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Macht einigen Wind: Kronprinz Salman.

Saudi-Arabien

Der Prinz und der Präsident

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Jemenkrieg, Iran, Atomprogramme ? Saudi-Arabiens Kronprinz Salman bringt viele Themen mit zum Gespräch mit US-Präsident Trump.

Sie mögen einander: der 32-jährige forsche saudische Kronprinz und der 71-jährige amerikanische Präsident. Donald Trumps prestigeträchtige, erste Auslandsreise im Mai 2017 ging nach Saudi-Arabien, von Riad erkauft mit dem größten Rüstungsdeal aller Zeiten. Anfang kommender Woche nun besucht der starke Mann der Arabischen Halbinsel Washington, nach London die zweite Etappe seiner außenpolitischen Werbetour, der auch noch Paris folgen soll. Knapp vier Tage hält sich der designierte saudische Monarch in der amerikanischen Hauptstadt auf, kein Wunder angesichts der voluminösen Themen, die zu besprechen sind.

Weitgehendes Einvernehmen herrscht vor allem beim Iran. Die Entlassung des bisherigen Außenministers Rex Tillerson und die Nominierung von CIA-Chef Mike Pompeo kommen der saudischen Führung sehr gelegen. Der Neue im State Department wird einen konfrontativeren Kurs gegenüber Teheran fahren, ganz im Sinne seines Chefs und des saudischen Thronfolgers.

Trump will das Atomabkommen mit dem Iran aufkündigen, ein Schritt, dem sich Tillerson widersetzte. Gleichzeitig nähert sich Riad immer mehr einer De-Facto-Allianz mit Israel an, welches sich dem iranischen Einfluss in der Region genauso entschieden entgegen stemmt. Dem Ansehen des saudischen Thronerben in Washington kommt zudem seine innenpolitische Reformagenda zugute, mit der Mohammed bin Salman das konservative Königreich Schritt für Schritt umkrempelt. Frauen dürfen von Juni an Autofahren, Kinos wurden wieder zugelassen und das Konzertleben reaktiviert.

Anders dagegen beim Jemenkrieg und bei dem rabiaten Umgang mit Katar. Hier wächst die amerikanische Ungeduld. Die Al-Udeid Luftwaffenbasis in Katar ist die US-Einsatzzentrale für den Nahen und Mittleren Osten. Washington fürchtet, ein Zerfall des Golf-Kooperationsrates könnte das superreiche Emirat in die Arme von Iran und Türkei treiben. 

Pentagon hält Jemen-Krieg für militärisch nicht zu gewinnen

Den Krieg im Jemen, der inzwischen drei Jahre dauert, hält das Pentagon für militärisch nicht zu gewinnen. Die Vereinten Nationen sprechen von der „größten humanitären Katastrophe der Gegenwart“. 80 Prozent der Jemeniten leiden Not, ein Drittel ist vom Hungertod bedroht.

Ende Februar wechselte Kronprinz Salman seine komplette Militärspitze aus in der Absicht, seine Gegner in Jemen 2018 doch noch zu besiegen. In Washington dagegen wachsen Zweifel. Nächste Woche während des Salman-Besuches will der Senat abstimmen, ob die bisherige US-Unterstützung durch Tankflugzeuge, Aufklärungssatelliten und Mitarbeit in der Lufteinsatzzentrale der Saudis beendet werden soll. Der Kongress habe weder dem Jemen den Krieg erklärt noch den Einsatz von Militär in diesem Konflikt genehmigt, heißt es in der Vorlage, die Politiker beider Parteien unterstützen.

Ein weiteres heißes Eisen sind die kürzlich enthüllten Atompläne, mit denen Saudi-Arabien seine Ölreserven für den Export schonen will. 16 Reaktoren möchte das Königreich bis 2040 bauen – ein heikler Plan. Denn sollte Trump den Atomvertrag mit Iran kündigen und die Islamische Republik ihr Atomprogramm wieder anfahren, könnte dies am Golf ein atomares Wettrüsten auslösen. „Wir wollen keine Atombombe“, versuchte der Kronprinz in einem Vorab-Interview seines US-Besuches zu beruhigen. „Aber wenn Iran eine solche Bombe baut, werden wir so bald wie möglich nachziehen.“

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