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Ukraine

Korruption und Spionage – Putins Vertrauter in Kiew soll Geheimnisse an Moskau verraten haben

  • Stefan Scholl
    VonStefan Scholl
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Der Oligarch Viktor Medwedtschuk ist Putins Mann in Kiew – das wird ihm zum Verhängnis.

Kiew/Moskau – Dem Kiewer Oppositionspolitiker und Milliardär Viktor Medwedtschuk droht ein Strafverfahren. Er soll Gasfelder, Gastarbeiter und Geheimtruppen an Moskau verraten haben. Er rechne mit seiner Verhaftung, heißt es. „Aber meiner Meinung nach ist das gesetzwidrig, widerspricht der Verfassung und dem geltenden Strafrecht“, sagte Medwedtschuk unlängst vor dem Büro der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft, die ihn des Landesverrats beschuldigt. Alle Vorwürfe gegen ihn seien politisch motiviert.

Der Wirtschaftsmagnat, Parlamentarier und Führer der prorussischen „Oppositionsplattform für das Leben“ wird gleich dreifachen Verrats bezichtigt. Er soll Russlands Behörden tatkräftig geholfen haben, das Gasfeld „Glubokaja“ vor der Küste der Krim unter ihre Kontrolle zu bringen. Laut Generalstaatsanwältin Irina Wenediktowa spielte er den Russen, nachdem sie die Schwarzmeerinsel im Jahr 2014 annektiert hatten, die Dokumentation des Projektes mit geschätzten Reserven von mehr als 1,1 Milliarden Euro zu. Dann habe er die Kiewer Firma „Nowije Projekty“, die die Förderrechte besaß, nach russischem Recht neu auf der Krim registrieren lassen. Und so alle Steuereinnahmen für die künftige Ausbeutung Russland zugeschanzt.

Viktor Medwedtschuk ist Putins Mann in Kiew.

Ukrainischer Oppositionspolitiker und Milliardär Viktor Medwedtschuk – Kremlchef ist Taufpate

Außerdem soll Medwedtschuk sich an der Schaffung einer Organisation beteiligt haben, um die Personalien ukrainischer Gastarbeiter in Russland zu sammeln, diese anzuwerben und politisch im Sinne Moskaus einzusetzen. Schließlich habe er im August 2020 über seinen Fraktionskollegen Taras Kosak, der sich damals in Russland befand, Angaben über eine Geheimabteilung der ukrainischen Armee verraten.

Name:Wladimir Wladimirowitsch Putin
Geboren: 7. Oktober 1952 (Alter 68 Jahre), Sankt Petersburg, Russland
Ehepartnerin: Ljudmila Alexandrowna Otscheretnaja (verh. 1983–2014)
Amt:Präsident Russlands seit 2012
Kinder: Mariya Putina, Katerina Wladimirowna Tichonowa
Amtszeiten: 7. Mai 2000 – 7. Mai 2008, 7. Mai 2012 – heute
Eltern: Wladimir Spiridonowitsch Putin, Maria Ivanovna Shelomova

Medwedtschuk ist in der Ukraine längst ein notorisch Verdächtiger. Er gilt als Intimus von Wladimir Putin, der Taufpate seiner Tochter ist und ihn laut BBC allein im Jahr 2020 zweimal in Moskau empfangen hat. Nach Angaben des Wirtschaftsjournals „Fokus“ ist Medwedtschuk Dollarmilliardär, er wird seit 2014 beschuldigt, prorussische Rebellen zu finanzieren. Während er selbst 42 Prozent der Anteile an einer südrussischen Raffinerie für den Spottpreis von 40 000 Dollar erwerben konnte, wie das Kiewer Antikorruptionsprojekt „Schemy“ berichtet. „Es geht darum, dass er auf der Seite des Feindes spielt“, schreibt das Portal „Ukrinform“. Laut einer Umfrage des Rasumkow-Zentrums vom März besitzt Medwedtschuk mit 78 Prozent die höchste Misstrauensrate aller ukrainischen Politiker und Politikerinnen.

So viel Aufmerksamkeit wie am Donnerstag vor der Staatsanwaltschaft ist Viktor Medwedtschuk nicht gewohnt.

Die Umfragewerte für Präsident Wolodymyr Selenskyj stiegen wiederum kräftig, nachdem er im März mehrere TV-Sender abschalten ließ, die Medwedtschuks Gefolgsmann Taras Kosak kontrolliert hatte.

„Sicher haben die Vorwürfe politische Momente“, sagt der Kiewer Politologe Ihor Rejterowitsch im Gespräch mit der FR. „Selenskyj will der patriotischen Wählerschaft signalisieren, dass er – im Gegensatz zu seinem Vorgänger Petro Poroschenko – gegen Russlands fünfte Kolonie vorgeht.“ Auch im Konflikt mit Russland demonstriere der Präsident, er wolle den Einfluss prorussischer Politiker auf den Friedensprozess im Donbass ausschalten.

Kiewer Oppositionspolitiker Viktor Medwedtschuk droht ein Strafverfahren: Russland scheint ungerührt

Außerdem könnte ein Teil der russischsprachigen Wählerinnen und Wähler der „Oppositionsplattforum“ wegen der Verratsvorwürfe zu Selenskyj und seiner Partei „Diener des Volkes“ überlaufen. Auch wenn die nächsten Wahlen erst 2024 stattfinden – Rejterowitsch erwartet ein sehr langes und lautstarkes Verfahren.

Moskau zeigte sich zunächst eher desinteressiert. Kremlsprecher Dmitri Peskow sprach von einer inneren Angelegenheit der Ukraine. Allerdings wolle man sich vergewissern, dass hinter diesem Verfahren nicht der Wunsch steht, einen politischen Konkurrenten loszuwerden. Noch ist ungewiss, wie Taufpate Putin letztlich reagieren wird. Schon den russischen Truppenaufmarsch an der ukrainischen Grenze im Frühjahr hatten viele in Kiew mit Selenskyjs Angriff auf Medwedtschuks TV-Kanäle erklärt. (Stefan Scholl)

Russland und Ukraine: Putin mit nebulösen und gefährlichen Manövern an der Grenze

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin/AP | Mikhail Klimentyev

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