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Neonazis lieben „Fred Perry“: Modemarke reagiert und stellt wegen Proud Boys Verkauf von Shirts ein

  • Christian Stör
    vonChristian Stör
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Die Modemarke Fred Perry distanziert sich von den faschistischen Proud Boys und zieht drastische Konsequenzen.

  • Die Mitglieder der Proud Boys tragen am liebsten Poloshirts der Modemarke Fred Perry
  • Kurz vor der Präsidentschaftswahl in den USA ergreift Fred Perry nun rigorose Maßnahmen
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Kleider machen Leute. Auch Neonazis wissen, dass die Wirkung einer Person von den Klamotten abhängt. Vielleicht ist das ja der Grund, warum die Proud Boys schon seit längerer Zeit am liebsten mit einem ganz bestimmten Poloshirt der Modemarke Fred Perry herumlaufen.

USA: Fred Perry setzt sich gegen die Proud Boys zur Wehr

Das war auch am vergangenen Samstag (26.09.2020) wieder der Fall. Hunderte „Stolze Jungs“ zogen schwer bewaffnet durch das demokratisch regierte Portland im US-Bundesstaat Oregon, um gegen den „innerstaatlichen Terrorismus“ zu demonstrieren. Gemeint waren damit die Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus.

Die Modemarke Fred Perry war davon wenig begeistert. Jedenfalls sah sich die Firma jetzt veranlasst, sich von der rechtsextremen US-Organisation zu distanzieren. „Fred Perry unterstützt die Proud Boys nicht und ist in keiner Weise mit ihnen verbunden“, heißt es in einer Erklärung der Modemarke. Es sei „unglaublich frustrierend“, dass das schwarz-gelbe Poloshirt und das berühmte Lorbeerkranz-Logo in Nordamerika nun „eine neue und ganz andere Bedeutung erhält“.

Die Proud Boys lieben es gelb und schwarz.

Mitglieder der Proud Boys tragen Poloshirts von Fred Perry

Was also tun? Die Modemarke, die 1952 vom früheren Wimbledon-Sieger Fred Perry gegründet wurde, hat sich dazu entschlossen, das Poloshirt in den USA und Kanada fortan nicht mehr zu verkaufen – zumindest solange, bis „die Verbindung mit den Proud Boys verschwunden“ sei. Immer wieder in der Vergangenheit seien die Shirts von zahlreichen Menschen verschiedenster Ethnien getragen worden: „Wir sind stolz auf diesen Stammbaum und darauf, was der Lorbeerkranz in den vergangenen 65 Jahren repräsentiert hat: Inklusion, Diversität und Unabhängigkeit.“

Dieses Bild passt in der Tat nicht zu der ultrarechten Organisation, die 2016 im Vorfeld der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten gegründet und 2018 vom FBI als „extremistische Gruppe“ eingestuft wurde. Die Proud Boys selbst sehen sich als „westliche Chauvinisten, die sich weigern, sich für die Schaffung der modernen Welt zu entschuldigen.“

Polizei löst Pro-Trump-Demo der Proud Boys in Portland auf

Die Proud Boys stehen seit längerem auf mehreren Ebenen in der Kritik. Im vergangenen Jahr sperrten die Facebook und Instagram Seiten der Proud Boys.

Auch in Portland stießen die ultrarechten Männer auf Gegenwehr. Die Polizei löste die Pro-Trump-Demo der Proud Boys schließlich auf, beschlagnahmte Schusswaffen und verhaftete vier Menschen. Immerhin kamen weit weniger „Stolze Jungs“ als ursprünglich erwartet. Darüber dürfte sich auch Fred Perry gefreut haben. (Von Christian Stör)

Rubriklistenbild: © Stephanie Keith via www.imago-images.de

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