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Ein buntes Bündnis aus Organisationen hatte dazu aufgerufen, sich dem Al-Kuds-Marsch entgegenzustellen.

Al-Kuds-Marsch

Protest gegen Israelfeinde in Berlin

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Mehr als 1000 Menschen beteiligen sich an Demonstrationen gegen den Al-Kuds-Marsch in Berlin.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung ließ am Samstag keinen Zweifel daran, was er für angezeigt hält. „Der Kampf gegen Antisemitismus ist eine Bürgerpflicht“, sagte Felix Klein auf Anfrage. „Wir dürfen nicht hinnehmen, dass in unerträglicher Weise gegen Israel und gegen Juden gehetzt wird. Wir müssen uns ganz klar dagegen wenden.“

Grund gab es dafür an diesem Tag genug. Auf dem Berliner Kurfürstendamm hatten sich knapp 1000 Menschen eingefunden, um sich am Al-Kuds-Marsch zu beteiligen, darunter zahlreiche Vertreter palästinensischer Organisationen, aber auch Funktionäre der rechtsextremistischen NPD. Laut Polizei waren es weniger Teilnehmer als in den Vorjahren.

Klein schloss sich der größeren von zwei Gegendemonstrationen an. Die Stimmung war aufgeheizt, aber auch wegen eines massiven Polizeiaufgebots nicht bedrohlich.

Al-Kuds-Demonstranten sprechen Israel das Existenzrecht ab

Auf dem Al-Kuds-Marsch sah man Menschen, die eindeutige Parolen riefen, darunter „Kindermörder Israel“ oder „Israel war illegal, Israel ist illegal“. Die Demonstranten gaben damit unzweifelhaft zu erkennen, dass es ihnen nicht etwa nur um eine Lösung des Nahost-Konflikts geht, sondern darum, Israel das Existenzrecht abzusprechen. Auf einem Transparent wurde überdies behauptet: „Die Königliche Familie von Saudi-Arabien sind Zionisten mit jüdischen Wurzeln.“

Zufall ist das nicht. Al-Kuds ist die arabische Bezeichnung für Jerusalem. Und hinter dem jährlichen Aufzug steckt nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden die libanesisch-schiitische Hisbollah, hinter der wiederum der mit Israel und Saudi-Arabien verfeindete Iran steckt.

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Der Al-Kuds-Tag wurde 1979 vom iranischen Revolutionsführer Ayatollah Khomeini ausgerufen. Er dient dazu, den arabischen Anspruch auf ganz Jerusalem zu untermauern. Der Zentralrat der Juden in Deutschland und das Internationale Auschwitz-Komitee fordern seit Jahren ein Verbot des Aufzugs.

Am oberen und unteren Ende des Al-Kuds-Marsches gab es am Samstag Gegendemonstrationen, laut Polizei mit insgesamt 1000 bis 1200 Teilnehmern. Organisationen wie die Jüdische Gemeinde, die Amadeu-Antonio-Stiftung oder die Gewerkschaft der Polizei hatten zum Protest aufgerufen. Auf der kleineren sah man Transparente wie „Free Gaza from Hamas“. Die als Terrororganisation eingestufte Hamas beherrscht den Gaza-Streifen.

Volker Beck und Petra Pau bei Gegendemonstration dabei

Auf der größeren Gegendemonstration zeigten sich der Berliner Innensenator Andreas Geisel (SPD), der ehemalige Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck, Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke), die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer und der israelische Botschafter in Deutschland, Jeremy Issacharoff. Pau rief: „Wenn Antisemiten ihr hassendes Haupt erheben, ist Widerstand angesagt. Antisemitismus ist nirgendwo hinnehmbar.“ Am Nachmittag zog der Al-Kuds-Marsch stadteinwärts an der größeren Gegendemonstration vorbei, ohne dass etwas geschah. Dazwischen standen Absperrgitter – und viele Polizisten.

Derweil spricht viel dafür, dass sich Bilder wie diese wiederholen werden. Mit Rücksicht auf die Bedeutung der „Hisbollah“ und ihre Funktion als Vermittlerin im Nahen Osten verzichtet die Bundesregierung darauf, offensiv gegen die radikal-islamische Gruppierung vorzugehen. Felix Klein wird 2020 wohl abermals demonstrieren müssen.

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