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Der Prophet als Witzfigur

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Dänen verärgern Saudis

Zwölf in einer dänischen Zeitung erschienene Karikaturen des Propheten Mohammed sind schuld an immer stärkeren Spannungen zwischen Dänemark und der arabischen Welt. Saudi-Arabien hat aus Protest gegen die "schändlichen Zeichnungen" seinen Botschafter aus Kopenhagen abberufen. Dänischen Firmen drohen durch einen Käuferboykott enorme Verluste.

Dänemarks auflagenstärkste Zeitung Jyllands-Posten hatte die Karikaturen im September 2005 veröffentlicht. Sie führten zunächst zu friedlichen Protesten dänischer Moslems und der Bitte der Botschafter aus elf islamischen Staaten um ein Treffen mit Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen, bei dem die Karikaturen und die wachsende antiislamische Stimmung in Dänemark Themen sein sollten. Rasmussen lehnte ab: die Meinungsfreiheit sei unantastbar.

Der Konflikt eskalierte, als sich eine Gruppe dänischer Imame mit der Bitte um Hilfe an das Ausland wandte. Die Außenminister der arabischen Liga kritisierten, die dänische Regierung schütze die Gefühle der Moslems nicht. Saudi-Arabiens religiöses Oberhaupt forderte die Bestrafung von Jyllands-Posten. Mehrere saudische Supermarktketten nahmen dänische Waren aus ihren Regalen, in anderen weisen Warnschilder auf die Herkunft hin. Vom Boykott ist vor allem der Molkereigigant Arla betroffen, der in Saudi-Arabien jährlich 400 Millionen Euro umsetzt. Listen mit dänischen Markenzeichen werden in ganz Nahost verbreitet. "Es gibt Anzeichen, dass sich der Boykott ausbreitet", sagt Arlas Kommunikationschefin Astrid Nielsen.

Nun will Kopenhagen auf diplomatischem Wege "Missverständnisse" ausräumen, etwa die in arabischen Medien kolportierte Ansicht, die (regierungsfreundliche) Jyllands-Posten sei in Regierungsbesitz. In Dänemark ist die Stimmung gespalten. Wenn auch viele die Karikaturen als unnötige Provokation kritisieren, herrscht doch Einigkeit, dass es Jyllands-Postens Recht war, sie zu drucken. Die linke Opposition und frühere Spitzendiplomaten kritisieren aber, dass Premier Rasmussen den Dialog mit den islamischen Botschaftern verweigert habe. Dieser fand bisher, er habe genug zur Beruhigung der Gemüter beigetragen, als er in seiner Neujahrsansprache alles verurteilte, was Menschen wegen ihrer Religion oder ethnischen Herkunft "dämonisiere". Diesen Satz ließ die Regierung ins Arabische übersetzen und verbreiten.

Die von der dänischen Rechten als "Landesverräter" abgestempelten Imame meinen, eine Erklärung Jyllands-Postens, die Karikaturen seien nicht als Verhöhnung des Islam gemeint gewesen, reiche zur Beilegung der Krise. Andere Vertreter des Islam fordern eine Entschuldigung. Islam-Experten zweifeln an einer raschen Lösung: Der Streit komme der saudische Königsfamilie offensichtlich gelegen, um ihr Image zu verbessern.

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