Donald Trump hofiert Neonazis

„Proud Boys“ feiern Donald Trumps „Marschbefehl“ - Amazon und eBay sperren „stand back stand by“-Merch

  • vonMirko Schmid
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Die „Proud Boys“ nehmen den „Marschbefehl“ von Donald Trump aus dem ersten TV-Duell auf und basteln ein neues Logo. Amazon und eBay reagieren.

  • Donald Trump will die rechtsradikale Organisation „Proud Boys“ plötzlich gar nicht kennen.
  • Die selbsternannten „westlichen Chauvinisten“ unterstützen den Präsidenten der USA seit 2016.
  • Trump News: Alle Infos zum 45. Mann im Weißen Haus.

Update vom 02.10.2020, 16:17 Uhr: Die rechtsextreme Gruppierung „Proud Boys“ ist elektrisiert, nachdem US-Präsident Donald Trump sie im TV-Duell gegen Joe Biden dazu aufgerufen hatte, sich „bereitzuhalten“. Sie nehmen den - wie ein Twitter-User schreibt - „Marschbefehl“ auf und versichern dem US-Präsidenten ihren Rückhalt.

Auf ihrem Telegram-Account veröffentlichten die „Proud Boys“ zwei Videos von Donald Trumps Antwort auf die Frage des Debatten-Moderators Chris Wallace. Eines davon trägt die Überschrift „Gott. Familie. Bruderschaft“ und zeigt einen Mann, der als Reaktion auf Trumps Antwort seinen Fernseher anheult wie ein Wolf, wie NBC berichtet.

„Proud Boys“ sind nach Donald Trumps Aufruf an sie „absolut überglücklich“, sie haben ihn lange herbeigesehnt

Megan Squire, eine Informatikprofessorin an der Elon University in North Carolina, die im Bereich Online-Extremismus forscht, bestätigt, dass Trumps „Befehl“ an die „Proud Boys“ ihre lang ersehnte „Fantasie“ erfülle.

„Zu sagen, dass die ‚Proud Boys‘ davon begeistert sind, ist eine Untertreibung“, erklärt Squire. „Sie waren bereits vor diesem Aufruf Pro-Trump, jetzt sind sie absolut überglücklich. Ihre Fantasie ist es, die Antifa zur Verteidigung Trumps zu bekämpfen. Jetzt hat er sie anscheinend nur gebeten, genau das zu tun.“

Die rechtsextremen „Proud Boys“ bauen Donald Trumps Worte in ihr Logo ein, Amazon nimmt Merch mit seinem „Marschbefehl“ aus dem Angebot

In kürzester Zeit entwarf die Gruppe ein neues Logo. Die Lorbeerkränze mit den Initialen „PB“ im Zentrum werden jetzt flankiert durch Trumps Worte „stand back, stand by“. Versandhändler Amazon hat die Produkte mit Trumps „Marschbefehl“ als Aufdruck bereits aus seinem Sortiment entfernt, und erhält dafür viel Zuspruch in den sozialen Medien.

Naturgemäß gibt es von Donald Trumps Fans massive Proteste. Viele sprechen von Zensur, ein Twitter-User schreibt, Amazon habe „immer noch keine Seele“. Amazon verweist auf seine Richtlinien, wonach beim Online-Versandhändler keine Einträge gelistet würden, die „Produkte enthalten, die Hass, Gewalt, rassistische, sexuelle oder religiöse Intoleranz fördern oder verherrlichen oder Organisationen mit solchen Ansichten fördern.“

eBay äußert sich ähnlich und erklärt in einem Statement: „eBay verbietet anstößige Materialien, die Hass, Gewalt oder rassistische, religiöse oder geschlechtsspezifische Intoleranz fördern oder verherrlichen. Wir gehen hart gegen jede Auflistung vor, die versucht, Hass und Diskriminierung zu verbreiten“

