1. Startseite
  2. Politik

Proteste im Iran: Stimmen aus der Islamischen Republik

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sereina Donatsch

Kommentare

Die Sanktionspolitik des Westens hat sich bis jetzt nicht als probates Mittel bewährt, um das iranische Regime von seinen Gräueltaten abzuhalten.

Teheran/Frankfurt – Seit dem Anfang des Aufstands vor mehr als drei Monaten wurden über 18.000 Personen verhaftet und mehr als 500 Demonstrant:innen ermordet. Mindestens 26 Menschen droht die Hinrichtung und zwei Iraner wurden im Zuge von unfairen Scheinprozessen erhängt und zur Schau gestellt. Deutsche Politiker:innen werden aktiv und prangern die Grausamkeit der Islamischen Republik mit konkreten Aktionen an. Nicht zuletzt mit einer Patenschaftsaktion für Inhaftierte.

Die UN-Frauenrechtskommission hat ihrerseits den Iran ausgeschlossen. Das mag anekdotisch erscheinen, aber es ist für das iranische Volk von symbolischer Bedeutung: Es wird nicht vergessen. „Als die Frauenrechtskommission den Ausschluss Irans ankündigte, gab es Feuerwerke und die Menschen feierten und tanzten auf den Straßen in vielen iranischen Städten, wie bei der WM, als die USA gegen den Iran gewannen“, erzählt Jessan (Pseudonym) aus Teheran, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchte.

Für die Freiheit gehen auch diese verschleierten Frauen in der Provinz Sistan und Belutschistan auf die Straße. afp
Für die Freiheit gehen auch diese verschleierten Frauen in der Provinz Sistan und Belutschistan auf die Straße. © afp

Proteste im Iran: „Demonstrieren, bis das System zusammenbricht“

„Die Welt blickt anders auf den Iran und jeder von uns hat von nun an die Verantwortung, dieses Regime zu ändern. Jede Person kann etwas tun“, fährt Jessan fort. Mahia (Pseudonym) unterstreicht ihrerseits die positive Sprengkraft der sozialen Medien. „Erstens gehen Bilder und Videos um die Welt und zweitens können sich die Protestierenden untereinander koordinieren“, erklärt die Iranerin aus Schiraz, die auch anonym bleiben will. „Sie geben einem auch viel Kraft.“

Die Lust, eine Revolution voranzubringen, ist stärker als die Angst. „Wir werden so lange und mit ganzer Kraft demonstrieren, bis das System zusammenbricht und eine demokratische Regierung aufgebaut wird“, meint Salim Salari, Bauingenieur und Musiker, der 2016 nach Deutschland migrierte. „Im Endeffekt ist es ein Abwägen: Was kann ich verlieren? Was kann ich erreichen? Wie geht es weiter, wenn ich nichts mache?“

Der französische Politikwissenschaftler Olivier Roy über den Aufstand im Iran und den Unterschied zu früheren Protesten sowie die deutsche Debatte über Annie Ernaux.

Die Zukunft ist jedoch ungewiss. Besonders, wenn Interessen anderer Staaten und deren Einflüsse ins Spiel kommen. „Wir fordern dementsprechend, dass westliche Staaten auf jeglicher Art von Deals, Beziehungen und so weiter, die das iranische Regime politisch, wirtschaftlich oder militärisch unterstützen könnten, verzichten. Wir brauchen effektivere Sanktionen, die die Revolutionsgarde treffen und nicht das Volk wie bisher“, verlangt Salim Salari. „Eins ist aber schon fast sicher, die Regierung kann nicht mehr so weitermachen.“ (Sereina Donatsch)

Auch interessant

Kommentare