Joshua Wong in Berlin.

Hongkong

Der unbeirrte Herr Wong

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Ein Veteran der Protestbewegungen von Hongkong wirbt in Berlin um Hilfe für seine Heimat. Was Chinas Berliner Botschaft sofort zum Gegenschlag verleitet.

Schmal, grauer Anzug, Nickelbrille – so sieht einer aus, vor dem China Angst hat: 22 Jahre alt und schon ein Veteran der Proteste in seiner Heimatstadt Hongkong. Joshua Wong hat am Mittwoch in der Berliner Bundespressekonferenz um Unterstützung für seine Stadt geworben: ruhig und klar, völlig unbeirrt. Er prangerte die „exzessive Gewalt der Polizei“ an, forderte die Weltgemeinschaft auf, diese Übergriffe zu verurteilen. Und Deutschland solle sofort den Export für Polizeiausrüstung nach Hongkong stoppen. Er warnte: „China hält sich nicht an Regeln und internationale Verträge.“ Das ging auch an die Adresse der Europäer, die Chinas Investitionen begrüßen.

Wong, Generalsekretär der Protestbewegung Demosisto und Gegner Pekings, seit er 15 ist, wirbt in aller Welt um Hilfe. Die erste Station war ausgerechnet Taiwan, was die kommunistischen Führer arg verärgerte: Kurz vor der Abreise nach Deutschland wurde er kurzzeitig festgenommen. An diesem Donnerstag fliegt er von Berlin weiter nach Washington, wo die einflussreichsten Unterstützer Hongkongs sitzen. Treffen mit mehreren Kongressabgeordneten sind geplant.

Und was wünschte er sich noch in Berlin? Symbolik. „Hongkong ist das neue Berlin in einem neuen Kalten Krieg“, sagte Wong immer wieder. „Vor 30 Jahren fiel hier die Mauer. Bald könnte auch die Mauer fallen, mit der China seine Bürger von freien Informationen abhält.“ Er spielte damit auf die virtuelle „Great Chinese Firewall“an, mittels der Peking unter anderem westliche Suchmaschinen blockiert.

All das ärgert die Volksrepublik so sehr, dass ihr Botschafter in Berlin am Mittwochnachmittag selbst zur Pressekonferenz lud – sehr ungewöhnlich für die sonst verschwiegenen Diplomaten. Wu Ken sprach von „illegalen Versammlungen“ in Hongkong, von „Radikalisten, die unter dem Vorwand der Demokratie gegen Rechtsstaatlichkeit und Ordnung vorgehen“. Wu drohte unverhohlen mit der Möglichkeit einer Intervention: „Wenn die Lage weiter eskaliert und außer Kontrolle geraten sollte, wird die Zentralregierung nicht tatenlos zusehen.“

China hatte von der Bundesregierung verlangt, Wong nicht einreisen zu lassen. Sie sieht ihn als „Drahtzieher hinter den Gewalttaten gegen die Polizei“. Ihn auch noch zu hofieren – es gab ein Treffen zwischen ihm und Außenminister Heiko Maas –, werde „sehr negative Folgen“ für die gegenseitigen Beziehungen haben, drohte Wu Ken. Woraufhin er ins Außenministerium einbestellt wurde.

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