Donald Trump will rechte Gruppierung „Proud Boys“ gar nicht kennen

Update vom 01.10.2020, 04:49 Uhr: Mehrere Republikaner haben sich nach der Weigerung Donald Trumps, rechte Gruppierungen eindeutig zu verurteilen, vom US-Präsidenten distanziert. Trump seinerseits versuchte sich am Mittwoch in Schadensbegrenzung. „Ich weiß nicht, wer die Proud Boys sind“, sagte Trump mit Blick auf eine gleichnamige rechte Vereinigung, die am Vortag bei der TV-Debatte mit Herausforderer Joe Biden zum Thema geworden war. „Wer auch immer sie sind, sie müssen sich zurückhalten und die Strafverfolgungsbehörden ihre Arbeit machen lassen.“

Trump war während der TV-Debatte am Dienstag von Moderator Chris Wallace gefragt worden, ob er bereit wäre, Gruppen und Milizen zu verurteilen, zu deren Ansichten die Überlegenheit der Weißen (White Supremacy) gehört. Trump sagte daraufhin an die Adresse der Proud Boys, sie sollten sich zurückhalten und bereithalten („stand back and stand by“).

Senator Tim Scott: „Ich denke, er hat sich versprochen“

Der republikanische Senator Tim Scott forderte am Mittwoch Aufklärung. „Ich denke, er hat sich versprochen“, sagte Scott vor Journalisten in Washington. „Ich denke, er sollte es geraderücken. Wenn er es nicht korrigiert, hat er sich wohl nicht versprochen.“

Die Proud Boys: Posieren vor Schwarz-Weiß-Rot

Der führende Republikaner im US-Senat, Mitch McConnell, schloss sich Scott an. „Er (Scott) sagte, es sei inakzeptabel, White Supremacists nicht zu verurteilen, und deshalb tue ich das so entschieden wie möglich“» Senator Lindsey Graham, ebenfalls ein Verbündeter von Trump, erklärte auf Twitter, auch er finde, dass der Präsident klarstellen müsse, dass Proud Boys eine „rassistische Organisation sind, die im Gegensatz zu den amerikanischen Idealen steht“.

Donald Trump eiert rum

Trump wurde am Mittwoch im Garten des Weißen Hauses von einer Reporterin explizit gefragt, ob er White Supremacists verurteilt. Trump sagte: „Ich habe immer jede Form (...), jede Form von so etwas verurteilt.“ Den Begriff „White Supremacists“ nahm er nicht in den Mund. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany, schrieb auf Twitter, Trump hätte White Supremacy wiederholt verurteilt und dies auch am Mittwoch wieder getan.

Kritiker erinnern immer wieder an eine Äußerung von Trump infolge einer Demonstration von weißen Nationalisten und Neonazis in Charlottesville im Bundesstaat Virginia 2017. Dabei kam es zu Ausschreitungen, bei der ein Rechtsextremist eine Gegendemonstrantin tötete und zahlreiche weitere verletzte. Trump sagte damals, es habe auf beiden Seiten „sehr gute Menschen“ gegeben und löste damit ein Aufschrei der Empörung aus.

Donald Trump sieht das Problem bei einer „Antifa“

Trump machte am Mittwoch erneut deutlich, dass er das eigentliche Problem nicht auf Seite der Rechten, sondern auf Seite der Linken sieht. Er forderte seinen demokratischen Herausforderer Joe Biden auf, die Antifa zu verurteilen. „Antifa ist ein echtes Problem“, sagte Trump.

Die Proud Boys feierten Trumps Satz „haltet euch zurück und haltet euch bereit“ nach Medienberichten als Billigung durch den Präsidenten. Die US-Bürgerrechtsorganisation ADL stuft die Proud Boys als unkonventionelle Strömung im rechten amerikanischen Extremismus ein. Die Gruppe könne unter anderem als gewalttätig, nationalistisch und islamophob beschrieben werden, heißt es auf der Seite der ADL. Es sei bekannt, dass Mitglieder gewalttätige Taktiken anwenden. Mehrere Mitglieder seien wegen Gewaltverbrechen verurteilt worden. Die Anführer der Proud Boys weisen Rassismusvorwürfe zurück.

„Proud Boys“: Wer sind die Neonazis, die sich für Donald Trump bereithalten sollen?

