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Wladimir Putin hat einen Aufsatz über Russland und die Ukraine geschrieben.
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Wladimir Putin hat einen Aufsatz über Russland und die Ukraine geschrieben.

Russland

Russland: Putin droht der Ukraine und stellt Staatsgebiet infrage

  • Stefan Scholl
    VonStefan Scholl
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Kreml-Chef Wladimir Putin unterstellt der Ukraine in einem Aufsatz, Russland schaden zu wollen. Kiew reagiert irritiert.

Moskau - Die Verwandtschaft lebe im Herzen und im Gedächtnis der Menschen, in den Blutsbanden von Millionen Familien. „Gemeinsam waren und werden wir immer um ein Vielfaches stärker und erfolgreicher sein“, schreibt Wladimir Putin. „Weil wir ein Volk sind.“

Am Montag (12.07.2021) veröffentlichte Russlands Präsident den Aufsatz „Über die historische Einheit von Russen und Ukrainern“. Darin beschwört er geschichtliche, kulturelle und mentale Gemeinsamkeiten, stellt aber Staatsgebiet und Nationalität des südwestlichen Nachbarvolkes infrage. „Alternative Geschichtsschreibung“, urteilt das Portal Ukrinform. Russland wolle die Vergangenheit der Ukraine bis zur mittelalterlichen Kiewer Rus annektieren.

Putin stellt Nationalität der Ukraine infrage

Einen Großteil der fast 40 000 Zeichen widmet Putin der Geschichte der Ukraine, deren Bevölkerung mit den Russen eine Sprach-, Religions- und Schicksalsgemeinschaft gebildet hätte, beeinträchtigt nur durch das Machtstreben Polen, Litauens und danach Österreichs, beschützt aber von Russlands Zaren und später der Sowjetunion.

Dass in der Ukraine heute ukrainisch gesprochen wird, führt Putin vor allem auf die Nationalitätenpolitik der Bolschewisten zurück. Diese hätten eine Ukrainisierungskampagne veranstaltet, der Ukraine auch widerrechtlich einen Großteil ihres Territoriums zugeschoben, darunter die Krim. Die Ex-Sowjetrepublik müsse sich eigentlich auf seine Grenzen bei der Gründung der UdSSR 1922 zurückzuziehen. „Verschwindet damit, womit ihr gekommen seid!“ Nach Ansicht ukrainischer Medien will der Kremlchef so die Annexion der Krim durch Russland 2014 rechtfertigen.

Eine junge Ukrainerin während des traditionellen Kupala-Festes am 6. Juli. Das ist nicht unbedingt sehr russisch.

Putin: Ukraine hat widerrechtlich Territorium bekommen

Und Denis Kasanski, ukrainischer Unterhändler in der Donbass-Kontaktgruppe, schreibt auf Facebook, dann möge der „große Historiker“ Putin doch im Gegenzug den Teil der südrussischen Region Rostow zurückgeben, der bis 1922 zur Ukraine gehörte, inklusive der Städte Taganrog und Schachty. Noch umstrittener sind Putins Äußerungen zur Gegenwart. Das westliche Ausland bemühe sich, die Ukraine in ein „Anti-Russland“ zu verwandeln, schreibt er. „Die Schaffung eines ethnisch rein ukrainischen Staates, der Russland gegenüber aggressiv eingestellt sei, ist in seinen Folgen vergleichbar mit dem Einsatz von Massenvernichtungswaffen gegen uns“, schreibt Putin.

Die westlichen Autoren des Projekts Antirussland sorgten für ein politisches System, indem Präsidenten und Minister wechselten, die Feindschaft gegen Moskau aber bleibe, so Putin weiter. So habe der amtierende Präsident Wolodymyr Selenskyj im Wahlkampf Frieden im Donbass versprochen, tatsächlich aber ändere sich nichts. Dabei bemüht sich Selenskyj seit Monaten um ein Treffen mit Putin, dort will er den klemmenden Verhandlungsprozess wieder in Gang zu bringen. Dort könne man auch Putins Artikel diskutieren, sagte Selenskyj gestern in Kiew. „Ich wäre in der Lage, dem russischen Präsident reiches Material für den nächsten Artikel zu übergeben.“ Putin selbst hatte Ende Juni erklärt, er habe mit Selenskyj nichts zu bereden, weil der die volle Kontrolle über sein Land äußeren Kräften überlassen habe.

Kiew versteht Putins Worte als Drohung

Jetzt schreibt Putin, für eine wirkliche ukrainische Souveränität bedürfe es Partnerschaft mit Russland. „Wir werden niemals zulassen, dass unsere historischen Gebiete und die uns nahen Menschen, die dort leben, gegen Russland benutzt werden. Denen aber, die einen solchen Versuch unternehmen, will ich sagen, dass sie so ihr Land zerstören.“

In Kiew kommen Putins Worte durchaus als Drohung an. „Das typische Stöhnen einer Persönlichkeit im Grenzbereich: Ich hasse dich, aber verlass mich nicht!“, kommentiert die politische Psychologin Swetlana Tschunichina. „Aber solchem Stöhnen folgen oft Gewaltverbrechen.“ Und der Blogger Denis Popowitsch schreibt: „Wenn wir überleben wollen, müssen wir uns bewaffnen. Mit Krokodilen kann man sich nicht einigen.“

Immerhin, Staatschef Selenskyj quittierte es mit einem Lächeln, dass der Kreml den Text auch in ukrainischer Sprache veröffentlichte. „Wenn der Präsident Russlands angefangen hat, Artikel auf Ukrainisch zu schreiben“, so Selenskyj, „heißt das, dass wir alles richtig gemacht haben.“ (Stefan Scholl)

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