1. Startseite
  2. Politik

Pannenpanzer „Puma“: Lambrecht droht Industrie mit Ausmusterung

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Katja Thorwarth

Kommentare

Nach der Pannenserie des Schützenpanzers „Puma“ stellt Verteidigungsministerin Lambrecht konkrete Forderungen an die Rüstungsindustrie.

Update vom Dienstag, 20. Dezember, 7.25 Uhr: Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) hat die Industrie zur schnellen Behebung der Pannen beim Schützenpanzer „Puma“ aufgefordert und andernfalls mit einer Ausmusterung des Gefechtsfahrzeugs gedroht. Im ZDF-„heute journal“ sagte sie am Montagabend: „Wir können uns nicht immer von einer Instandsetzung zur anderen hangeln, wir brauchen verlässliche Lösungen oder die Entscheidung, nicht mehr länger auf den Puma zu setzen.“ Die Instandsetzung des Schützenpanzers müsse sehr schnell gehen. „Da erwarte ich keine Zusagen innerhalb vieler Wochen, sondern innerhalb weniger.“

Die Ministerin erklärte, dass man mit dem Puma in den vergangenen Jahren und bei verschiedenen Übungen eigentlich vielversprechende Ergebnisse erzielt habe. „Von daher glaube ich, ist es doch noch mal die Mühe wert, mit der Industrie zu beraten, ob es denn in irgendeiner Weise Verlässlichkeit geben kann.“ Bei der Verlässlichkeit erwarte sie, dass man sich in wenigen Wochen auf eine Lösung verständigen werde. „Ansonsten kann ich die Verantwortung nicht übernehmen. Wir müssten ansonsten investieren in eine Nachrüstung. Diese Verträge werden wir nicht unterschreiben. Und auch ein zweites Los, sprich weitere Bestellungen wird es nicht geben.“

Verteidigungsministerin Christine Lambrecht besucht vor Weihnachten die Truppe.
Verteidigungsministerin Christine Lambrecht besucht vor Weihnachten die Truppe. © Kay Nietfeld/dpa

Die Industrie sei in der Pflicht, sagte Lambrecht. „Diesen Weg werden wir gemeinsam gehen oder dann ihn eben auch abbrechen, wenn es sein muss.“

Schützenpanzer „Puma“ als Totalausfall: Lambrecht berät sich mit Bundeswehr

Erstmeldung Montag, 19. Dezember: Berlin – 2015 wurde der Schützenpanzer „Puma“ bei seiner Präsentation als der „modernste Schützenpanzer der Welt“ gepriesen. Nach der Pannenserie am Wochenende könnte man eher von einem „Totalausfall“ sprechen. Kaputte Elektronik, Kabelbrand, Turmausfall – für die Bundeswehr gleicht die Nutzung des „Puma“ einem Lotteriespiel. So spricht denn auch CDU-Fraktionsvize Johann Wadephul von einem „Alptraum“: „Der ‚Puma‘ soll ein Hauptwaffensystem des deutschen Heeres sein. Und wenn der ‚Puma‘ nicht einsatzbereit ist, dann ist das Heer nicht einsatzbereit.“

Als Reaktion werden Vertreterinnen und Vertreter der Bundeswehr und der Rüstungsindustrie am Montag (19. Dezember) über das weitere Vorgehen beraten. An dem Gespräch soll auch Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) zugegen sein.

Bundeswehr: Beratungen über Schützenpanzer „Puma“

Der Schützenpanzer „Puma“ war bei Übungen der Bundeswehr für die Beteiligung an der Nato-Eingreiftruppe VJTF (Very High Readiness Joint Task Force) im nächsten Jahr komplett ausgefallen. Bei einem Training mit 18 Gefechtsfahrzeugen sei die Einsatzbereitschaft binnen einiger Tage auf null gesunken, berichtete der Spiegel am Samstag. Vor allem die Elektronik der Hightech-Panzer ist dem Bericht zufolge anfällig.

Der von zahlreichen technischen Problemen geplagte Schützenpanzer Puma war erst im vergangenen Jahr für gefechtstauglich erklärt worden. Das von Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und der Rheinmetall Landsysteme GmbH (RLS) entwickelte und produzierte Gefechtsfahrzeug hatte zuvor schon als „Pannenpanzer“ Schlagzeilen gemacht. Der „Puma“ löst den älteren Schützenpanzer Marder ab, der inzwischen mehrfach modernisiert wurde und in der Bundeswehr weiterhin im Einsatz ist.

Bundeswehrverband fordert stärkeren Fokus auf Landstreitkräfte

Derweil forderte der Bundeswehrverband einen stärkeren Fokus auf die Landstreitkräfte. „Wir brauchen endlich wieder Landstreitkräfte für die Landes- und Bündnisverteidigung, die ihren Namen verdienen, denn für Abschreckung und Verteidigung braucht es Kräfte, die im Streitfall siegen“, sagte der Vorsitzende André Wüstner den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Das gelinge nur mit Waffensystemen, die unter allen Bedingungen einsatzbereit blieben. Daher müsse das Verteidigungsministerium die Landstreitkräfte in den Fokus nehmen.

Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Alfons Mais, schrieb in einer Mitteilung vom Sonntag, es habe einen unerwartet hohen Ausfall „bei herausfordernden Übungsbedingungen“ gegeben. „Der Schützenpanzer Puma hatte sich bis dato in Bezug auf die Einsatzbereitschaft als zunehmend verlässlich erwiesen“, erklärte Mais. Im Moment gebe es eine umfangreiche Bestandsaufnahme mit dem Ziel, die Einsatzbereitschaft des Schützenpanzers so schnell wie möglich wiederherzustellen.

Der Aufbau der schnellen Eingreiftruppe VJTF geht schon auf Beschlüsse beim Nato-Gipfel in Wales im September 2014 zurück. Die Truppe ist Teil eines Aktionsplans als Reaktion auf den mit der russischen Annexion der Krim beginnenden Ukraine-Konflikts. Die VJTF dient dem Schutz von Nato-Verbündeten im Osten, die sich von Russland bedroht fühlen. Die Eingreiftruppe soll stets in höchster Bereitschaft sein, um innerhalb weniger Tage aktiv werden zu können. (ktho/AFP)

Auch interessant

Kommentare