1. Startseite
  2. Politik

Terror-Vorwurf aus Russland? „Pussy Riot“-Mitglied aus Georgien abgeschoben

Erstellt:

Kommentare

Pussy Riot
Pussy Riot bei einem Auftritt. © Rita Franca / Imago Images

Der jüngste Vorfall eines „Pussy Riot“-Mitglieds am Flughafen von Tiflis ist nicht das erste Mal, dass politische Aktivist:innen Probleme bei der Einreise nach Georgien haben.

Tiflis – Die für ihre russlandkritische und feministische Einstellung bekannten Punkrock-Musikerinnen „Pussy Riot“ aus Moskau haben in ihrem Kampf gegen Putin erneut für Aufsehen gesorgt; diesmal allerdings wohl eher ungewollt. Denn einem Mitglied der Aktivist:innen-Gruppe wurde nun nach vermeintlichen Terror-Vorwürfen die Einreise nach Georgien verwehrt.

Laut Informationen der Moscow Times sei am Mittwochnachmittag das Band-Mitglied Olga Borisova am Flughafen von Tiflis von georgischen Beamten gestoppt worden. „Sie haben einfach ‚nein‘ gesagt und mir nicht mal irgendwelche Fragen gestellt“, sagte Borisova laut Bericht.

„Pussy Riot“-Mitglied nach Benefiz-Tour für Urkaine am Flughafen von Tiflis abgewiesen

So hätten die Beamten laut der Aussage der Musikerin eine Nachricht erhalten, die auf vermeintliche terroristische Absichten Borisovas in Georgien hinweise. Daraufhin wurde ihr der Zutritt untersagt und sie zunächst in die Türkei abgeschoben. Anschließend wurde Borisova zurück in die Niederlande befördert.

Besonders ironisch: Die Musikerin war gerade auf der Rückreise von einer Tournee im Westen Europas, um Spenden für die Ukraine zu sammeln. Der Erlös der Benefiz-Tour, bei der die Protest-Band auch in Deutschland aufgetreten war, sollte den Kriegsflüchtlingen zugutekommen.

„Pussy Riot“-Aktivist:innen wittern politische Motive hinter der Abschiebung

Für die Mitglieder der Protest-Gruppe besteht keinen Zweifel, dass Putin-Befürworter hinter dem Vorfall am Flughafen von Tiflis stecken. Es ist der zweite Fall binnen weniger Wochen, bei dem Kreml-kritischen Aktivist:innen nach vermeintlichen Terror-Vorwürfen die Einreise nach Georgien verwehrt wurde.

Georgien ist schon seit Jahren ein Zufluchtsort für russische Oppositionelle. Seit Kriegsausbruch in der Ukraine hat die Zahl politischen Flüchtlingen aus Russland in den Nachbarstaat und dem ehemaligen Mitglied der Sowjetunion allerdings nochmals zugenommen. Der Grenzübertritt verlief allerdings nicht immer reibungslos. Besonders Menschen aus dem Nordkaukasus wurden in der jüngeren Vergangenheit abgeschoben, häufig ohne bestimmten Grund. Und bereits im März wurden Aktivist:innen und Journalist:innen, die aus Russland flohen, die Einreise verweigert.

Angespannte Lage in Georgien: „Pussy Riot“-Vorfall nur einer von vielen zuletzt

In Fall von Borisova wollen die „Pussy Riot“-Mitglieder nun Menschenrechtsorganisationen hinzuziehen, um die Unschuld der Musikerin zu beweisen. Der Moscow Times sagte Borisova, dass sie noch immer hoffe, nach Tiflis einreisen zu können. „Ich fühle mich in Georgien sicher“, sagte sie. „Ich glaube nicht, dass der Vorfall am Flughafen pro-russisch motiviert gewesen ist. Es war einfach ein großes Missverständnis, das hoffentlich nun aufgeklärt werden kann, damit ich nachhause reisen darf“, so Borisova weiter.

Damit spitzt sich die politische Lage Georgiens rund um den Ukraine-Krieg weiter zu. Neben dem „Pussy Riot“-Vorfall wurden jüngst Rufe nach dem Beitritt in die EU aus der Bevölkerung immer lauter. Am Dienstagabend (21. Juni) kam es vermehrt zu Demonstrationen auf den georgischen Straßen. Und erst im Mai hagelte es internationale Kritik für die Regierung des ehemaligen Sowjetunionsmitglieds – der Grund: Georgien wollte sich nicht an den wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland beteiligen. (Romina Kunze)

Auch interessant

Kommentare