werde man die Mittel um 50 Prozent anheben, erklärte der Minister dem Bericht zufolge. Es sei wichtig, die Waffenproduktion auf voller Kapazität zu halten und die Modernisierung der Truppen „fortzusetzen“.

Die Beschaffungspläne seien mit Stand 2021 zu 98 Prozent erfüllt, betonte unterdessen Roskosmos-Chef Juri Borissow. Borissow war bis vor kurzem Vize-Ministerpräsident mit Zuständigkeit für das Thema Verteidigung – ehe er den Putin-Vertrauten Dmitri Rogosin in der Weltraumbehörde ersetzte.

Allen Beteuerungen aus Moskau zum Trotz kursieren immer wieder Berichte über unzureichend ausgestattete russische Einheiten. Bei den persönlichen Ausrüstungsgegenständen der Soldaten ebenso wie bei Großgerät wie Panzern. Eine mögliche neuerliche Mobilisierungswelle könnte die Problematik kurzfristig verschärfen. (fn)

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