Putin-Kritiker soll verschleppt worden sein
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Putin-Kritiker soll verschleppt worden sein

Mögliche Entführung

Putin-Kritiker soll auf Militärbasis in Arktis verschleppt worden sein

Ein Kritiker von Putin wird seit Montag vermisst. Er soll widerrechtlich in die Arktis zum Militärdienst gebracht worden sein.

Ein Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin soll nach Oppositionsangaben widerrechtlich zum Militärdienst eingezogen und in eine entlegene Basis in der Arktis gebracht worden sein. Der prominente Kremlkritiker Alexej Nawalny schrieb am Mittwoch im Internet, sein Weggefährte Ruslan Schaweddinow werde auf einer geheimen Luftabwehrbasis im entlegenen Nowaja-Semlja-Archipel als „politischer Gefangener" festgehalten. Der 23-Jährige wurde seit Montag vermisst.

 Projektmanager für Nawalnys Anti-Korruptions-Stiftung

Laut Nawalny soll die Polizei in die Moskauer Wohnung Schaweddinows eingedrungen und ihn sofort festgenommen und abtransportiert haben. Schaweddinow arbeitete als Projektmanager für Nawalnys Anti-Korruptions-Stiftung. Die Stiftung wurde von den russischen Behörden in diesem Jahr als „ausländischer Agent“ eingestuft. Gegen sie wird wegen angeblicher Geldwäsche ermittelt. 

Zum „ausländischen Agenten“ können nach russischer Gesetzgebung Nichtregierungsorganisationen (NGOs) erklärt werden, die unter anderem Geld aus dem Ausland erhalten. Das entsprechende Gesetz trat 2012 in Kraft und wird von westlichen Regierungen scharf kritisiert. Organisationen, die sich als „ausländische Agenten“ beim Justizministerium registrieren müssen, müssen ihre Finanzierung offen legen, genauso wie Berichte über ihre Ziele sowie die Namen ihrer Mitarbeiter.

Bekannt ist, dass Nawalnys Stiftung regelmäßig Fälle von Korruption und den dekadenten Lebensstil von Vertretern der russischen Elite aufdeckt. Die Verbreitung der Informationen erfolgt vor allem über das Internet. Ein Video Nawalnys über den mutmaßlichen Immobilienbesitz des russischen Ministerpräsidenten Dmitrij Medwedew wurde allein auf YouTube über 30 Millionen Mal angeklickt.

Wehrpflicht in Russland

In Russland gilt die Wehrpflicht. Sie betrifft Männer im Alter zwischen 18 und 27 Jahren, die Dienstzeit beträgt ein Jahr. Ein Armeesprecher sagte der Nachrichtenagentur Tass, Schaweddinow habe sich seit langem vor dem Wehrdienst gedrückt. Seine jetzige Einberufung entspreche dem Gesetz. 

Nawalny führte hingegen ins Feld, Schaweddinow sei aus gesundheitlichen Gründen für den Wehrdienst ungeeignet. Auch sei er ohne jegliche Grundausbildung zum Nowaja-Semlja-Archipel entsandt worden. Wjatscheslaw Gimadi, ein Anwalt von Nawalnys Stiftung, sprach von einer „Entführung“ Schaweddinows und warf Putin sowie Verteidigungsminister Sergej Schoigu vor, direkt dafür verantwortlich zu sein. 

Demonstration für Schaweddinow

Einige Unterstützer Schaweddinows demonstrierten am Mittwochabend in Moskau vor dem Sitz des Generalstabs der russischen Streitkräfte. (FR mit afp)

Putin-Kritiker Alexej Nawalny wird zur Zielscheibe, weil er den Mächtigen zeigt, dass sie angreifbar sind - auch wenn sie glauben, alles im Griff zu haben. Der Leitartikel.

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