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Putin in Russland angeblich immer beliebter – laut staatlichen Umfragen

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Von: Anika Zuschke

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Der russische Präsident Wladimir Putin winkt bei einer Pressekonferenz in Samarkand, Usbekistan.
Umfragewerten zufolge wird Putin in Russland immer beliebter – doch diese Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen. © ZUMA Wire/Imago

Ukrainische Streitkräfte erobern langsam, aber stetig ihre Heimat zurück – und trotzdem steigen angeblich die Beliebtheitswerte des russischen Präsidenten Putin.

Moskau – Russland erlebt derzeit eine Niederlage nach der nächsten, während ukrainische Streitkräfte zunehmend von erfolgreichen Rückeroberungen in ihrer Heimat berichten können. Trotzdem stehen die russischen Staatsbürger ihrem Präsidenten Wladimir Putin wohl nach wie vor bei und unterstützen die von ihm angezettelte Invasion der Ukraine – so heißt es zumindest in russischen Staatsmedien. Demnach wird der Kreml-Herrscher sogar immer beliebter. Doch wie lassen sich solche Informationen einordnen?

News aus dem Ukraine-Krieg: Putin wird angeblich immer beliebter – laut Umfragen

Wie TASS, eine staatliche russische Medienorganisation, vor wenigen Tagen berichtete, soll das Vertrauen in Wladimir Putin im Vergleich zur Vorwoche um mehr als einen Punkt auf 81,5 Prozent gestiegen sein. Zudem läge die Zustimmung zu seinem Vorgehen und seiner politischen Arbeit nun bei mehr als 78 Prozent. Das habe eine Umfrage des staatlichen „Allrussischen Forschungszentrums für öffentliche Meinung“ ergeben.

Die Umfrage wurde zwischen dem 5. und 11. September 2022 durchgeführt und es wurden im Zuge dessen 1600 Erwachsene in Russland befragt, berichtet das Nachrichtenmagazin Newsweek.

Präsident Putin: Umfragewerte während Ukraine-Krieg in Russland mit Vorsicht zu genießen

Doch sollte man Zahlen dieser Art mit Vorsicht genießen. Denn viele Menschen in Russland fürchten sich davor, öffentlich ihre tatsächliche Meinung zu sagen – besonders in Bezug auf den Ukraine-Krieg. Das hat auch eine schriftliche Analyse für die unabhängige Medienplattform openDemocracy im März 2022 ergeben, die sich mit Umfragen in Moskau im Zusammenhang mit der Invasion in der Ukraine beschäftigt.

Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter am King’s College in London, Maxim Alyukov, erklärte laut Newsweek in der Analyse, dass „in Autokratien die Menschen oft Angst haben, Fragen generell zu beantworten, geschweige denn Fragen zur Politik“. Dies führe zu der sogenannten „Verzerrung der sozialen Erwünschtheit“ – „Bürger lügen über ihre wahren Vorlieben, was die Umfrageergebnisse steigert“, beschreibt Alyukov das Phänomen.

Hohe Repressionsrate in Russland während Ukraine-Krieg – Umfragen deswegen nicht repräsentativ

Erschwerend kommt derzeit hinzu, dass Russland laut Alyukov „eine viel höhere und sichtbarere Repressionsrate“ erlebe, was die Tendenz zur sozialen Erwünschtheit noch viel wahrscheinlicher mache. Insgesamt seien Meinungsumfrage in Autokratien „eine politische Waffe – und ihre Ergebnisse alles andere als repräsentativ“.

Ob das „Allrussische Forschungszentrum für öffentliche Meinung“ authentische Meinungsäußerungen aus den Befragten herauskitzeln kann, lässt sich unter anderem auch deshalb anzweifeln, da dieses wohl „enge Verbindungen zum Kreml“ unterhält. So heißt es in einem Artikel über russische Meinungsumfragen von einem Forscher der Universität Helsinki in Finnland.

Andere Umfragen sprechen gegen Putins Beliebtheit – sowie Kritik von populären Russen

Gegen diese positiven Zahlen des Forschungszentrums sprechen auch anderweitige Umfragewerte, über die das britische Nachrichtenportal Daily Mail Ende August berichtete. Demnach zeige eine Umfrage, dass inzwischen nur noch rund 55 Prozent der Russen die Ukraine-Invasion befürworten. Ein paar Monate zuvor haben der Wert noch bei 66 Prozent gelegen.

Nimmt die Begeisterung über Putins Kriegsführung in Russland also doch ab? Zumindest äußern sich auch zunehmend populäre Russen und Russinen kritisch über den Kreml und seine Handlungen – so wie die Popsängerin Alla Pugatschowa, die den Angriffskrieg gegen de Ukraine scharf kritisierte. Auch russische Blogger haben sich auf Telegram bereits überraschend ablehnend zu der Kriegsführung Putins geäußert.

Klar ist jedenfalls, dass Putin sich international nicht mit Ruhm bekleckert. Eine im Juni veröffentlichte globale Umfrage unter 18 Nationen vom Pew Research Center hat ergeben, dass Putin zum unbeliebtesten Politiker der Welt geworden ist. Demnach gaben 90 Prozent der Befragten an, dass sie dem russischen Präsidenten nicht zutrauen würden, „das Richtige zu tun“, wenn es um das aktuelle Weltgeschehen geht. (Anika Zuschke)

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