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Pride-Parade in Uganda verboten: „Wir können uns nicht weiter verstecken“

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Von: Felix Lill

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Vor einige Jahren feierten queere Menschen in Uganda, dass ein Gericht ein besonders LGBTQ-feindliches Gesetz gekippt hatte.
Vor einige Jahren feierten queere Menschen in Uganda, dass ein Gericht ein besonders LGBTQ-feindliches Gesetz gekippt hatte. © afp

Nach dem Verbot eines queeren Festivals schwindet die Hoffnung auf Wandel in Uganda. Für „homosexuelle Tätigkeiten“ kann man im ostafrikanischen Land im Gefängnis landen.

Für den nationalen Unabhängigkeitstag am 9. Oktober hatte eine kleine Gruppe von Menschen in der ugandischen Hauptstadt Kampala ein Event geplant, das im ostafrikanischen Land eigentlich unerhört ist. Die Veranstaltung „Pride Independence“, beworben mit einer dezenten Regenbogenflagge, sollte „Pride“ im Sinne der LGBT-Bewegung feiern: Stolz auf das, was man ist, wie man ist.

„Ich bin einfach nur aufgeregt“, hatte Ramathan Kaggwa noch kurz vor dem Festival gesagt, das er wochenlang organisiert hatte. Der 25-jährige Pastor hatte vor einigen Jahren eine maßgeblich im Untergrund operierende, queerfreundliche Kirche gegründet. Zudem unterhält er durch Spenden finanzierte Notunterkünfte für Personen, die geoutet wurden und daraufhin ihr Zuhause verloren. Nun sah er sich und sein Land bereit für den nächsten Schritt.

„Wir können uns nicht weiter verstecken. Die Welt muss wissen, dass wir existieren.“ Auf „homosexuelle Tätigkeiten“ steht in Uganda eine mehrjährige Gefängnisstrafe. Und hätte das Verfassungsgericht vor einigen Jahren nicht ein Gesetz wegen technischer Mängel einkassiert, würde Homosexualität gar mit der Todesstrafe geahndet.

Queere Menschen in Uganda erleben immer wieder Gewalt durch die Polizei

Wer nicht hetero ist, lebt oft in Angst. Dafür gab es jetzt neuen Anlass. Kurz vorm geplanten Start wurde das Festival von der Polizei aufgelöst. Vor Ort war Kaggwa ratlos, denn er habe sich extra vorab mit der Polizei abgesprochen.

Immer wieder werden Zusammenkünfte queerer Gruppen im Land durch die Polizei gestört und aufgelöst. Gewaltanwendung ist dabei keine Seltenheit. Um Problemen vorzubeugen, hatte Kaggwa sein Festival als „Gebetsevent“ deklariert – so sollte die im christlichen Uganda geltende Maxime der „Freiheit des Gebets“ als Schutz dienen.

Damit die Polizei das Event, für das immerhin 200 Personen eingeplant waren, vor Angriffen absichere, habe Kaggwa sie auch finanziell unterstützt, deren Transport und Zeit bezahlt. Nur wurde er dann „in letzter Minute“ überrascht: „Es kam ein Anruf von der Polizeizentrale, und sie sagten uns, wir sollten unser Gebet nicht durchführen. Es gehe doch um viel mehr. Und ihre Bosse wollten das nicht.“ Schließlich wurde die Veranstaltung untersagt.

Festgenommene Aktivist:innen müssen Beobachtung befürchten

Vor Ort kam es offenbar zu schweren Wortgefechten, Streit und Wutausbrüchen. Eine trans Frau sei geschlagen worden. Und bald fand sich Kaggwa mit acht Mitorganisator:innen und Teilnehmenden auf der nächsten Polizeiwache wieder.

Einen Tag nach dem Vorfall wollte die Polizei daraus keine große Sache machen. „Die Veranstaltung war nicht genehmigt“, erklärte ein Sprecher am Telefon zunächst eher wortkarg. „In Uganda gibt es Regeln!“, betonte er dann mit schreiender Stimme. Die Festgenommenen würden in Kürze wieder freigelassen. Allerdings bleibt unklar, ob sie nun unter Beobachtung stehen und warum das Event trotz voriger Absprachen doch nicht genehmigt worden war.

Staat sendet mit Verbot des Pride-Festivals klare Botschaft an LGBTQ-Community

Für die Zukunft hoffen sie auf körperliche Unversehrtheit und eine Freiheit von Verfolgung. „Wir haben Angst“, sagte einer, der sich zum Zeitpunkt der Auflösung des Festivals noch auf dem Weg dorthin befunden hatte und nun eine der geheimen Notunterkünfte für Homosexuelle abzusichern versuche.

Eigentlich stellen Zusammenkünfte queerer Personen an sich noch kein Verbrechen dar, wie auch der ugandische Journalistenverband bestätigt. Das gesetzliche Verbot beziehe sich auf den Geschlechtsakt. Die Auflösung einer als Gebetstreffen deklarierten Veranstaltung, die zudem mit der Regenbogenflagge geworben hatte, sendet nun eine unmissverständliche Botschaft: Die Staatsmacht hat nicht nur ein Problem damit, wenn man von der heterosexuellen Norm unter der Bettdecke abweicht. Queere Personen sollen sich gar nicht erst treffen.

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