Protest gegen Isolierhaft: Schauspielhaus 'besetzt'

40 junge Leute erklommen die Bühne / Gewaltlos geräumt

td FRANKFURT A. M. Rund 40 junge Leute haben am Samstagabend das Frankfurter Schauspielhaus 'besetzt'. Die Protestaktion gegen die Haftbedingungen von RAF-Häftlingen endete in den frühen Morgenstunden des Sonntag mit der gewaltlosen Räumung des Theaters durch die Polizei. 'Iphigenie' hatte Pause, als eine Gruppe von Protestierern gegen 21.30 Uhr die Theater-Bühne erklomm und dort eine Solidaritätserklärung für die hungerstreikenden Häftlinge der 'Rote Armee Fraktion' sowie für 'alle hungerstreikenden Häftlinge in der Bundesrepublik' deklamierte. Die aktuelle Unterbrechung der Goethe-Aufführung war von der Leitung des Schauspielhauses geduldet worden.

Nach Schluß der Vorstellung um etwa 23 Uhr geschah dann etwas Programmwidriges: Die Protestbesucher ließen sich im Foyer des Theaters nieder und erklärten, sie würden hier sitzenbleiben: Das Schauspielhaus sei besetzt.

Zunächst hatte die Theaterleitung eine Linie der Toleranz vertreten. Die Polizei wurde informiert, es gebe keinen Grund zum Eingreifen.

Als die 'Besetzer' jedoch Transparente an die Glasfront des Theaters hängten, sich mit mitgebrachter Verpflegung häuslich einrichteten und erst einmal für Sonntag eine Pressekonferenz im Foyer ankündigten, wurde den Verantwortlichen die Sache zu ernst. Die Theaterleitung bot den Besetzern an, 'unerkannt' das Theater zu verlassen - oder es auf eine polizeiliche Aktion ankommen zu lassen.

Ein Teil der Gruppe zerstreute sich daraufhin. Der harte Kern von etwa 20 Besetzern ließ sich jedoch von solchen Ultimaten nicht beeindrucken. Die Leute wurden daraufhin wegen Hausfriedensbruch angezeigt.

Nach Mitternacht dann wurde - so teilt das Büro des Oberbürgermeisters mit - von OB Walter Wallmann zusammen mit Kulturdezernent Hilmar Hoffmann bei der Polizei die Räumung des Theaters beantragt. Gegen 2.30 Uhr tauchten Polizisten im Foyer auf und 'entfernten' die Besetzer. Diese leisteten nur passiven Widerstand. Sie wurden zur Feststellung der Personalien vorübergehend festgenommen. Um 5.30 Uhr war der letzte Theaterbesetzer wieder frei.

Auf einer Pressekonferenz am Sonntagabend protestierte ein Sprecher des Ensembles des Schauspielhauses gegen die 'unverhältnismäßige Gewaltanwendung' der Polizei in der Nacht zuvor. Die Stadtverwaltung, so hieß es, habe dem Theater das 'Hausrecht weggenommen'. In einer Erklärung vor der Sonntagabend-Vorstellung von 'Iphigenie' solidarisierten sich die Schauspieler mit den Forderungen der Besetzer und wiesen darauf hin, daß einige Gefangene sich in Lebensgefahr befinden. Polizeibeamte sicherten - gegen den Protest der Schauspieler - die Vorstellung.

FR vom 23. März 1981

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