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Pullover und Pumpen

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Von: Joachim Wille

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Joachim Wille
Joachim Wille © Alex Kraus

Die Wärmepumpenstrategie der Bundesregierung ist kein Selbstläufer. Bei der Umrüstung von Altbauten sollte einiges beachtet werden.

Bisher war der Herbst gut zu uns: Der Oktober entpuppte sich hierzulande als der wärmste Oktober seit Beginn der Wetteraufzeichnungen anno 1881. Das entlastet die Heizrechnung, egal, ob man Gas, Öl, Holz oder Strom nutzt. Doch natürlich ist es keine Lösung, nur auf milde Temperaturen und dicke Pullover zu setzen, um künftig durch die Winter zu kommen.

Erdgas ist neuerdings out, Heizöl schon länger. Auch Holz zu verbrennen, ist zunehmend verpönt. Was also bleibt? Genau, die Wärmepumpe. Jene Anlage, die mit Strom läuft und wie ein Kühlschrank funktioniert, nur umgekehrt. Sie nutzt die Umgebungswärme und „pumpt“ sie per Kompressor auf verträgliche Temperaturen hoch. Die Bundesregierung sieht das als Königsweg, um die Gebäudeheizung klimaneutral zu machen. Bis 2045 soll in diesem Bereich, wie in allen Sektoren, kein CO2 mehr ausgestoßen werden.

Das zu schaffen, ist ein Herkules-Job. Dreiviertel der 40 Millionen Wohnungen respektive Häuser werden noch mit Gas oder Öl beheizt. Doch die Wärmepumpen-Strategie ist kein Selbstläufer. In modernen, gut gedämmten Häusern mit niedrigem Wärmebedarf funktioniert die Technologie einwandfrei. Daher hat sie bei Neubauten bereits einen Marktanteil von über 50 Prozent. Bei der Altbau-Umrüstung ist die Sache aber nicht so einfach. Um 2030 einen Stand von sechs Millionen Wärmepumpen zu erreichen, wie es die Ampel plant, und das zudem in einem sinnvollen Konzept, muss noch viel geschehen. Derzeit gibt es insgesamt erst eine Million davon, und im ersten Halbjahr 2022 sind nur 96 000 neu eingebaut worden.

Die Umrüstung macht in vielen Altbauten nur Sinn, wenn vorher der Wärmebedarf der Gebäude durch eine energetische Sanierung gesenkt wird. Sonst droht den Wärmepumpen-Heizern ein Schock bei ihrer Stromabrechnung, zumal die Elektrizitätspreise gerade durch die Decke gehen. Laut Vergleichsportal Check 24 liegen schon derzeit in Häusern mit vergleichbarem Energiestandard die Kosten für den Heizstrom rund ein Viertel höher als für Gas oder Öl. Wirtschaftsminister Habeck (Grüne) will Umsteigern zwar durch eine Regelung bei der Strompreisbremse helfen, doch eine Dauerlösung ist das nicht. Er muss die Sanierung gerade der Häuser mit den schlechtesten Standards viel stärker ankurbeln als bisher. Sonst pumpt er nur den Stromverbrauch in die Höhe.

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