1. Startseite
  2. Politik

Putin und Erdogan telefonieren über Gas, Getreide und Syrien

Erstellt:

Von: Kilian Bäuml

Kommentare

Zwei Präsidenten, ein Telefonat und viele Themen, die sich auf ganz Europa auswirken können – worüber Putin und Erdogan gesprochen haben.

Frankfurt – Während Russland von den EU-Ländern sanktioniert wird, findet sich wohl mit der Türkei ein anderer Handelspartner für Wladimir Putin. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat offenbar trotz des Kriegs mit der Ukraine kein Problem, seine wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland auszubauen.

In ihrem Gespräch sollen die beiden Staatsoberhäupter über das Getreideabkommen, Gaslieferungen und die türkisch-syrische Grenze gesprochen haben. Für die EU könnte das mögliche neue Verhältnis zwischen der Türkei und Russland Sorgen bereiten.

Putin und Erdogan sprechen im Telefonat über das Getreideabkommen

Im Juli wurde unter Vermittlung der Türkei und den Vereinten Nationen ein Abkommen zum Export von Getreide aus der Ukraine über das Schwarze Meer geschlossen. Die monatelangen Blockaden der Ausfuhr von ukrainischem Getreide wurde dadurch beendet. Doch von russischer Seite heißt es nun, dass sie selbst aufgrund der westlichen Sanktionen mit Einschränkungen im Getreideexport unter Einschränkung leide.

Erdogan möchte das Getreideabkommen auf andere Waren ausdehnen. Sein Büro sagt, dass der türkische Präsident im Telefonat mit Putin gesagt habe, dass man den Export von Waren und Lebensmitteln vorbereiten könne. Vom Kreml heißt es, dass das Getreideabkommen sehr komplex sei und die Einschränkungen für den Export von russischen Getreide aufgehoben werden sollen.

In Zukunft könnte russisches Gas in die Türkei fließen

In ihrem Telefonat soll es weiter auch um gemeinsame Energieprojekte, vor allem Lieferungen von russischem Gas in die Türkei, gegangen sein. Die beiden Staatsoberhäupter sollen sich über die Schaffung eines Gas-Hubs in die Türkei, sowie eines Gasknotenpunktes, ausgetauscht. Bereits letzte Woche habe der Chef des russischen Staatskonzerns Gazprom, Alexej Miller, Verhandlungen in der Türkei geführt.

Turkish President Recep Tayyip Erdogan and Russian President Vladimir Putin
Putin und Erdogan haben sich im Telefonat ausgetauscht. (Symbolbild) © Vyacheslav Prokofyev/Imago

Erdogan möchte von Putin einen Sicherheitskorridor an der syrischen Grenze

Das dritte Thema der beiden Staatsoberhäupter war Syrien. Die Türkei geht seit dem 20. November mit Luftangriffen in Nordsyrien und dem Nordirak gegen die YPF und die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK vor und droht auch mit einer Bodenoffensive. Grund dafür sind Anschläge, für die aus türkischer Sicht die PKK und YPG verantwortlich sind. Beide Gruppen weisen die Vorwürfe jedoch zurück.

Erdogan betrachtet die Gruppen als Terroristen und drängt deshalb auf ihren Rückzug aus dem Grenzgebiet. Gegenüber Putin soll Erdogan auf eine Vereinbarung von 2019 verwiesen haben und fordern einen 30 Kilometer langen Sicherheitskorridor an der türkisch-syrischen Grenze. Russland hatte seine Truppen im Sommer aus Syrien zurückgezogen, trotzdem bleibt Putin im syrischen Bürgerkrieg enger Verbündeter von Präsident Baschar al-Assad. Die kurdischen Milizen arbeiten in Syrien mit den USA im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zusammen. Die PKK wird jedoch auch von Deutschland und den USA als Terrororganisation betrachtet. (kiba/dpa)

Auch interessant

Kommentare