Mitten in den Krawallen in London zeigt ein Demonstrant, was Antirassimus auch bedeutet, und trägt seinen Gegner in Sicherheit.
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Mitten in den Krawallen in London zeigt ein Demonstrant, was Antirassimus auch bedeutet, und trägt seinen Gegner in Sicherheit.

Rassismus

London: Schwarzer Aktivist rettet rechten Gegendemonstranten - der war früher Polizist

  • Sebastian Borger
    vonSebastian Borger
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  • Kerstin Kesselgruber
    Kerstin Kesselgruber
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Ein bemerkenswerter Anblick: In London hilft ein Aktivist einem verletzten rechten Gegendemonstranten. Der ist Fan des FC Millwall und war früher Polizist.

  • Black-Lives-Matter-Demonstration in London gegen Rassismus
  • Randale von rechten Demonstranten in Englands Hauptstadt
  • Schwarzer Aktivist rettet einen Rechtsradikalen aus einer Schlägerei

Update vom Donnerstag, 18. Juni 2020, 21:15 Uhr: Der rechtsradikale Demonstrant, den ein schwarzer Aktivist bei den „Black Lives Matter-Protesten in London aus der Menge getragen hat, ist überzeugter Fan des Londoner Fußballclubs FC Millwall, war bereits mehrfach an Hooligan-Aktionen beteiligt - und ist ein ehemaliger Polizist.

Black Lives Matter in London: Rechter Gegendemonstrant wird von Aktivist gerettet

Wie der britische Guardian berichtet, handelt es sich bei dem geretteten Demonstranten um Bryn Male, einen 55 Jahre alten Großvater. Male war einer von hunderten Rechtsradikalen, die sich am Samstag in London versammelten und linke Aktivisten und die Polizei angriffen.

Gerettet wurde Male von Patrick Hutchison, 49 Jahre alt und ebenfalls bereits Großvater. Hutchison arbeitet als Personal-Trainer und in einer Sicherheitsfirma.

Randale in London: Schwarzer Aktivist rettet rechten Gegendemonstranten

Update vom Montag, 15.06.2020, 11.34 Uhr: In London hat ein Aktivist der Black-Lives-Matter-Bewegung nach Auseinandersetzungen einem verletzten rechten Gegendemonstranten geholfen. Fotos, auf denen zu sehen ist, wie der Schwarze Patrick Hutchinson dem weißen Demonstranten zur Hilfe kommt, gingen am Wochenende viral.

In London war es am Samstag (13.06.2020) zu heftigen Zusammenstößen zwischen schwarzen Aktivisten und rechtsradikalen Gruppierungen gekommen. Der mutmaßlich rechte Gegendemonstrant ging zu Boden. Zusammen mit mehreren Freunden schritt Patrick Hutchinson ein, hob ihn hoch und trug ihn in Richtung der Polizei, berichtet „The Guardian“. 

Im Interview mit dem britischen TV-Sender „Channel 4 News“ erzählt Patrick Hutchinson später, wie dramatisch er die Situation wahrgenommen hat. „Sein Leben war in Gefahr“, sagte Hutchinson. Deshalb habe er den Mann in Sicherheit gebracht.

Er rief zum Einschreiten bei Gewalttaten auf: George Floyd könnte noch am Leben sein, wenn die anderen Polizisten am Tatort ihren Kollegen gestoppt hätten, sagte Hutchinson.

Rechtsradikale Randale in London – Polizei nimmt mehr als 100 Menschen fest

Erstmeldung vom Sonntag, 14.06.2020, 17.31 Uhr: London – Gewalttätige Ausschreitungen auf den Straßen, schwere Versäumnisse im Kampf gegen das Coronavirus, Unklarheit über die geltenden Bestimmungen im Lockdown – die konservative Regierung des britischen Premier Boris Johnson stand nach einem schwierigen Wochenende unter Druck aus der eigenen Partei, von Opposition und Medien. Am Samstag (13.06.2020) nahm die Polizei mehr als 100 Rechtsradikale fest, die im Zentrum Londons randaliert hatten. Führende konservative Hinterbänkler und Kommentatoren befürchten, Johnson habe die Lage auf der Insel „nicht richtig im Griff“.

Am Tag danach zeugten nur noch die Metallkäfige um drei Statuen am Parliament Square von den blutigen Auseinandersetzungen, bei denen sechs Polizisten verletzt wurden. Die Rechtsradikalen, organisiert in winzigen Splitterparteien und mobilisiert über die sozialen Medien, begründeten ihre Randale mit Empörung über die jüngsten Angriffe auf Denkmäler in diversen britischen Städten.

Vor Wochenfrist hatten Aktivisten im westenglischen Bristol die Statue des Sklavenhändlers Edward Colston (1636-1721) vom Podest in der Stadtmitte gezerrt und im Hafen versenkt. Am Rande einer Kundgebung in London versuchten Protestierer vergeblich, eine britische Fahne vor dem Kriegerdenkmal Cenotaph anzuzünden. Auf dem Parliament Square erhielt die Statue von Kriegspremier Winston Churchill den Graffitizusatz „was a racist“ (war ein Rassist).

Wie ein Hooliganausflug: Rechtsradikale randalieren in London

Selbst Premierminister und Churchill-Biograf Boris Johnson räumt ein, sein Vorgänger habe Meinungen vertreten, „die wir heute für inakzeptabel halten“. Egal – weiße Wutbürger nahmen die weitverbreitete Empörung zum Anlass für ihre Kundgebungen. „Wir haben nur eine Mission: Wir wollen linksradikale Rowdys daran hindern, unsere Denkmäler niederzureißen“, sagte Paul Golding von der Rassistengruppe „Britain First“.

Die Zusammenrottung ähnelte über weite Strecken einem Hooliganausflug: Bereits mittags stark angetrunkene, weiße Männer skandierten „England“ und grölten „Rule Britannia“; einige zeigten den Hitlergruß. Im Vorfeld der Demonstration hatte die Londoner Stadtverwaltung nicht nur Churchills Statue in einen Metallkäfig gekleidet; geschützt wurden auch Denkmäler für den indischen Unabhängigkeitskämpfer Mahatma Gandhi sowie für Südafrikas ersten schwarzen Präsidenten Nelson Mandela, gegen die sich die Wut der Rechtsradikalen hätte richten können.

Black Lives Matter in Großbritannien: Boris Johnson in der Kritik

Die britischen Medien von rechts („The Spectator“) bis links („New Statesman“) machen Johnsons Regierung Vorhaltungen: „Könnte besser laufen“, lautet der Tenor. Die Kritik entzündete sich zuletzt vor allem an den Regeln für soziale Distanz, die auf der Insel, anders als auf dem Kontinent, einen Abstand von zwei Metern vorsehen. Das mache die Lage für Einzelhändler, die an diesem Montag wieder öffnen dürfen, beinahe unmöglich, argumentiert der walisische Tory-Abgeordnete David James.

Schockierend fanden selbst Johnson-treue Medien das Eingeständnis, dass die meisten Kinder und Jugendlichen in diesem Schuljahr überhaupt nicht mehr in ihre Schulen zurückkehren können. Natürlich sei das politische Wetter extrem schwierig, analysiert Paul Goodman von der Website Conservative Home. „Aber Johnson wirkt, als habe er das Regierungsschiff nicht richtig unter Kontrolle.“

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