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Italien-Wahl 2022: Kandidaten, Umfragen und das Wahlsystem – alle Informationen im Überblick

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Von: Anika Zuschke

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Giorgia Meloni nimmt an der Mitte-Rechts-Abschlusskundgebung des Wahlkampfs für die Parlamentswahlen in Rom, Italien teil.
Die Rechtsextreme Giorgia Meloni gilt derzeit als Favoritin bei der Italien-Wahl 2022 – was man sonst noch über das wichtige Event wissen sollte. © NurPhoto/Imago

Ein Event mit europaweiter Relevanz steht kurz bevor: die Italien-Wahl 2022. Welche Parteien antreten und welches Ergebnis aktuelle Umfragen prognostizieren.

Rom – Am 25. September 2022 wird ganz Europa auf Italien blicken – denn die vorgezogene Parlamentswahl könnte für die drittgrößte Wirtschaftsmacht in der Europäischen Union einen gravierenden Richtungswechsel darstellen. Warum die Italien-Wahl 2022 so entscheidend ist, welche Kandidaten antreten und welche Bündnisse laut Umfragen vorne liegen, berichtet fr.de.

Datum der Italien-Wahl 2022: Wie laufen die Wahlen in Italien ab – und wann findet die Wahl statt?

Bei der Italien-Wahl 2022 dürfen mehr als 51,5 Millionen Italiener ihre Stimme abgeben, fast drei Millionen davon sind laut dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) Erstwählerinnen und Erstwähler. Die Wahl findet am Sonntag (25. September 2022) statt und bis auf wenige Ausnahmen müssen alle Wahlberechtigten persönlich in ihrer Gemeinde an die Urne treten. Lediglich Italienerinnen und Italiener im Ausland dürfen anhand der Briefwahl ihre Stimme abgeben.

Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg findet die Parlamentswahl in Italien im Herbst statt. Hintergrund dessen ist der Rücktritt von Ministerpräsident Mario Draghi im Juli. Zu diesem Schritt hat sich der frühere EZB-Chef entschieden, als drei Parteien aus seiner Großen Koalition sich der Vertrauensfrage verweigert hatten. Deswegen muss Italien nun zu einer neuen Wahl antreten, bei der trotz hoher Relevanz eine niedrige Wahlbeteiligung von nur rund 65 Prozent erwartet wird.

Wahl in Italien 2022: Ukraine-Krieg und Meloni machen Parlamentswahl zu europaweit releavantem Thema

Aber warum ist die Italien-Wahl 2022 so entscheidend? Das hat unter anderem mit den derzeitigen Favoriten der Parlamentswahl sowie mit dem Ukraine-Krieg zu tun. Die russische Invasion und infolgedessen die Energiekrise hat für eine engere Zusammenarbeit der EU gesorgt, bei der Italien als große Wirtschaftsmacht eine wichtige Rolle spielt. Doch sprechen aktuelle Umfragen dafür, dass die Rechtsextreme Giorgia Meloni von der nationalistischen Partei Fratelli d’Italia zur neuen Ministerpräsidentin gewählt wird – damit wäre ein Rechtsruck bei der Italien-Wahl zu erwarten.

Sollte das um Meloni agierende Mitte-Rechts-Bündnis die neue Regierung stellen, wurde ein „Grüppchen, das nie einen Hehl daraus gemacht hat, russlandfreundlich und putinfreundlich zu sein“ regieren, erklärt der Politikwissenschaftler Roman Maruhn dem Deutschlandfunk.

Denn obgleich die 45-Jährige ihre Unterstützung für die Ukraine immer wieder bekräftigte und Waffenlieferungen an das Land befürwortet, vertreten ihre Koalitionspartner – der umstrittene Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi und Rechtspopulist Matteo Salvini – eine andere Ansicht. Sie haben über Jahre hinweg engste Beziehungen zu dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und der russischen Botschaft gehegt, die italienischen Medienberichten zufolge sogar heute noch anhalten. Berlusconi sorgte auch erst kürzlich mit der Aussage, dass „Putin zum Krieg gedrängt“ wurde, für einen enormen Aufreger.

Wofür steht die rechtsextreme Meloni bei den Italien-Wahlen 2022?

