Vorsicht, Fallstrick: Die richtige Corona-Warn-App herunterladen
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Die App heißt „Corona-Warn-App“, als Herausgeber ist das Robert-Koch-Institut angegeben.

Corona-Virus

Zu 80 Prozent zuverlässig

  • Tim Szent-Ivanyi
    vonTim Szent-Ivanyi
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Wie funktioniert die neue Corona-Warn-App? Zehn Fakten, die Sie wissen müssen.

Download: Die App war in den Stunden nach der Veröffentlichung in den App-Stores von Google und Apple schwer zu finden. Inzwischen wird sie aber bereits nach dem Suchwort „Corona“ ganz oben angezeigt. Die App heißt „Corona-Warn-App“, als Herausgeber ist das Robert-Koch-Institut angegeben. Einen Link zum Download gibt es auch auf der offiziellen Seite der Regierung unter: www.corona-warn-app.de.

Standortübermittlung: Für Irritation bei vielen Nutzern sorgt, dass zumindest in bestimmten Versionen des Betriebssystems Android nicht nur Bluetooth eingeschaltet werden muss, sondern auch die Funktion „Standort verwenden“. Die Bundesregierung hatte versprochen, dass keine Standort- oder Bewegungsdaten erhoben würden, etwa über das in Smartphones eingebaute GPS-Modul für die Satellitenpositionsbestimmung. Nach Angaben von Experten nutzt die App tatsächlich keine Standortdaten, was im Quellcode nachweisbar sei. Die Funktion muss wegen einer Besonderheit des Android-Betriebssystems dennoch aktiviert werden, damit die Entfernungsmessung per Bluetooth richtig funktioniert.

Daten: Obwohl die App täglich Daten vom zentralen Server abruft, um Kontakte mit infizierten Personen herauszufinden, belastet das nicht das eigene Datenvolumen. Wie Telekom-Chef Timotheus Höttges ankündigte, haben sich die Netzbetreiber darauf geeinigt, dass dieser Datenaustausch für sämtliche Mobilfunkkunden kostenlos ist und nicht bei den individuellen Handyverträgen angerechnet wird. Experten sprechen vom „Zero-Rating“.

Zuverlässigkeit: Telekom und SAP haben angegeben, dass die verwendete Bluetoothtechnik zur Ermittlung des Abstands zwischen zwei Personen zu 80 Prozent genau arbeite. Das hätten Tests mit simulierten Szenerien ergeben – etwa eine Bahnfahrt oder Cocktailparty. In immerhin 20 Prozent der Fälle könnte die App aber fehlerhaft arbeiten: Sie registriert zum Beispiel einen Risikokontakt, der gar nicht bestanden hat (weil etwa eine Plexiglasscheibe zwischen den Personen war). Das löst lediglich unnötige Tests aus, ist aber ansonsten ungefährlich. Kritisch ist dagegen, wenn die App einen Risikokontakt „übersieht“. Auch das ist laut Telekom und SAP möglich.

Kinder: Zwar dürfen offiziell Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren die App nicht herunterladen. Das hat laut Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) aber nur mit den üblichen Kinderschutzregelungen zu tun. Die Regierung würde es begrüßen, wenn auch unter 16-Jährige die App verwenden – sofern es die Eltern erlauben. Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) regte an, dass Schulen ein bestehendes Handyverbot überdenken sollten.

Verwendung: Es kursiert die Information, dass die App nur dann Sinn ergebe, wenn sie von mindestens 60 Prozent der Bevölkerung benutzt würde. Diese Zahl stammt aus einer britischen Studie. Spahn stellte aber klar, dass in dieser Untersuchung davon ausgegangen wurde, dass eine derartige App die einzige Maßnahme zur Eindämmung des Virus ist – es also weder Maskenpflicht noch Abstandsregeln gibt.

Mitarbeit: Die Internetseite, auf der der Code der App veröffentlicht wurde, hatte laut Telekom und SAP bisher rund 100 000 Zugriffe. Es gab den Angaben zufolge etwa 1500 konkrete Hinweise zur Verbesserung des Programmcodes. Wie viele davon umgesetzt wurden, ist jedoch nicht bekannt.

Sprachen: Die App gibt es bisher nur auf Deutsch und Englisch. Türkisch soll folgen. Geplant sind darüber hinaus Versionen in Arabisch, Französisch und Russisch. Die Mitarbeiter der Hotline der Regierung (0800/7540001) sprechen Deutsch und Englisch.

Kosten: Die Entwicklung und Testung der App hat nach Angaben der Regierung 20 Millionen Euro gekostet – bezahlt aus Steuergeldern. Die Höhe erscheint angesichts des Aufwands und der Tatsache, dass bei der Umsetzung technisches Neuland betreten wurde, angemessen. Pro Monat entstehen weitere Kosten von bis zu 3,5 Millionen Euro, die überwiegend durch den Betrieb der Hotline verursacht werden.

Ausland: Die App kann bisher nicht im Ausland verwendet werden. Zwar nutzen weitere Länder den deutschen Ansatz einer dezentralen Lösung. Aber es gibt keine Schnittstellen für den Datenaustausch. Die Bundesregierung ist allerdings unter anderem mit der Schweiz und den Niederlanden im Gespräch, um ein „Roaming“ der App, also eine Verwendung außerhalb des Heimatlands, zu ermöglichen.

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