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Afghanische Bauern bei der Ernte in einem Mohnfeld in der Nähe von Kandahar.
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Afghanische Bauern bei der Ernte in einem Mohnfeld in der Nähe von Kandahar.

Produktion reduziert

90 Prozent des Opiums aus Afghanistan

  • Christine Möllhoff
    VonChristine Möllhoff
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Verpatzte Wahlen, triumphierende Taliban und immer mehr tote Soldaten und Zivilisten - seit Wochen nur noch Hiobsbotschaften. Jetzt trösten sich die Vereinten Nationen mit dem Rückgang des Opium-Anbaus. Von Christine Möllhoff

Verpatzte Wahlen, triumphierende Taliban und immer mehr tote Soldaten und Zivilisten - seit Wochen kommen aus Afghanistan nur noch Hiobsbotschaften. Am Mittwoch, rechtzeitig vor einem Krisentreffen, warteten die Vereinten Nationen zumindest mit einem Lichtblick auf: Zum zweiten Mal in Folge wurde 2009 weniger Opium angebaut.

Die UN-Agentur für Drogen und Kriminalität (UNODC) sprach von einem signifikanten Rückgang. Der Erfolg relativiert sich allerdings bei genaueren Hinsehen: Nach einer jahrelangen Opiumschwemme und massiver Überproduktion sind die Weltpreise auf den tiefsten Stand seit Ende der 90er Jahre gefallen. Viele Bauern haben offenbar 2009 den Mohnanbau gedrosselt und auf andere Produkte umgestellt.

Der Rückgang hält sich zudem in Grenzen: Zwar sank der Anbau um 22 Prozent, die Produktion aber nur um zehn Prozent. Die Bauern gewinnen also mehr Opium aus der gleichen Fläche, sie produzieren deutlich effizienter.

Weiter kommen 90 Prozent des Welt-Opiums aus Afghanistan. Laut UNODC-Bericht wurden allein in diesem Jahr noch immer 6900 Tonnen am Hindukusch produziert. Das sind fast 2000 Tonnen mehr als weltweit konsumiert werden. So liegt der Weltverbrauch bei 5000 Tonnen.

UNODC-Direktor Antonio Mario Costa geht davon aus, dass Drogenkartelle und Taliban über 10 000 Tonnen Opium gebunkert haben, damit die Preise nicht weiter verfallen. Die riesigen Vorräte in Händen von Terroristen und Kriminellen seien eine "Zeitbombe", warnte er eindringlich. Man müsse die Lager aufspüren.

Laut UNODC gelten heute 20 der 34 Provinzen als weitgehend "mohnfrei". Den größten Rückgang gab es in der südlichen Provinz Helmand, wo der Anbau um 33 Prozent einbrach. Helmand gilt als Taliban- und Drogenhochburg. Von dort kommen 60 Prozent der Opiummenge Afghanistans. Neben dem Preisverfall sei der Rückgang auch härterer Strafverfolgung und Alternativ-Ansätzen zu verdanken, erklärte Costa. So ließen die Briten Getreidesamen an die Bauern verteilen, um ihnen eine Alternative zu beiten.

Der Drogensumpf gilt als eine der größten Gefahren für Afghanistan und speist wesentlich den Krieg. Allein 2009 wurde Opium im Wert von 438 Millionen Dollar produziert - vor der Nase der Nato. Das entspricht ungefähr vier Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Das Opium ist Geldquelle Nummer eins für die Taliban, die damit Waffen und Milizen bezahlen. Auch wird die Drogenmafia immer mehr zum heimlichen Herrscher.

Nach dem zweiten Rückgang in Folge sieht Costa Gründe für Zuversicht. "In einer Zeit des Pessimismus wegen der Lage in Afghanistan zeigen diese Ergebnisse, dass Fortschritt möglich ist." Der Westen braucht dringend Erfolgsmeldungen. Nicht nur in Deutschland, auch in den USA und Großbritannien sinkt der Rückhalt für den Krieg.

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