Aber welche Ansichten vertritt die aktuelle Favoritin Meloni – und wofür würde sie sich mit ihrer Regierung in Italien einsetzen? Dem Deutschlandfunk zufolge kritisiert die Rechtsextreme in ihren Reden die EU und positioniert sich gegen „Masseneinwanderung“, Abtreibungsrechte und Migranten aus mehrheitlich muslimischen Ländern sowie gegen die LGBTQ-Lobby. Zudem spricht die Politikerin sich für ein härteres Durchgreifen der Polizei aus und wünscht sich starke Nationalstaaten statt einer Union.

Im Wahlkampf fokussieren sich die Rechten darauf, Steuern senken und die Wirtschaft stärken zu wollen – derzeit kommen aber auch vermehrt Skandale um die Partei von Meloni auf. Konträr zu dem rechts-konservativen Programm setzt sich das Bündnis Mitte-Links für soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz und die internationale Zusammenarbeit ein, wie RND berichtet.

Welche Kandidaten und Bündnisse gibt es in Italien – und wie sind ihre Chancen bei der Wahl 2022?

Die Mitte-Rechts-Koalition geht Umfragen zufolge als Favorit der Italien-Wahl 2022 ins Rennen. In der Allianz setzt sich Giorgia Meloni mit ihrer radikal rechten Partei Fratelli d’Italia als stärkste Kraft durch. An ihrer Seite befinden sich die rechtspopulistische Lega von Salvini und die konservative Forza Italia von Berlusconi. Sollte das Bündnis bei der Wahl gewinnen, hätte Meloni Anspruch auf den Posten der Ministerpräsidentin.

Gegen eine rechtskonservative Zukunft in Italien setzt sich das Mitte-Links-Bündnis mit der vom ehemaligen Regierungschef Enrico Letta geführten sozialdemokratische Partei PD (Partito Democratico) ein. Um ein Bündnis zu gründen, ging die PD eine Wahlallianz mit linken Parteien und Grünen ein. Gemeinsam möchten sie die Politik von Mario Draghi weiter fortführen.

Darüber hinaus gibt es in Italien – neben anderen kleineren Parteien – die linkspopulistische Fünf-Sterne-Bewegung mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte an der Spitze. Sie fordern laut dem Deutschlandfunk einen Ausbau des Bürgergeldes, Einführung eines Mindestlohns sowie eine radikale ökologische Wende.

Wahlsystem in Italien bei der Parlamentswahl 2022 – Meloni hat die besten Chancen

Das Wahlsystem in Italien setzt sich aus Direkt- und Verhältniswahlen zusammen, von dem starke Allianzen profitieren können. Wie RND berichtet, werden je ein Drittel der 200 Senatoren und 400 Mitglieder des Abgeordnetenhauses in den Wahlkreisen direkt gewählt. Die verbleibenden zwei Drittel der Sitze werden anschließend je nach landesweitem Abschneiden der Parteien vergeben.

Während sich die Rechten auf gemeinsame Kandidaten in den Direktwahlkreisen einigen konnten, nominierten ihre Parteigegner teils eigene Leute. Aus dem Grund wird Meloni von Experten eine Chance auf bis zu 90 Prozent der Direktmandate zugesagt. Bei der Verhältniswahl würden anschließend weniger als 50 Prozent Zustimmung für eine Mehrheit im Parlament reichen.

Umfragen zu der Italien-Wahl 2022 fallen eindeutig aus: Mitte-Rechts-Bündnis liegt vorne

Umfragen zufolge liegt das Mitte-Rechts-Bündnis dementsprechend deutlich vorne. Für das Mitte-Links-Bündnis sowie die Fünf-Sterne-Bewegung stehen die Chancen demnach schlecht. Erhebungen nach zu urteilen, die letztmals am 9. September 2022 veröffentlicht wurde, könnte die rechte Allianz rund 45 Prozent der Stimmen erhalten.

Das Bündnis aus demokratischer Partei und kleinen liberalen und linken Gruppen rund um Enrico Letta erreicht in den Umfragen hingegen nicht einmal 35 Prozent. Die populistische Fünf-Sterne-Bewegung rangiert derzeit in Umfragen laut n-tv nur bei rund 12 Prozent. Erste Prognosen zur Italien-Wahl 2022 werden am Sonntagabend (25. September) gegen 23 Uhr veröffentlicht, im Laufe der Nacht folgen dann die Hochrechnungen. Die ersten offiziellen (Teil-Ergebnisse) werden schließlich am Montagmorgen (26. September) erwartet. (Anika Zuschke)

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