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Briefwechsel mit russischem Geheimdienst über möglichen Nuklearschlag

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Von: Nail Akkoyun

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Ein Mann geht an einem Wandgemälde vorbei, das den russischen Präsidenten Wladimir Putin zeigt. (Archivfoto)
Ein Mann geht an einem Wandgemälde vorbei, das den russischen Präsidenten Wladimir Putin zeigt. (Archivfoto) © Andrej Isakovic/AFP

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs droht Wladimir Putin mit dem Einsatz von Atomwaffen. Ein Whistleblower erklärt, wie wahrscheinlich ein russischer Atomschlag ist.

Moskau – Einem Whistleblower beim russischen Inlandsgeheimdienst (FSB) zufolge wurde im Kreml der mögliche Einsatz von Atomwaffen im Ukraine-Krieg diskutiert. Entsprechende E-Mails wurden dem russischen Aktivisten Wladimir Osechkin nach eigenen Angaben zugespielt. Der wiederum veröffentlichte das Material teilweise auf gulagu.net – eine Website, die Korruption sichtbar machen und bekämpfen soll.

Wie newsweek.com berichtet, soll Osechkin bereits seit dem 4. März mit seiner FSB-Quelle in Kontakt stehen. Der Russland-Experten Christo Grozev analysierte eine Mail des Whistleblowers mit dem Pseudonym „Wind of Change“ wenige Tage später. Grozev erklärte auf Twitter, er habe den Brief „zwei tatsächlichen (aktuellen oder ehemaligen) FSB-Kontakten“ gezeigt, die „keinen Zweifel daran hatten, dass er von einem Kollegen geschrieben wurde“.

Russland will Atomschlag vermeiden: Putins Befehl könnte blockiert werden

Die „völlige Dummheit“, also einen russischen Atomschlag, zieht Wladimir Putin den Informationen zufolge vorerst nicht in Erwägung, da ein Kernwaffeneinsatz sowohl in den Augen der Ukraine als auch des Westens „Russlands Niederlage“ bedeuten würde. Es „würde eine militärische Schwäche demonstrieren“, schrieb Osechkins Geheimdienstquelle angeblich. Die Drohung diene dazu, „möglicherweise den Westen einzuschüchtern“.

Der Whistleblower vermutete zudem, dass Teile der Befehlskette im Kreml einen entsprechenden Befehl Putins blockieren würden. In der gleichen E-Mail kritisierte der FSB-Agent eine fehlende Strategie des Kremls und machte den russischen Präsidenten für die vielen militärischen Rückschläge verantwortlich. „Die Zuspitzung des russischen Problems ist nun von Putin persönlich geschaffen worden – schon dadurch, dass er seine politischen Forderungen über jede Zweckmäßigkeit stellt: militärisch, sozial, wirtschaftlich“, schrieb die Person.

Ukraine-Krieg: Russland könnte im Falle einer Krim-Rückeroberung zu Atomwaffen greifen

Max Bergmann, Direktor des Europa-Programms am Center for Strategic and International Studies (CSIS), sagte gegenüber Newsweek, dass Putin jetzt „verzweifelt nach einer Möglichkeit sucht, diesen Konflikt zu wenden“. Auch der Whistleblower schrieb in einer E-Mail, das Verhalten des Kreml-Chefs gleiche dem eines „Zockers“, „der in der Aufregung einen Zusammenbruch erlitten hat und versucht, seine verlorenen Einsätze um jeden Preis zurückzugewinnen“.

Bergmann schätzt gleichwohl, dass Russland Atomwaffen im Falle weiterer ukrainischer Landgewinne und eine Annäherung an die Krim mit den Nuklear-Drohungen Ernst machen könnte. Wahrscheinlicher werde dieses Szenario auch, falls sich die Teilmobilisierung als unwirksam erweist. (nak)

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