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Putins „Schatten-Armee“: Soldaten misshandeln Frauen und Mädchen – „Wir waren umzingelt“

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Von: Lucas Maier

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Die berüchtigte „Schatten-Armee“ von Wladimir Putin begeht nicht nur im Ukraine-Krieg Verbrechen. Berichte aus Mali belasten die Armee aus Russland stark.

Bamako – Durch den Ukraine-Krieg rückt die berüchtigte Wagner-Gruppe immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Zuletzt sorgte ein Video für Aufsehen, in dem Putins Söldnertruppe einen Soldaten aus den eigenen Reihen gewaltsam tötete. Aber nicht nur in der Ukraine begehen die Söldner Verbrechen. In Mali sollen die pro russischen Soldaten ebenfalls eine „Freifahrtschein“ für Verbrechen von Wladimir Putin erhalten haben, wie die US-amerikanische Nachrichtenseite The Daily Beast berichtet. Philip Obaji Jr. hat für die Online-Zeitung mit Überlebenden eines Angriffs gesprochen.

Wagner-Gruppe in Mali: Söldner mit Freifahrtschein von Putin

Am Sonntag (4. September) sollen Soldaten der Wagner-Gruppe rund ein Dutzend Frauen und Mädchen misshandelt haben. Nach den Übergriffen sollen die Männer ihre nackten Opfer mit Smartphones gefilmt haben, wie The Daily Beast berichtet.

Wir waren von weißen Soldaten umzingelt. Einige von ihnen hielten Telefone in der Hand und machten Fotos von uns.

Maryam gegenüber TheDailyBeast

Eine Betroffene gab gegenüber der US-Onlinezeitung an, dass sie sich weigerte, ihre Kleider auszuziehen. Daraufhin soll einer von Putins Söldnern sie mit einer Waffe auf den Kopf geschlagen haben. Als die 23-Jahre alte Frau wieder zu Bewusstsein kam, lag sie nackt neben etwa fünf anderen Frauen auf dem Boden.

Transparenzhinweis

Um die hier zu Wort kommenden Opfer vor weiteren Übergriffen zu schützen, handelt es sich bei den verwendeten Namen um Pseudonyme.

Russland in Mali: Söldner der Wagner-Gruppe misshandeln Frauen und Mädchen

Der Attacke der russischen Söldner ereignete sich im Dorf Nia Oura. Nia Oura befindet sich der Region Mopti, diese liegt im zentralen Mali. Gegen acht Uhr morgens stürmten Putins Söldner gemeinsam mit Soldaten der malischen Streitkräfte (FAMA) und Kämpfern der traditionellen Dozo-Bruderschaft das Gelände einer Farm.

Die bewaffnete Gruppe schoss immer wieder in die Luft, als sie das Gelände stürmte, wie der Betroffene Diarra gegenüber The Daily Beast angibt. „Sie sagten immer wieder, dass sie sich um uns kümmern werden“, so der 30-Jährige. Die Soldaten warfen den Menschen auf der Farm vor, mit islamistischen Terroristen zusammenzuarbeiten.

Putins Söldner wüten in Mali: „Lass die Frauen für uns“

Diarra konnte sich zusammen mit zwei weiteren Männern verstecken, als die Militärs begannen, alle Männern auf der Farm zu verhaften. „Ich hörte einen der weißen Soldaten schreien: ‚Lass die Frauen für uns‘‘, wirft der junge Mann den Söldnern von Putin vor. Den Dreien gelang es, sich vor den Söldnern in Sicherheit zu bringen.

Ukraine-Krieg
Ein Mitglied der berüchtigten Wagner-Gruppe, fotografiert in der ukrainischen Region Luhansk. (Archivfoto) © Viktor Antonyuk / Imago Images

Auf Anweisung der russischen Söldner sollen die Soldaten der FAMA und der Dozo, alle Männer zum zentralen Stützpunkt der Wagner-Gruppe gebracht haben, wie The Daily Beast berichtet. Die drei Männer konnten aus ihrem Versteck die Schreie der Frauen hören, die Tortur soll sich über mehr als zwei Stunden hingezogen haben, wie sie berichten.

Söldner filmen ihre Opfer: Frauen und Mädchen berichten von Misshandlung und Erniederigung

„Als wir zurückkamen, trafen wir die weinenden Frauen. Einige von ihnen hatten Blut an ihren Kleidern“, sagte Diarra gegenüber The Daily Beast. Die Soldaten von Putins Söldnerarmee sollen alle vergewaltigt und anschließend gefilmt haben.

„Die Frauen sagten, die weißen Soldaten hätten sie ausgezogen, vergewaltigt und dann ihre Smartphones hervorgeholt, mit denen sie die nackten Körper der Frauen gefilmt hätten. Die Frauen sagten, sie würden wie Tiere behandelt“, wie Diarra gegenüber Philip Obaji Jr. berichtete.

Gräueltaten in Mali: Wagner-Gruppe verschleppt und misshandelt Zivilbevölkerung

Seydou, ein 37-Jahre alter Mann wurde an diesem Tag von Dozo-Kämpfern festgenommen und mit verbundenen Augen auf den Stützpunkt der Wagner-Gruppe gebracht. Als er nach fünf Stunden aus der Gefangenschaft entlassen wurde, fand er seine 15-jährige Cousine zu Hause.

„Meine Cousine hat mir erzählt, dass zwei weiße Soldaten sie in ihrem eigenen Zimmer und vor ihren Kollegen vergewaltigt haben. Danach machten sie Fotos von ihrem nackten Körper“, Seydou gegenüber TheDailyBeast. „Meine Cousine ist seit Wochen traumatisiert und weint jeden Tag. Ich bete, dass sie eines Tages heilen kann.“

Augenzeuge der Peinigungen: „Es war herzzerreißend zuzusehen“

Auf einem Gelände nahe der Wohnung des 37-Jährigen sollen Söldner aus Russland ebenfalls Frauen versammelt haben und diese gezwungen haben, sich auszuziehen.

„Die Frauen, die dem Befehl, sich auszuziehen, nicht sofort Folge leisteten, wurden von den weißen Soldaten geschlagen und ihnen wurde die Kleidung zerrissen. Es war herzzerreißend zuzusehen“, berichtet der Augenzeuge Boubakar, der alles von seiner Wohnung aus beobachten konnte, gegenüber The Daily Beast.

Wagner-Verbrechen: Putins „Schatten-Armee“ begeht Verbrechen in verschiedenen Ländern

Die Wagner-Söldner von Wladimir Putin sollten eigentlich lediglich in beratender Tätigkeit in Mali sein, wie The Daily Beast berichtet. Auch die Bundeswehr ist in Mali im Einsatz. Die Wagner-Gruppe gerät jedoch immer wieder durch Angriffe auf Zivilbevölkerung in Mali in die Schlagzeilen.

Laut einem Bericht der NGO Armed Conflict Location and Event Data Project (ACLED) von August 2022, starben seit Jahresbeginn rund 500 Zivilisten bei Aktionen der Wagner-Söldner in Mali. Für die Zentralafrikanische Republik fallen die Daten sogar noch gravierender aus, hier soll sich die Gewalt der Söldner aus Russland in 70 Prozent der Fälle gegen die Zivilbevölkerung richten (wenn diese ohne die staatlichen Truppen agieren).

Zuletzt sollen Putins Söldner am Sonntag (30. Oktober) in Guelledjé (Mali) gemeinsam mit dem malischen Militär bei einer Militäroperation mindesten 13 Zivilist:innen getötet haben, das berichtet die französische Nachrichtenagentur AFP. (Lucas Maier)

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