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Um Sexarbeiterinnen zu schützen, wollen Bordellbetreiber wiedereröffnen.
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Um Sexarbeiterinnen zu schützen, wollen Bordellbetreiber wiedereröffnen.

Sexarbeit

Frankfurt: Illegale Prostitution im Bahnhofsviertel nimmt zu

  • Stefan Simon
    VonStefan Simon
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Vor allem ausländische Prostituierte rutschen in die Illegalität und sind nicht vor Gewalt sowie Krankheiten geschützt. Die Bordellbetreiber wollen ihre Häuser wiedereröffnen.

Die Bordellbetreiber im Frankfurter Bahnhofsviertel fordern die Wiedereröffnung ihrer Häuser und klagen über die derzeit existenzbedrohende Situation. „Ausschlaggebend dabei sind nicht nur finanzielle Gründe, sondern auch die schlimme Situation der vorwiegend ausländischen Prostituierten“, betonte Ulrich Mattner vom Gewerbeverein Bahnhofsviertel vor Journalisten.

Waren es vor Corona noch etwa zehn bis 20 illegale Sexarbeiterinnen, sind es laut Mattner inzwischen rund 40 Frauen, die auf der Straße ihre Dienste anbieten. Diese Aussage beruht laut dem Gewerbevereinschef auf Schätzungen der Polizei. Doch Mattner und Claudia Kleck, Inhaberin des Laufhauses „My Way“, schätzen die tatsächlichen Zahlen weitaus höher ein.

Rund 60 bis 70 Prozent der Prostituierten, die derzeit auf den Straßenstrich gingen, kämen aus Bulgarien und Rumänien, sagte Claudia Kleck. „Die Situation dieser Frauen ist besorgniserregend. Sie sind nicht vor Gewalt und Krankheiten geschützt“, erläuterte sie. Die Frauen seien jedoch dazu gezwungen, auf den Straßenstrich zu gehen, weil sie für ihre Verwandtschaft in der Heimat sorgten und ihre Familien dort abhängig von ihnen seien. Und sie warnt: „Der Straßenstrich nimmt drastisch zu.“

Steigende Obdachlosigkeit

Viele der Frauen wurden seit der Schließung der Bordelle von Petra Weigand beraten. Sie arbeitet bei der Beratungsstelle Tamara, die ausschließlich Prostituierte berät. „Einige Frauen konnten Hartz IV beantragen, was in Hessen rechtlich möglich ist, aber nicht in allen Bundesländern“, sagte Weigand.

Doch es habe auch Frauen gegeben, die in Deutschland nicht gemeldet gewesen seien, in überteuerten Wohnungen gelebt und aufgrund ihrer Arbeitslosigkeit keinen Anspruch auf Hartz IV gehabt hätten. „Sie hatten dazu noch dubiose oder keine Mietverträge und sind daher in die Wohnungslosigkeit abgerutscht“, sagte Weigand.

Angesichts des Anstiegs und der Risiken illegaler Prostitution weisen das Aktionsbündnis „Redlight-On“ und die Laufhausbetreiber auf das vor vier Jahren eingeführte Prostituiertenschutzgesetz hin, dass die Sexarbeiterinnen nachhaltig schützen sollte. „Die Bordellschließungen bewirken das Gegenteil“, sagte Marcus Heinbach, Sprecher von „Redlight-On“. „Sie gefährden die Frauen und vergrößern das Risiko der Ausbreitung nicht nur von Corona, sondern auch von anderen Krankheiten. Das ist skandalös.“

Für „Redlight-On“ und die Bordellbetreiber ist das deutliche Ansteigen der illegalen Sexarbeit beispielhaft für das, was passiert, wenn über eine generelle Schließung der Laufhäuser nachgedacht wird. „Das haben einige Politiker erwogen“, erinnerte Heinbach.

Doch die Bordellbetreiber lassen nicht locker und werden wohl ein weiteres Mal vor den Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel ziehen. Es hatte bereits eine Klage mehrerer Laufhäuser gegeben, die jedoch abgelehnt wurde. „Das ist völlig unverständlich“, sagte Nadine Maletzki, Betreiberin des Laufhauses „Sex Inn“. Andere Betriebe wie Restaurants seien schließlich auch wieder geöffnet. „Wir sind in der Lage, ein Hygienekonzept einzuhalten“, sagte Maletzki.

Dazu gehöre Fiebermessen vor dem Einlass, die regelmäßige Desinfektion aller Flächen und sanitären Einrichtungen sowie Maskenpflicht. Sie könne dafür sorgen, dass Freier ihre Kontaktdaten angäben. „Ich kann auch die Ausweise verlangen“, sagte Maletzki. (mit dpa)

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