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Russlands Staatspräsident Wladimir Putin erfahre von seinem Umfeld keine Kritik mehr, warnt ein Experte. Das könnte sich auch auf die Ukraine-Krise auswirken. (Archivfoto)
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Russlands Staatspräsident Wladimir Putin erfahre von seinem Umfeld keine Kritik mehr, warnt ein Experte. Das könnte sich auch auf die Ukraine-Krise auswirken. (Archivfoto)

Wladimir Putin

Russland: Fachleute warnen vor „personalistischer Diktatur“ unter Putin

  • Sandra Kathe
    VonSandra Kathe
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Expert:innen aus Politik und Psychologie blicken besorgt auf die Situation zwischen Russland und der Ukraine – und auf die Psyche des russischen Präsidenten.

Moskau – Die Situation an der Grenze zwischen Russland und der Ukraine spitzt sich zu: Etwa 100.000 russische Streitkräfte befinden sich Berichten zufolge im Grenzgebiet zur Ukraine, die USA warnen vor einem geplanten Vorwand, um zeitnah ins Nachbarland einmarschieren zu können. Darüber hinaus warnen nun Politik-Expert:innen und Psycholog:innen vor einer Gefahr, die speziell von Russlands Staatspräsident Wladimir Putin ausginge.

Putin sei „inzwischen nur noch umgeben von Leuten, die ihn nicht mehr kritisieren“, zitiert das Redaktionsnetzwerk Deutschland den Russland-Experten Fabian Burkhardt, der am Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung in Regensburg forscht. Dies sorge dafür, dass der russische Präsident in seiner Machtposition noch nie so isoliert gewesen sei, wie aktuell.

Russland unter Putin: Psychologe erwartet „sehr wahrscheinlich“ militärische Eskalation

Davor warnt auch der Psychologe und Hirnforscher Ian Robertson, Professor am Trinity College in Dublin, der bereits 2014 einen mahnenden Artikel in der Zeitschrift Psychology Today veröffentlichte mit dem Titel „Die Gefahr, die in Wladimir Putins Gehirn lauert“. Die sonst von Psycholog:innen vermiedene öffentliche Betrachtung von der Psyche politischer Führungskräfte halte er im Fall Wladimir Putins für angebracht.

Zur aktuellen Situation äußerte Robertson sich gegenüber dem Redaktionsnetzwerk pessimistisch und betonte, er halte – in seiner Funktion als Psychologe – eine militärische Eskalation von russischer Seite für „sehr wahrscheinlich“.

Russlands Präsident Putin: Hirnforscher sieht viele Warnsignale

Diese Einschätzung habe, so Robertson verschiedene Gründe, vor allem jedoch zeige Putin alle klassischen Merkmale eines Menschen, der eine viel zu lange Phase in der Position großer Macht nicht verkraftet habe. Putin, der seit 2000 als russisches Staatsoberhaupt im Amt ist, vermittle den Eindruck, dass er zwischen sich selbst als Person und dem russischen Staat keinen Unterschied mehr sehe.

Auch Putins Verachtung für demokratische Werte wie freie Presse, freie Parlamente, unabhängige Gerichte, freie Meinungsäußerungen auf der Straße, sehe Robertson als Warnsignal. Der Analyse des Redaktionsnetzwerks zufolge verschärfe sich Putins Kurs im Bezug auf die Repression freiheitlicher Werte merklich vor allem seit dem Jahr 2011, als zahlreiche Protestwellen weltweit drohten, Diktaturen zu Fall zu bringen.

Russland: US-Politologin warnt vor Risikobereitschaft Putins

Die US-Politologin und Diktaturforscherin Erica Frantz bezeichnet Putins Politikstil in Russland als „personalistische Diktatur“, in der Putin, der umgeben sei von Jasagern und ausgehöhlten staatlichen Institutionen ohne effektive Veto-Rechte, allein alle Entscheidungen träfe.

Gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland warnte Frantz, dass dieses Klima dafür sorgen könne, dass „politische Führer höhere Risiken“ eingingen: „Personalistische Diktaturen beginnen am ehesten Konflikte mit anderen Staaten und geben am seltensten nach.“

Ukraine-Politik unter Putin: Niemand kennt Russlands Strategie

Auch in Führungskreisen der Bundeswehr interpretiert man Putins Verhalten als „gezielte Uneindeutigkeit“, zitiert das Redaktionsnetzwerk einen Bundeswehr-Repräsentanten, der sich nicht namentlich äußern wollte. Putin schüre durch Strategien wie im derzeitigen Konflikt mit der Ukraine Ängste, würde als Stratege aber maßlos überschätzt: Eher sei er „wie der böse Junge in der Schulklasse, der andere immer wieder bedrängt und bedroht, ohne selbst genau zu wissen, wie und wo die Sache endet.“

So urteilte zuletzt auch Anton Troianovski, Moskau-Korrespondent der New York Times: Niemand, auch niemand in Moskaus innersten Zirkeln, könne mit Sicherheit sagen, ob Putin Krieg wolle oder Frieden: „Wahrscheinlich hat Putin selbst es noch gar nicht entschieden.“ (ska)

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