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Putin „isoliert und misstrauisch“: Offenbar desolate Ukraine-Lage im Kreml

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Von: Richard Strobl

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Wladimir Putin ist laut einem US-Bericht selbst im Kreml nicht gut zur Ukraine-Lage informiert.
Wladimir Putin ist laut einem US-Bericht selbst im Kreml nicht gut zur Ukraine-Lage informiert. © IMAGO/Gavriil Grigorov/Kremlin Pool

Wie gut wird Putin von den Kreml-Beratern über den Ukraine-Krieg informiert? Ein Bericht aus den USA zeichnet ein schlimmes Bild.

Moskau – Russland ist im Ukraine-Krieg teils deutlich in die Defensive geraten. Dennoch verbot Wladimir Putin seinen Truppen den Rückzug. Tage später zog man sich in aussichtsloser Lage trotzdem zurück. Es stellt sich die Frage: Wie gut wird Russlands Machthaber im Kreml von seinen Beratern wirklich mit Informationen versorgt?

Schon im März hatte Washington mitgeteilt, dass man vermute, dass Putin von seinen Beratern nicht richtig über Rückschläge und Misserfolge in der Ukraine unterrichtet werde. Auch die Folgen der Sanktionen gegen das eigene Land sollen dem Kreml-Machthaber gar nicht wirklich klar sein. Jetzt legt ein Bericht des Wall Street Journal erneut den Finger in diese Wunde. Über Monate haben die Journalisten des US-Fachmagazins nach eigenen Angaben die Informationsketten im Kreml durchleuchtet und dabei auch Insider-Informationen erhalten. Die Ergebnisse der Recherche zeigen ein katastrophales Lagebild, berichtet merkur.de.

Putins Berater-Fiasko im Ukraine-Krieg: „Informationen, die er hören möchte“

„Russlands Präsident hat eine Machtstruktur aufgebaut, die ihm die Informationen liefern soll, die er hören möchte, und die seine Fehlkalkulationen im Ukraine-Krieg nähren“, heißt es in dem Artikel, über den in Deutschland zuerst der Spiegel berichtet hatte.

Demnach erhalte Wladimir Putin jeden Morgen um sieben Uhr ein schriftliches Update zur Lage im Ukraine-Krieg. Jedoch seien die Informationen in diesem Briefing geschönt, Rückschläge würden zwar benannt, jedoch heruntergespielt – während Fortschritte in den Mittelpunkt gestellt würden. Was die Sache verschlimmert: Putin selbst weigerte sich dem Bericht nach lange, zur Informationssuche das Internet zu nutzen. Er fürchtete die digitale Überwachung. Das mache die Morgen-Briefings zu seiner einzigen wirklichen Informationsquelle.

Russland führungslos im Ukraine-Krieg? Putin erhält alte und falsche Informationen

Hinzu komme, dass Informationen, die Putin erreichen, oftmals bereits veraltet sind. Das liegt dem Bericht nach an der Informationskette, die im Kreml endet: Von der Front geben die Militärs Neuigkeiten demnach an den Inlandsgeheimdienst FSB weiter. Dieser bereitet die Infos auf und übergibt sie dann an Experten aus Putins Sicherheitsrat. Dessen Vorsitzender Nikolai Patruschew leitet die Infos dann an Putin weiter.

Nach Bild-Angaben ist Ex-FSB-Chef Patruschew – der seit Jahrzehnten mit Putin bekannt ist – jedoch genau einer der Silowiki, die den Kreml-Machthaber erst von der Invasion in der Ukraine überzeugt haben. Demnach habe er ein Interesse daran, positive Kriegsberichte bei Putin abzugeben.

Der Kreml selbst widerspricht diesen Angaben, wie das Wall Street Journal schreibt.

Putin „isoliert und misstrauisch“

Jedoch soll selbst Putin sich der Lage mittlerweile zumindest teilweise bewusst sein, heißt es in dem US-Bericht. Immer wieder hatten direkte Befehle Putins an Militärs in der Ukraine unter Missachtung der Befehlskette für Aufsehen gesorgt. Diese sollen eine Folge der Unsicherheit des Kreml-Machthabers sein, sich auf die Aussagen seiner Berater verlassen zu können. Putin sei „isoliert und misstrauisch“, schreibt das WSJ.

In dem Bericht wird ein weiteres interessantes Beispiel zum Umgang der Berater mit Putin genannt: So soll ein Meinungsforscher nach dem Kriegsbeginn eine Umfrage vorgelegt haben, wonach weniger Russen die Invasion unterstützt hätten, als erwartet. Die Kreml-Berater hätten daraufhin geantwortet: „Wladimir Wladimirowitsch muss jetzt nicht aufgeregt werden.“

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