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Wegen der Proteste gegen Studiengebühren ist die Witwatersrand-Universität in Johannesburg zeitweilig geschlossen.
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Wegen der Proteste gegen Studiengebühren ist die Witwatersrand-Universität in Johannesburg zeitweilig geschlossen.

Südafrika

Protest gegen weiße Professoren

  • Johannes Dieterich
    vonJohannes Dieterich
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Gewalttätige Studentenstreiks erschüttern Südafrikas Hochschulsystem. Studierende sprengen Veranstaltungen, zünden Gebäude an und liefern sich blutige Zusammenstöße mit der Polizei.

Als ob eine stagnierende Wirtschaft, eine zerstrittene Regierungspartei und ein der Korruption bezichtigter Präsident noch nicht genug wären: Nun wird Südafrika auch noch von einem gewalttätigen Studentenstreik heimgesucht. Fast alle elf großen Universitäten des Landes haben inzwischen den Lehrbetrieb eingestellt, nachdem Studierende Veranstaltungen sprengten, Gebäude anzündeten und sich teilweise blutige Zusammenstöße mit der Polizei und privaten Sicherheitskräften lieferten. Der angerichtete Schaden soll sich bereits auf umgerechnet rund 50 Millionen Euro belaufen. Präsident Jacob Zuma forderte den Polizei- und Justizminister des Landes auf, dem „Chaos“ in den Bildungseinrichtungen ein Ende zu bereiten.

Die Universitäten befänden sich kurz vor einem katastrophalen Kollaps, warnte der Rektor der Johannesburger Witwatersrand-Universität, Adam Habib. Könnten die Hochschulen in den nächsten Tagen ihren Betrieb nicht wieder aufnehmen, müssten Jahresabschlussprüfungen und Examen aufs kommende Jahr verschoben werden. In diesem Fall könnten die Hochschulen aus Kapazitätsgründen keine neuen Studenten aufnehmen. Außerdem müsste Südafrika auf Tausende von jungen Ärzten oder Lehrer verzichten, mit denen im Gesundheits- oder Bildungsbereich bereits gerechnet werde. „Das ganze System droht zusammen zu brechen“, warnte Habib.

Ausgelöst wurde der Streik von der Forderung der Studenten nach Abschaffung der Studiengebühren – was der regierende Afrikanische Nationalkongress (ANC) bereits wiederholt in Aussicht gestellt hatte. Hochschulminister Blade Nzimande, gleichzeitig Generalsekretär der Kommunistischen Partei, beteuert indessen, dass eine kostenlose Universitätsausbildung „niemals Politik der Regierung“ gewesen sei.

Schon im vergangenen Jahr war es zu landesweiten Protesten gekommen, nachdem die Hochschulen ihre Gebühren der Inflation von rund sieben Prozent anpassen wollten. Nach wochenlangen Streiks hatte Präsident Zuma ein Moratorium für die Gebühren verfügt – ohne allerdings dafür zu sorgen, dass die Universitäten für die ausbleibenden Einnahmen aus dem Staatsbudget vergütet wurden.

Für dieses Jahr glaubte Hochschulminister Nzimande einen Kompromiss gefunden zu haben, der die Universitäten zu einer Erhöhung ihrer Gebühren um acht Prozent ermächtigt: Allerdings nur für Studenten aus wohlhabenden Familien. Akademiker aus armen Verhältnissen sollten von der Gebührenanpassung ausgenommen werden. Der Kompromiss wurde zumindest von einem Teil der Studenten nicht akzeptiert – die Proteste gingen weiter.

Während die Aktionen der Studierenden im vergangenen Jahr in der Öffentlichkeit überwiegend auf Verständnis stießen, ist die Reaktion dieses Mal gespalten. Die Regierung sucht die anhaltende Krise „Krawallmachern“ anzulasten, die den oppositionellen „Economic Freedom Fighter“ (EFF) nahe stünden. Die Partei wurde vor drei Jahren von dem aus dem ANC ausgeschlossenen Populisten Julius Malema gegründet und fordert die Verstaatlichung von Bergwerken und Banken sowie die entschädigungslose Enteignung weißer Farmer.

Die EFF ist vor allem unter jungen Schwarzen populär, die von der Transformation der südafrikanischen Gesellschaft bitter enttäuscht sind. Im vergangenen Jahr richteten sich die Proteste auch gegen Relikte aus der Apartheid- und Kolonialzeit, die in den Universitäten noch immer präsent waren – wie das Standbild des britischen Kolonialisten Cecil Rhodes in der Universität von Kapstadt. Dieses wurde inzwischen abmontiert. Die Unzufriedenheit der mehrheitlich dunkelhäutigen Studierendenschaft richtet sich auch gegen die noch immer überwiegend weiße Professorenschaft. Die Universitäten müssten „dekolonialisiert“ werden, lautet die Forderung: Ein Appell, dem sich auch viele – vor allem schwarze – Hochschullehrer anschlossen.

Privatschulen für Reiche

Schulausbildung ist in Südafrika bis zum Abitur frei – allerdings nur in Staatsschulen, deren Niveau als minderwertig gilt. Wohlhabende Südafrikaner schicken ihre Kinder in Privatschulen, die jährlich bis zu 10 000 Euro kosten. Dagegen sind Hochschulen fast preiswert: Der teuerste Studiengang an der renommiertesten Hochschule – Humanmedizin an der Universität von Kapstadt – kostet im ersten Jahr knapp 5000 Euro. Da diese Summe jedoch dem durchschnittlichen Einkommen schwarzer Südafrikaner entspricht, ist sie für diese unerschwinglich. Die meisten dunkelhäutigen Studenten sind deshalb auf Stipendien oder Jobs während des Studiums angewiesen.

Zumindest theoretisch können sie auch in den Genuss staatlicher Kredite kommen, die nach Ergreifen eines Berufs zurückzuzahlen sind. Dieses Programm ist allerdings praktisch bankrott, weil zu viele nach dem Studium keinen Job erhalten oder den Kredit aus anderen Gründen nicht zurückzahlen wollen oder können.

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