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Protest in Kolumbien
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Anti-Regierungs-Protest in Bogota am 15. Mai 2021.

Menschenrechte

Kolumbien: Welle der Entrüstung nach Polizeigewalt – Proteste eskalieren

  • Klaus Ehringfeld
    VonKlaus Ehringfeld
    schließen

Der Suizid einer 17-jährigen Frau nach Polizeigewalt heizt den Widerstand in Kolumbien weiter an.

Allison Meléndez verließ am späten Donnerstagnachmittag ihr Elternhaus in Popayán, um einen Freund zu besuchen. Kurz danach geriet die 17-Jährige nach eigenen Worten in der südwestlichen kolumbianischen Stadt in die Demonstrationen im Rahmen eines neuen Generalstreiks. Ein Video zeigt, wie vier Polizisten die junge Frau packen und sie an Händen und Füßen forttragen. Meléndez wehrt sich und strampelt, weil ihr die Beamten fast die Hose ausziehen. „Ihr Idioten seid zu viert gegen eine Frau“, ruft sie.

Stunden später holt die Großmutter sie vom Polizeirevier ab, die 17-Jährige ist offensichtlich völlig verstört und voller blauer Flecke. Sofort veröffentlicht Allison Meléndez eine Nachricht in den sozialen Netzwerken, sie sei von den Polizisten geschlagen und sexuell misshandelt worden. Am nächsten Morgen nimmt sie sich das Leben. Es ist ein neuer trauriger Höhepunkt in den seit knapp drei Wochen anhaltenden Protesten der Kolumbianer gegen ihre Regierung.

Polizeigewalt in Kolumbien: Proteste eskalieren

Was dann am Freitag in der Hauptstadt des südkolumbianischen Departements Cauca folgte, war eine Welle der Entrüstung und Wut, zunächst vor allem von Frauenrechtsorganisationen getragen: „In Kolumbien werden die Menschenrechte vom Staat immer wieder verletzt, vor allem Frauen sind in Gefahr, wenn sie auf die Straße gehen, um ein besseres Land und ein Land mit Garantien zu verlangen“, sagt die Aktivistin Elizabeth Yangana der FR. „Wir verlangen von der Polizei, dass sie sich für die Gewalt gegen Allison verantwortet.“ Im Laufe des Freitags schlossen sich immer mehr Menschen, vor allem auch Jugendliche, den Protesten in Popayán an.

LandKolumbien
HauptstadtBogotá
Bevölkerung50,34 Millionen (2019)
PräsidentIván Duque
WährungKolumbianischer Peso

Es kam zu Ausschreitungen zwischen Protestierenden und der gefürchteten Antiaufstandseinheit Esmad. Diese fuhr mit gepanzerten Fahrzeugen in eine Gruppe junger Menschen. Mit Blendgranaten tötete ein Esmad-Polizist im Lauf der Zusammenstöße einen 22-Jährigen, woraufhin die Situation eskalierte und Protestierende mit Molotowcocktails die Rechtsmedizin und ein Polizeirevier in Brand setzten. Bis tief in die Nacht kam es zu Scharmützeln. Die Proteste gehen unvermindert weiter, am Samstag legte ein weiterer Generalstreik die Hauptstadt Bogotá lahm.

Mit den beiden Opfern aus Popayán sind es mindestens 45 Menschen, die seit dem 28. April bei den landesweiten Protesten ums Leben kamen. Fast einhundert gelten als verschwunden und sind mutmaßlich von der Polizei verschleppt worden.

Kolumbien: Ende der Polizeigewalt und Einhaltung der Menschenrechte gefordert

Internationale Organisationen und europäische Staaten fordern das Ende der Polizeigewalt und die Wahrung der Menschenrechte. Präsident Iván Duque schickte Verteidigungsminister Diego Molano und Innenminister Daniel Palacios nach Popayán, um die Wogen zu glätten. Molano ist allerdings nicht der beste Friedensstifter. Erst kürzlich bezeichnete er die Jugendlichen als Terroristen: „Wir gehen mit Schlagkraft vor, um die Kontrolle zurückzubekommen und diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen, die für die Akte des Vandalismus verantwortlich sind, unter denen die Bevölkerung leidet.“

Innenminister Palacios machte am Samstag kriminelle Banden und linke Guerilleros für die Attacken auf die Rechtsmedizin und die Polizei verantwortlich, zumal auch mehr als ein Dutzend Gewehre entwendet wurden. „Es waren keine friedlichen Demonstranten, die 14 Gewehre, Munition und beschlagnahmtes Marihuana entwendeten.“

Die Proteste begannen Ende April gegen eine geplante Steuerreform inmitten der Pandemie. Die Reform ist seit zwei Wochen begraben, aber vor allem junge Kolumbianer:innen fordern mittlerweile „ein anderes Land“; die Gewerkschaften sowie Organisationen der Zivilgesellschaft verlangen den Rücktritt des Staatschefs. Es geht den Menschen um das neoliberale Wirtschaftsprojekt und Duques Widerstand gegen das historische Friedensabkommen mit der Linksguerilla Farc von 2016. Duque verlor in den vergangenen Tagen nach seinem Finanzminister Alberto Carrasquilla auch Außenministerin Claudia Blum. Sie trat wegen der anhaltenden internationalen Kritik an der gewaltsamen Unterdrückung der Proteste zurück.

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