Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) auf der Berlinale: Sie appelliert an die Produktionsfirmen.
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Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) auf der Berlinale: Sie appelliert an die Produktionsfirmen.

Ungleiche Löhne

Proteste bei der Berlinale

  • Melanie Reinsch
    vonMelanie Reinsch
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Zwischen der Bezahlung von Männern und Frauen aus der Filmbranche klafft eine Lücke von 22 Prozent. Der Gesetzentwurf, der das ändern soll, wird am Mittwoch im Bundestag debattiert.

Vor einigen Jahren bekam die Schauspielerin Jacqueline Macaulay ein Gefühl dafür, was mit der Lohnlücke zwischen Männern und Frauen gemeint ist: „Eine junge Schauspielerin wollte sich einer Geschlechtsangleichung unterziehen, weil sie sich im falschen Körper fühlte. Sie erzählte dem Intendanten, dass sie nach dem Sommer als Mann wiederkommen würde und deswegen kündigen muss“, erzählt die 49-Jährige am Dienstagabend bei einer gemeinsamen Veranstaltung des Familienministeriums und des Bundesverbands Schauspiel (BFFS). Der Intendant wollte, dass sie weiter spielte. „Aber prompt bekam der Mann nach dieser Geschlechtsumwandlung eine ordentliche Gehaltserhöhung“, sagt Macaulay.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes beträgt die Lohnlücke in der Branche Kunst, Unterhaltung und Erholung in Deutschland 22 Prozent – und ist damit noch höher als im Durchschnitt in Deutschland. Dort liegt der sogenannte Gender Pay Gap bei 21 Prozent. Auch wenn man strukturelle Faktoren wie zum Beispiel Erwerbsunterbrechungen oder Verdienstunterschiede abzieht, liegt der bundesweite Abstand zwischen Frauen und Männern noch bei etwa sieben Prozent.

Protest bei der Berlinale

Anlässlich der Berlinale hatten sich mehrere Schauspieler wie Ann-Kathrin Kramer, Harald Krassnitzer, Jacqueline Macaulay, Hans-Werner Meyer und Julia Beerhold daher für mehr Lohngerechtigkeit im deutschsprachigen Film- und Fernsehbereich ausgesprochen. Wie verhärtet die Fronten sind, zeigt sich auch an dem Beispiel der ZDF-Journalistin Birte Meier. Sie hatte geklagt, weil sie deutlich schlechter bezahlt wurde als ihre männlichen Kollegen, obwohl sie die gleiche Arbeit verrichtete – und vor dem Berliner Arbeitsgericht verloren.

„Frauen haben weniger Drehtage und bekommen eine niedrigere Gage. So potenzieren sich die Gehaltsunterschiede. Wir wünschen uns auch, dass wir auch vor der Kamera paritätisch besetzt sind, und zwar weder als Lustobjekte noch als Deko“, sagte Schauspielerin Julia Beerhold vom BFFS-Vorstand. Der BFFS fordert deswegen auch ein Monitoring seitens der Sender und Förderanstalten, um Gerechtigkeit bei Präsenz und Vergütung von Schauspielerinnen zu erreichen. Damit will der Verband die andauernde Ungleichbehandlung besser belegen können, da bisher greifbare Zahlen nicht in ausreichendem Umfang vorliegen.

Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) appellierte an Sender und Produktionsfirmen, sich für eine gerechte Vergütung einzusetzen. Schauspielerinnen und Schauspieler erlebten hinter den Kulissen keine gleichberechtigte Arbeitswelt. „Mit dem Gesetzesentwurf zur Förderung der Transparenz in Entgeltstrukturen brechen wir ein Tabu und sprechen über gerechte Bezahlung“, sagte Schwesig.

Das Gesetz wurde Anfang Januar im Kabinett beschlossen und wird am Donnerstag im Bundestag in erster Lesung debattiert. Es sieht unter anderem vor, dass Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten ihren Mitarbeitern erläutern müssen, nach welchen Kriterien sie bezahlt werden. Die CDU habe jedoch schon angedroht, dass sie dem Gesetz so nicht zustimmen wolle, sagte Schwesig. Der Koalitionspartner hatte von Beginn an gefordert, die Auskunftspflicht nur für Betriebe ab 500 Beschäftigen gelten zu lassen.

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