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„Kein Interesse mehr an Menschenleben“: Expertin erhebt schwere Vorwürfe im Ukraine-Krieg

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Von: Sebastian Richter

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Während Russland in Europa Krieg führt, erfrieren in der Heimat der Soldaten Menschen. Statt in den Krieg könnte Putin auch in Soziales investieren.

Moskau – Seit mehr als neun Monaten wütet der Ukraine-Krieg. Russland schickt Soldaten an die Front, nicht wenige sterben fernab ihrer Heimat. Aber nicht nur für russische Soldaten hat der Krieg tödliche Auswirkungen, auch in ihrer Heimat sterben die Menschen. Strom- und Heizungsausfälle lassen Menschen erfrieren – und dass Wladimir Putin lieber Milliarden Dollar in den Krieg pumpt, anstatt sie in die Infrastruktur zu Hause zu stecken, stößt zunehmend auf Kritik.

An der Front in der Ukraine erfrieren die Soldaten. Thomas Theiner, ehemaliger Soldat und Filmemacher in Kiew, sagte voraus, dass der Winter „mehr russische Soldaten töten würde, als die Ukraine jemals töten könnte“. Gleichzeitig sterben in ihrer Heimat Menschen an mangelnder Infrastruktur. Dort werden die Männer, die in der Ukraine verheizt werden, eigentlich dringend gebraucht.

News zum Ukraine-Krieg: Tausende Menschen in Russland ohne Heizung und warmes Wasser

„Sie nehmen junge Männer - die einzigen Ernährer - weg und schicken sie in Särgen zurück. Die Jungs erfrieren an der Front, werden krank und sterben, während ihre Familien in Armut leben“, sagte Valentina Melnikova, eine prominente Fürsprecherin des Komitees der Soldatenmütter, gegenüber The Daily Beast. „Es scheint, dass die Behörden an diesem Punkt kein Interesse mehr an Menschenleben haben.“

Vor allem weit weg von der Kreml-Metropole Moskau und damit weit weg von Putin ist die Lage prekär. In Abakan, Hauptstadt der russischen Republik Chakasien in Sibiren, brachte eine geplatzte Warmwasserleitung tausende Menschen in arge Bedrängnis, wie The Daily Beast weiter schreibt. Bei Minustemperaturen sind 70.000 Menschen ohne warmes Wasser und ohne Heizung. Heiß laufe dagegen die Leitung der örtlichen Notrufzentrale. Dutzende Menschen verbrachten die Nacht auf Sonntag damit, beim Notruf nachzufragen, wann die Heizung wieder in Gang komme.

Präsident Wladimier Putin hat Geld für den Krieg, aber nicht für die Bevölkerung. (Archivbild)
Präsident Wladimier Putin hat Geld für den Krieg, aber nicht für die Bevölkerung. (Archivbild) © Imago/Mikhail Metzel

News zum Ukraine-Krieg: Erfrieren in Russland ist nichts Ungewöhnliches

„Dunkle Zeiten“, sieht Blogger Nikolay Zolotv für die russische Bevölkerung. Rohrbrüche seien nicht das schlimmste Problem, sagte er gegenüber The Daily Beast. „Die Menschen leben mit winzigen Gehältern in einer schlecht gewarteten Stadt, ohne Geld, um Lebensmittel zu kaufen, während unsere Regierung Milliarden für den Sondereinsatz in der Ukraine ausgibt.“

Genauso wie die Arbeitskraft der Männer wird das Geld für den Krieg in der Ukraine dringend für den Ausbau der Infrastruktur in Russland gebraucht: Auch vor dem Krieg war der Tod durch Erfrieren in Russland nichts Ungewöhnliches. 5.557 Menschen erfroren laut einer Studie der Ersten Moskauer Medizinischen Universität im Jahr 2021.

Russland in Armut: Niedriger Lebensstandard in der Bevölkerung – Putins große Versprechen

Schlecht stand es vor dem Krieg auch schon um den Lebensstandard der russischen Bevölkerung. 12,9 Prozent der Menschen in Russland waren 2020 laut dem Institut für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung e.V. (ISW) von Armut betroffen. Armut – in diesem Kontext ein relativer Begriff. Das Existenzminimum, also die Mittel, die für die Befriedung der materiellen Bedürfnisse notwendig sind, bezifferte Russland laut ISW im Jahr 2021 auf 132 Euro im Monat.

Im März 2018 – wenige Tage vor der Präsidentenwahl in Russland – kündigte Putin noch an, die Armut in Russland halbieren zu wollen. Viel passiert ist seitdem nicht. Stattdessen gehen die politischen Entwicklungen in eine andere Richtung. Zur gleichen Zeit versprach Putin den Ausbau des Atomwaffenarsenals. Dabei ging es ihm nach eigener Aussage um den Weltfrieden. (spr)

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