+
König Mswati III. mit  Ehefrau im Oktober 2019 bei einem Russland-Besuch.

Swasiland

Prunk zu Lasten der Bevölkerung

  • schließen

Swasilands extravaganter König Mswati III. treibt sein Land in den Ruin.

Der Umstand hätte eigentlich gar nicht bekannt werden dürfen, denn den Wagenpark seiner königlichen Hoheit Mswati III., des Herrschers über das afrikanische Bergkönigreich Swasiland, zu fotografieren, ist strengstens verboten. Da aber sämtliche Importe des Königreichs aufgrund seiner Binnenlage über das südafrikanische Nachbarland angekarrt werden müssen, gelang es einigen Südafrikanern, Bilder von zwei höchst ungewöhnlichen Konvois aufzunehmen.

Der erste bestand aus drei Sattelschleppern, die 15 nagelneue Rolls Royces geladen hatten; nur wenige Tage später rollten zwölf Lastwagen mit nicht weniger als 79 Karossen der Bayerischen Motorenwerke in Richtung Swasiland. Bei den BMW handelte es sich um allradgetriebene X3-Modelle, die hierzulande zu einem Preis von rund 40 000 Euro den Besitzer wechseln und Limousinen der 5-er Reihe, die fast das Doppelte kosten.

Die stattliche Anzahl der Automobile ist dem Umstand zu verdanken, dass der seit 33 Jahren herrschende Monarch über derzeit 13 Frauen sowie eine Mutter verfügt, die alle herrschaftlich chauffiert werden wollen.: Für Hofstaat und Herrscher sind die 15 rollenden Royces bestimmt. Dagegen dienen die bayerischen Jeeps und Limousinen als polizeiliche Begleitvehikel für die Konvois.

Die Aufwertung des Fuhrparks soll die Bevölkerung umgerechnet rund 90 Millionen Euro gekostet haben, rechneten proletarische Neider aus. Eine „völkermörderische Verschwendung“, tobte ein Sprecher der verbotenen Kommunistischen Partei des Landes.

Dazu sollte man wissen, dass die letzte absolutistische Monarchie Afrikas zu den ärmsten Ländern der Welt gehört: Fast zwei Drittel der 1,3 Millionen Swasiländer haben mit weniger als 1,25 US-Dollar am Tag auszukommen. Um den extravaganten Lebensstil des von Forbes auf ein Vermögen von 200 Millionen Dollar geschätzten Monarchen mit seinen zwei Privatflugzeugen, den zahllosen Luxuskarossen und königlichen Residenzen finanzieren zu können, schlittert Swasiland immer näher auf einen Staatsbankrott zu: Die Renten mussten eingefroren werden und trotz einer Inflationsrate von fünf Prozent wurden die Gehälter der öffentlichen Angestellten bereits vor vier Jahren eingefroren.

Die Proteste von Studenten und Staatsbedienstete gegen die Verarmung und die königliche Verschwendung in der vergangenen Woche wurden mit Gummigeschossen, Wasserwerfern und Tränengas auseinandergetrieben, zahlreiche Demonstranten landeten hinter Gittern. Ein „schamloser König“ zeige seinem Volk „den Mittelfinger“, entsetzte sich Wandile Dludlu, Generalsekretär der verbotenen Oppositionspartei Pudemo: „Uns bleibt nichts anderes übrig, als uns gegen dieses üble Regime zu erheben, das uns in ewiger Knechtschaft halten will.“ Bislang endete allerdings noch jede Protestwelle mit noch verstärkter Repression.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion