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Der Umgang mit der Krise ist auch ein Wettbewerb der möglichen Kanzlerkandidaten von CDU und CSU.

Kanzlerkandidaten

Profilieren in der Pandemie

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Der Umgang mit der Krise ist auch ein Wettbewerb der möglichen Kanzlerkandidaten von CDU und CSU.

An den Tagen, an denen es in Deutschland die Leute zum Osterspaziergang nach draußen zieht, ziehen mehrere Männer ihre Jacketts an und setzen sich vor eine Kamera. Einer in Düsseldorf, einer in München. Armin Laschet und Markus Söder, der nordrhein-westfälische und der bayerische Ministerpräsident, machen sich bereit für Videobotschaften.

Der Bundespräsident hat da schon zu Vernunft und Geduld gemahnt im Umgang mit der Corona-Krise. Söder und Laschet wollen auch noch etwas loswerden. Eine Entscheidung steht bevor: Zum Ende der Osterferien soll klar sein, wie es weitergehen soll mit den Corona-Beschränkungen. Am Mittwoch beraten die Ministerpräsidenten. Zeit sich zu positionieren, finden Laschet und Söder ganz offenkundig.

C-Problem mischt sich mit K-Frage

Man kann das ganz normal finden: Söder und Laschet regieren die bevölkerungsreichsten deutschen Bundesländer. Hier sind die ersten Fälle registriert worden und mittlerweile die meisten Infektionen.

Aus einem Ort im Sauerland meldet sich auch noch Friedrich Merz. Spätestens das macht klar, worum es neben Corona auch geht: um die Kanzlerkandidatur der Unionsparteien. Das C-Problem mischt sich also mit der K-Frage. Es geht nicht nur um Krise, sondern auch um Macht, oder besser: darum, wer künftig im ganzen Land die Ansagen macht.

Die Union hat noch nicht geklärt, wen sie bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr als Kanzlerkandidat ins Rennen schickt. Die Vorsitzenden der beiden Schwesterparteien haben darauf die beste Aussicht. Söder ist schon CSU-Chef. Laschet bewirbt sich um die CDU-Führung, die Annegret Kramp-Karrenbauer abgeben will. Und Merz ist ein weiterer Kandidat.

Eigentlich sollte der Parteivorsitz Ende April entschieden werden. Wegen Corona ist der Sonderparteitag abgesagt. Die höheren Umfragewerte für die Union aber haben alle registriert. Bei 37 bis 38 Prozent sind CDU/CSU lange nicht gelegen, es ist ein erwartbarer Krisenbonus für eine Regierungspartei. Es wäre aber auch eine gute Ausgangsbasis für einen Wahlkampf.

Söder gibt den harten Hund

Aber offiziell sind alle ganz bei der Sachpolitik, beim Virus. Söder gibt den harten Hund, den zu allem Entschlossenen, den Drängler. Er lässt sein Kabinett früh Kontaktverbote beschließen und die Verschiebung des Abiturs. Er wartet dabei nicht auf die anderen Bundesländer. Zum Teil kommen die Beschlüsse nur wenige Stunden nachdem die Ministerpräsidenten ein einheitliches Vorgehen beschlossen haben. Andere Ministerpräsidenten werfen ihm mangelnde Solidarität vor. Als derzeitiger Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz sollte er die Länder besser koordinieren, heißt es. Man könne nicht ewig über alles reden, entgegnet Söder. Gerade ist er derjenige, der warnt, Beschränkungen zu früh aufzuheben.

Laschet zeigt sich bedächtiger. Er war schon bisher der Mann für den Kompromiss und fürs Abwägen. Deutlich geworden ist das auch im Streit um die Flüchtlingspolitik: Laschet gehörte ins Lager von Kanzlerin Angela Merkel. Söder, damals noch bayerischer Minister, war einer der Chef-Zuspitzer auf der anderen Seite.

Aber als Bedächtiger wird man öffentlich weniger wahrgenommen. Söders Umfragewerte steigen. Bei der Frage nach dem besten Unions-Kanzlerkandidaten hat er in einer Befragung des Yougov-Instituts Merz von der Spitze verdrängt, sowohl unter den Unions-Anhängern als auch insgesamt. Laschet liegt weit dahinter auf Platz 3.

Laschet prescht erneut vor

Ausgerechnet die Härte, die bisher in der öffentlichen Wahrnehmung Teil seines Problems war, spült Söder jetzt nach oben. Der 53-Jährige galt als rücksichtsloser Machtmensch, auch deswegen hat er eine Kanzlerkandidatur bislang ausgeschlossen. Für die Oster-Ansprache wählte Söder einen gütigen Blick und eine sanfte Stimme.

Laschet versucht es andersherum: Er eilt forsch durch seine Osteransprache, mit wenigen Pausen und fast ohne sein sonst typisches schalkhaftes Lächeln, ganz Typus dynamischer Manager. Bei einer Telefonkonferenz mit den anderen Ministerpräsidenten vor einigen Wochen legt er ein Konzept vor, das er mit mehreren Ländern besprochen hat – allerdings nicht mit Bayern. Söder reagiert beleidigt, die Kanzlerin muss beschwichtigen.

Für die Runde am Mittwoch ist Laschet erneut vorgeprescht. Er hat Experten eine Exit-Strategie erarbeiten lassen, parallel zu den Expertisen, die die Bundesregierung in Auftrag gegeben hat. Wenn Söder die Rolle des Coronavirus-Bekämpfers beansprucht, dann will Laschet sich die des Hirten schnappen, der die froheren Botschaften verkündet. Man müsse auch an die denken, die durch die Einschränkungen Probleme bekämen, durch Kurzarbeit, Einsamkeit, Depressionen oder Gewalt.

Merz meldet sich corona-krank

Es sei bedauerlich, dass einzelne Länder schon jetzt ausscherten, sagt Söder nun. Gemeinsamkeit sei doch wichtig. „Wer aus Ungeduld zu früh und zu viel lockert, riskiert Leben“, sagt er.

Dabei ist die Ungeduld möglicherweise der Punkt, an dem Söder stolpern kann. Er wartet nicht gerne. Auch bei Laschets Krisenmanagement wird die Geschwindigkeit eine Rolle spielen: Wurde im nordrhein-westfälischen Corona-Hotspot Heinsberg schnell genug und richtig reagiert?

Einer sieht sich das Ganze von zu Hause aus an: Friedrich Merz meldete sich zu Beginn der Krise corona-krank und ließ die Öffentlichkeit via Twitter an sein Krankenbett treten, Fieber-Husten-Protokoll inklusive. Ohne Regierungsamt hat Merz derzeit eigentlich das Nachsehen, das lässt sich auch an den Umfragen ablesen. Aber er baut schon einmal vor: Im nächsten Wahlkampf sei vermutlich die Wirtschaftspolitik das beherrschende Thema, sagt er. Wen er dafür als Fachmann sieht, lässt sich vermuten. Und eines zumindest ist auch klar: Fehlerhaftes Krisenmanagement wird man ihm nicht vorwerfen können.

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