Erstmeldung: Donald Trump distanziert sich nicht von Neonazis, sondern verliert sich in Ablenkungsmanövern. Diese vernichtende Meinung ist nach der ersten Debatte im Rahmen US-Präsidentschaftswahl 2020 in US-Medien und im Internet das bestimmende Thema. Von Debatten-Moderator Chris Wallace (Fox News) gefragt, was er der Neonazi-Gruppe „Proud Boys“ zu sagen habe, antwortete Donald Trump: „Macht einen Schritt zurück und haltet euch bereit“.

Die Donald-Trump-Fans der „Proud Boys“ wurden 2018 vom FBI als „extremistische Gruppe“ eingestuft

Zu Nachfragen kommt es nicht, da Trump direkt einen Schlenker zur eigenen politischen Nemesis macht: „Aber ich sage ihnen was. Die Antifa ist eine terroristische Organisation. Das ist ein Problem der linken Seite, nicht der rechten“. Soweit, so Trump. Doch wer sind diese „Proud Boys“ eigentlich?

Die „Proud Boys“ sind ein ultrarechter Männerclub, der sich im Vorfeld der US-Wahl 2016 gegründet hatte und Donald Trump bedingungslos unterstützt. Das FBI stufte die „Proud Boys“ 2018 als „extremistische Gruppe“ ein. Selbst bezeichnet sich die Gruppe als „westliche Chauvinisten, die sich weigern, sich für die Schaffung der Welt zu entschuldigen“.

„Proud Boys“-Gründer McInnes will kein Rassist sein, sieht aber „bestimmte Verhaltensmuster von Schwarzen“

Die „Hass-Hipster“ der „Proud Boys“ versuchen sich auf den ersten Blick vom Feindbild zu distanzieren, dass die US-Linke von der neuen Rechten zeichnet, die mit Präsident Donald Trump sympathisiert. Vielmehr geben sich die „Proud Boys“ mit Zweigstellen in den ganzen USA, Japan und Australien gebildet und urban. Damit heben sie sich vom klischeehaften „Redneck“ der Südstaaten ab, der seine rassistischen Ansichten offen zur Schau trägt.

Die „Proud Boys“: Sie lieben Donald Trump und sind rassistisch, paramilitärisch, bewaffnet und hasserfüllt.

Dass die „Proud Boys“ sich von geistesverwandten aber grobschlächtigeren Alt Right-Rassisten als „Alt Light“ bezeichnen lassen müssen, stört sie dabei wenig. Gründer Gavin McInnes weist so beispielsweise den Vorwurf von sich, Rassist zu sein. „Bestimmte Verhaltensmuster von Schwarzen“ möchte er dennoch ausgemacht haben. Auch gegen den Islam hat er nach eigener Aussage nichts, möchte aber nicht unerwähnt lassen, „dass in muslimischen Gemeinden ein überproportionales Maß an Intoleranz herrscht“.

Facebook und Instagram sperrten die „Proud Boys“ bereits 2019 wegen „Hassbotschaften“

Mit diesen „ich bin kein Rassist, aber“-Schablonen gibt er den Ton seiner Truppe vor. Unbemerkt blieb der Rassismus der Neonazis allerdings nicht, weswegen Facebook und Instagram sich gezwungen sahen, die Präsenzen der „Proud Boys“ im Juli 2019 zu sperren. Erst vor wenigen Tagen stellte die Modemarke Fred Perry die Produktion von Poloshirts ein, die sich bei den „Proud Boys“ besonderer Beliebtheit erfreuten. Auch Frauenrechte wie die #metoo-Bewegung sind ihnen zuwider und transportieren für die „Proud Boys“ schlicht „Mikro-Aggressionen“.

Konsequenterweise lebt die immer weiter wachsende und laut Forbes Magazine inzwischen schätzungsweise 20.000 Anhänger umfassende Bewegung ihr Recht darauf, „echte Männer“ zu sein, auch als Schlägertrupps bei politischen Kundgebungen und Events aus, zu deren Anlass sie sich mit Neonazi-Gruppen verbünden. Auch deswegen schätzt die Watch-Dog Organisation Southern Poverty Law Center die „Proud Boys“ als Hassgruppe ein.

Nun also soll sich die Neonazi-Schlägertruppe laut Donald Trump erst einmal zurück- aber auch bereithalten. Wozu sie sich die „Proud Boys“ bereithalten sollen, sagte Trump nicht. (Von Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © Michael Nigro via www.imago-images.de

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