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Einen Eindruck über die derzeitige Situation im Irak gaben der IPPNW-Mitbegründer Ulrich Gottstein (links) und der Entwicklungsökonom Barik Schuber, ebenfalls IPPNW-Mitglied und Organisator der Kinderhilfe Irak, die das Frankfurter Bündnis gegen den Krieg unterstützen will. Beide übten scharfe Kritik am Vorgehen der Amerikaner im Nachkriegs-Irak.
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Einen Eindruck über die derzeitige Situation im Irak gaben der IPPNW-Mitbegründer Ulrich Gottstein (links) und der Entwicklungsökonom Barik Schuber, ebenfalls IPPNW-Mitglied und Organisator der Kinderhilfe Irak, die das Frankfurter Bündnis gegen den Krieg unterstützen will. Beide übten scharfe Kritik am Vorgehen der Amerikaner im Nachkriegs-Irak.

22 Prozent der Säuglinge müssen sterben

Deutsche Ärzte berichten auf Einladung des Bündnis gegen den Krieg von der Lage in den irakischen Städten

Von Ben Reichardt

Eher rhetorischer Natur war die von Ulrich Gottstein selbst gestellte Frage während seines Vortrages: "Haben wir mit unserem Widerstand gegen den Krieg richtig gehandelt?" Es sei sehr wohl richtig gewesen, weil viele aufgeklärte Iraker, mit denen er gesprochen habe, wüssten, dass der Angriffskrieg der USA illegal gewesen sei. "Unser Widerstand wird dort voll und dankbar anerkannt." Als "sehr gefährlich" schilderte Gottstein die Situation im Irak. Insbesondere auf der Straße zwischen der jordanischen Hauptstadt Amman, wo sein Hilfstransport gelandet sei und der irakischen Hauptstadt Bagdad würde es regelmäßig zu Überfällen kommen. "Schrecklicher Weise haben die Amerikaner einen Eroberungskrieg durchgeführt, aber sie haben nicht für Sicherheit gesorgt." Entsprechend unsicher sei deshalb auch nach wie vor die Situation in Bagdad. So habe er Waffen schwenkende junge Männer auf einem Markt anfangs für Wachen gehalten. Gehandelt habe es sich aber um Jugendliche, die dort Waffen verkauften.

In dieses Bild passt auch, dass die Ärzte in den geplünderten Krankenhäusern weiterhin unter sehr unsicheren Bedingungen arbeiten müssten, wenngleich mittlerweile Wachen vor den Krankenhäusern postiert seien. Probleme, die Hilfstransporte an die geeigneten Orte zu bringen, habe es keine gegeben, so der ehemalige Chefarzt am Bürgerhospital. Generell würden die Hilfsorganisationen in ihrer Arbeit nicht eingeschränkt. "Es gibt keine Not an Medikamenten in Bagdad." Anders sähe die Situation hingegen im Norden aus, wo die medizinische Versorgung bereits vor dem Krieg und auch jetzt noch unzureichend sei. Dies sei mit ein Grund, warum die Iraker allenfalls ironisch von den Amerikanern als "Our Liberators" (Unsere Befreier) reden würden.

Bissig begann auch der im Irak geborene Barik Schuber seinen Vortrag. "Wir wissen, dass Welten zwischen Osama bin Laden und Saddam Hussein liegen." Gemeinsam sei ihnen jedoch, dass sie einst beide Verbündete der Amerikaner waren. "Und zweitens laufen beide frei herum. Ob das ein Zufall ist, weiß ich nicht."

Der Entwicklungsökonom Schuber gehört ebenfalls der Frankfurter IPPNW-Gruppe an. Seit mehr als zehn Jahren organisiert die Gruppe eine "Kinderhilfe Irak" und liefert Nahrung, Medikamente und Verbandsstoffe in irakische Städte. Anhand verschiedener UN-Berichte zeichnete Schuber ein katastrophales Bild der dortigen Verhältnisse. So müssten rund 80 Prozent der an Leukämie erkrankten Kinder noch immer sterben. Rund die Hälfte aller Kinder unter fünf Jahren sei chronisch unterernährt und die Sterblichkeitsrate von Säuglingen habe sich auf 22 Prozent verdoppelt. Das Frankfurter Bündnis gegen den Krieg will die Arbeit der Kinderhilfe unterstützen.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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